Bisher können Rollstuhlfahrer nicht mitfahren

Mit der ersten Fahrt auf einer öffentlichen Straße stellten zu Beginn des Jahres Moia, der 2016 gegründete Mobilitätsdienstleister des Volkswagenkonzerns, die Stadt Hamburg sowie die Hochbahn die neuen vollelektronischen Fahrzeuge vor. Von nun an gehören die schwarz-gelben Fahrzeuge zum Hamburger Straßenbild, zunächst noch im Rahmen einer Testphase, in der Moia technische Erprobungen durchführt und mehrere hundert Fahrer schult. Voraussichtlich ab April soll dann der öffentliche Betrieb in der Hansestadt starten.

100 dieser sechssitzigen Kleinbusse fahren ab April durch Hamburg. | © Moia

Das Prinzip hinter Moia ist das sogenannte Ride-Sharing: das bedeutet, mehrere Fahrgäste teilen sich auf einem Streckenabschnitt ein Sammeltaxi. Mithilfe einer App, die auf das Smartphone heruntergeladen wird, können Nutzer ihren Standpunkt und ihr Fahrtziel aussuchen und die Fahrten buchen. Ein Algorithmus berechnet die Strecke und fasst die Buchungen mehrerer Kunden zusammen. So wird eine Route geplant, auf der möglichst viele Fahrgäste zusteigen und gemeinsam zu ihren jeweiligen Zielen kommen können. Insgesamt etwa 10.000 virtuelle Haltestellen – die in der App angezeigt werden – sollen dafür sorgen, dass Fahrgäste nur sehr kurze Fußwege zurücklegen müssen. Diese neue Form der innerstädtischen Mobilität soll das allgemeine Verkehrsaufkommen senken, die Straßen effizienter nutzen und nach Möglichkeit die Umwelt schonen.

100 eigens produzierte sechssitzige Kleinbusse mit Elektroantrieb sollen ab April den öffentlichen Betrieb aufnehmen. Im Laufe des ersten Jahres soll die Fahrzeugflotte auf 500 Autos mit rund 1500 Fahrern ausgebaut werden. Ursprünglich geplant waren sogar 1000 Fahrzeuge, was die Stadt Hamburg jedoch nicht genehmigte. Wegen der geringeren Anzahl von Fahrzeugen werden zunächst nur Fahrten im Stadtgebiet nördlich der Elbe möglich sein.

Der Fahrpreis soll sich, ähnlich wie bei Taxifahrten, aus einem Grundpreis und einem festen Preis pro Kilometer zusammensetzen und je nach Wochentag und Uhrzeit anders berechnet werden. Moia verspricht jedoch einen fairen Preis, der zwischen den Kosten für den öffentlichen Nahverkehr und von Taxen liegt. Einzelpersonen sollen so für die meisten Fahrten zwischen fünf und zehn Euro zahlen müssen. Der berechnete Fahrpreis wird schon vor Fahrtbeginn in der App angezeigt.

Fahrtkunden können in der App auch eine Wunschzeit angeben, zu der dann ein Moia-Fahrzeug an dem ausgemachten Haltepunkt sein soll. Auf dem Smartphone lassen sich zudem der Fahrtweg und das Näherkommen des Kleinbusses verfolgen. Eine Änderung des Ziels ist während der Fahrt allerdings nicht mehr möglich, alternativ müsste stattdessen wieder eine neue Fahrt gebucht werden.

Seit 2017 ist Moia schon in Hannover aktiv. Dort sind derzeit rund 80 Fahrzeuge im Einsatz – allerdings noch im Gegensatz zu Hamburg mit Verbrennungsmotor. Berlin hingegen hat Moia kürzlich eine Absage erteilt, da die Verwaltung Nachteile für den öffentlichen Nahverkehr befürchtet und auf andere Anbieter im Bereich Ride-Sharing setzt.

In Hamburg will die Hochbahn das Angebot von Moia demnächst auch in die eigene Plattform „switchh“ integrieren, um die verschiedenen Hamburger Mobilitätsangebote miteinander zu verzahnen. Bislang bündelt „switchh“ die Dienste des öffentlichen Nahverkehrs, von myTaxi sowie von Car- und Bike-Sharing-Angeboten.

