Auszeit vom Job: Pflege für Angehörige

Mehr als zwei Millionen Pflegebedürftige werden in Deutschland zuhause versorgt, knapp 1,4 Millionen von ihnen sind auf die Unterstützung von Angehörigen angewiesen – entweder gewollt oder weil das Geld für die vollständige Versorgung durch einen Pflegedienst nicht ausreicht.

Weitere Informationen zur Angehörigenpflege bietet die VdK-Broschüre „Pflege geht jeden an“.

Wird jemand pflegebedürftig, ist es für die berufstätigen Angehörigen kaum möglich, etwa mit Verringerung ihrer Arbeitszeit unmittelbar darauf zu reagieren. Damit sie sich in solchen Momenten trotzdem um ihre Angehörigen kümmern und die künftige Betreuung planen können, gibt es die sogenannte Pflegezeit. Dafür kann sich der pflegende Angehörige bis zu sechs Monate von seiner Arbeit freistellen lassen. In dieser Zeit wird kein Lohn gezahlt, der Arbeitnehmer bleibt aber sozialversichert.

Anspruch auf Pflegezeit hat, wer einen nahen Verwandten wie Partner, Eltern oder Geschwister pflegen will und in einem Betrieb mit mehr als 15 Beschäftigten arbeitet. Zehn Tage vorher muss dem Arbeitgeber schriftlich angekündigt werden, wie lange und in welchem Umfang die Pflegezeit genommen wird (vollständige oder teilweise Freistellung).

Während der Pflegezeit ist der Pflegende weiter renten-, unfall- und arbeitslosenversichert. Die Beiträge der Pflegekasse zur Rentenversicherung sind vom Umfang der Pflegetätigkeit abhängig. Bei der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung wird es dagegen komplizierter. Diese bleibt nur bestehen, wenn der pflegende Angehörige noch Teilzeit arbeitet, nicht aber bei geringfügiger Beschäftigung. Wenn dieser Fall eintritt, kann von der Pflegekasse ein Zuschuss beantragt werden.

Und noch etwas: Wer vorzeitig aus der Pflegezeit in den Beruf zurückkehren will, braucht dafür die Zustimmung des Arbeitgebers. Es sei denn, die gepflegte Person verstirbt, wird in ein Pflegeheim aufgenommen oder die häusliche Pflege ist aus anderen Gründen unmöglich.

Ändert sich die Pflegesituation unvorhergesehen, weil sich der Gesundheitszustand des Angehörigen akut verschlechtert, kann eine Auszeit von bis zu zehn Tagen genommen werden. Diese kurzzeitige Freistellung ist unabhängig von der Anzahl der Mitarbeiter im Unternehmen. Außerdem bleiben Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung bestehen sowie ein Kündigungsschutz. Um seinen Lohnausfall auszugleichen, erhält der Pflegende ein Pflegeunterstützungsgeld von etwa 90 Prozent des bisherigen Nettolohns. Der Antrag ist zusammen mit einem ärztlichen Attest bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen einzureichen.

VdK-Beratung


Die VdK-Mitarbeiter in der Hamburger Geschäftsstelle beraten Sie in sämtlichen Fragen rund ums Thema Pflege unter Telefon (0 40) 4 01 94 90.

Christina Diekmann

Schlagworte Angehörigenpflege | Pflegende Angehörige | Altenpflege | Freistellung

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