Fahrer darf nicht helfen

Für viele Ältere und gerade auch Menschen mit Behinderung dürfte die Erweiterung des Hamburger Mobilitätsangebots um Moia allerdings zunächst kaum Vorteile bringen. Denn besonders barrierefrei ist das Angebot der Volks­wagentochter bislang noch nicht. Grundsätzlich sei es zwar möglich, neben Gepäck auch Gehhilfen wie Krücken oder faltbare Rollatoren und zusammengeklappte Rollstühle mit in das Sammeltaxi zu nehmen, dies aber nur, wenn sie im eigenen Sitzbereich sicher verstaubar sind, heißt es auf dem Internet­auftritt von Moia.

Der Einstieg in das Fahrzeug ist zwar breit und mit einer Haltestange ausgestattet, erfolgt aber über eine Stufe. Da der Fahrer aus Sicherheitsgründen das Fahrzeug nicht verlassen darf, kann er Fahrgästen auch nicht beim Einsteigen behilflich sein.

Moia will nachbessern

Auf Anfrage betont ein Sprecher jedoch, Moia seien die Probleme bewusst und man arbeite Schritt für Schritt an Lösungen, um das Angebot für möglichst viele Menschen nutzbar zu machen. Dazu sei man im Austausch mit Behindertenverbänden und weiteren Einrichtungen. Auch werde gerade ein Training entwickelt, um Fahrer zu sensibilisieren und im Umgang mit Fahrgästen mit besonderem Unterstützungsbedarf zu schulen.

Kommentar

Moderne Mobilität geht anders

Landesvorsitzende Renate Schommer | © VdK Hamburg

Dass die Menschen in Hamburg mit Moia einen neuen Fahrdienstleister bekommen, der preislich die Lücke zwischen ÖPNV und Taxen schließt, ist eigentlich eine gute Nachricht. Dass aber ein neuer Mobilitätsdienst in der zweitgrößten deutschen Stadt im 21. Jahrhundert erstmal nur eingeschränkt barrierefrei nutzbar ist, ist unverständlich.

In Hamburg leben rund 130.000 schwerbehinderte Menschen. Für sie ist es schon jetzt oftmals schwer genug, sich barrierefrei oder wenigstens barrierearm in ihrer Heimatstadt zu bewegen: der öffentliche Personennahverkehr stellt Reisende mit Behinderung noch immer vor viele Schwierigkeiten. Zudem werden auch ältere Menschen durch die Fahrpreisgestaltung und die Sperrzeiten des HVV in ihrer Mobilität eingeschränkt. Und auch wenn die S-Bahnstationen nun endlich barrierefrei gestaltet werden und sich in der Vergangenheit schon viel getan hat, es wäre inzwischen wirklich an der Zeit gewesen, neue Mobilitätsangebote gleich barrierefrei an den Start zu bringen.

Alle sollten profitieren

Als Sozialverband VdK finden wir es sehr schade, dass Ältere und Menschen mit Behinderung diesen neuen Service vielleicht erst einmal kaum nutzen können. Wir hoffen sehr, dass Moia möglichst schnell die versprochenen Lösungen präsentiert, die es tatsächlich allen Menschen ermöglichen, den Dienst zu nutzen.

scb

Schlagworte Moia | Nahverkehr | Mobilitätsangebot | Mangel an Barrierefreiheit

Der VdK in den sozialen Medien

Der VdK Hamburg bei Instagram


VDK HAMBURG
Symbolbild: Eine Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderung mit Protestplakaten.
Der VdK ist die größte Selbsthilfe-Organisation in Deutschland, er setzt sich seit 60 Jahren erfolgreich für die Interessen seiner Mitglieder ein.

KONTAKT ZUM VDK HAMBURG
Symbolbild: VdK Telefonzentrale
Einen Termin vereinbaren. Sich über die Adresse und die Öffnungs- und Sprechzeiten informieren.
VDK HAMBURG
Protraitfoto
Landesverbandsvorstand Sozialverband VdK Hamburg
VDK HAMBURG
Symbolbild: Ein Treffen von VdK Mitlgiederinnen mit Kaffee und Kuchen
Unsere Ortsverbände organisieren interessante bunte Abende, kulturelle und informative Veranstaltungen.
VDK HAMBURG
Gruppenfoto
Hier informieren wir Sie über aktuelle Veranstaltungen und Versammlungen der Ortsverbände.
VDK HAMBURG
Blick auf einen Hamburger Seniorentag
Download der Satzung des Sozialverbandes VdK Hamburg
KONTAKT ZUM VDK HAMBURG
Symbolbild: VdK Telefonzentrale
Einen Termin vereinbaren. Sich über die Adresse und die Öffnungs- und Sprechzeiten informieren.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.