Sinkt der Östrogenspiegel, steigt der Blutdruck

Bluthochdruck ist nicht nur Männersache. Von den etwa 20 Millionen Menschen mit Bluthochdruck in Deutschland sind knapp die Hälfte Frauen. Ab den Wechseljahren ist für sie die Gefahr besonders groß, dass die Werte steigen.

Mehr Bewegung und weniger Gewicht lässt den Blutdruck sinken. | © AOK-Mediendienst

Kaum eine junge Frau hat Blut­hochdruck. Im Gegenteil: Gerade die Schlanken unter ihnen klagen oft über zu niedrige Werte. Doch das kann sich um das 50. Lebensjahr herum schleichend ändern. Eine Rolle dabei spielt das veränderte Zusammenspiel der Hormone im Körper einer Frau. „Ab den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel, was sich ungünstig auf den Blutdruck auswirken kann“, erläutert Dr. Julian Bleek, Arzt im AOK-Bundesverband. „Bis dahin schützen die weiblichen Geschlechtshormone die Gefäße und tragen dazu bei, dass sie elas-tisch bleiben.“

In mittleren Jahren erkranken Frauen tatsächlich seltener an Blut­hochdruck als Männer. Blickt man auf die Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen, haben noch deutlich mehr Männer als Frauen einen Blut­hochdruck, wie Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen. Doch danach holt das weibliche Geschlecht auf. In der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen überholen die Frauen sogar die Männer: Fast 55 Prozent der Seniorinnen haben eine Hypertonie, wie der Bluthochdruck auch genannt wird. Bei den männlichen Altersgenossen sind es etwas weniger, nämlich knapp 52 Prozent.

Galten Bluthochdruck und Herzinfarkt früher als typisch männliche Leiden, offenbaren die Zahlen des RKI auch, dass das weibliche Geschlecht sich nicht in Sicherheit wiegen kann: Mit steigendem Alter leiden mehr Frauen als Männer unter Bluthochdruck und damit dem wichtigsten Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ein unbehandelter Bluthochdruck kann gefährlich werden. Gefürchtete Folgen sind zum Beispiel ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt, eine Herzschwäche oder Nierenschäden. Weil sich die hohen Werte häufig nicht durch Symptome bemerkbar machen, wird Bluthochdruck auch als „stiller Killer“ bezeichnet. Für Frauen ist es umso wichtiger, dass sie auf ihre Blutdruckwerte achten, weil sie generell ein höheres Risiko für Schlaganfall haben als Männer. „Deshalb ist jeder älteren Frau ans Herz zulegen, ihre Blutdruckwerte regelmäßig kontrollieren zu lassen, auch wenn bisher kein hoher Blutdruck bekannt war“, sagt AOK-Arzt Bleek.

Gesetzlich Krankenversicherte haben schon ab dem 35. Geburtstag alle zwei Jahre Anspruch auf einen Gesundheits-Check-up, bei dem unter anderem der Blutdruck gemessen sowie Blut und Urin untersucht werden.

Aktiv werden

Der Blutdruck gilt als erhöht, wenn er dauerhaft über 140/90 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) liegt. Die Blutdruckmesswerte werden stets paarweise angegeben. Dabei steht der höhe-re systolische Wert vorne und der niedrigere diastolische Wert hinten. Ist die Diag­nose gesichert, gilt es, aktiv zu werden. Das ist wörtlich zu nehmen. „Mehr Bewegung kann den Blutdruck nachweislich senken“, betont Bleek. „Denn Bewegung trainiert die Blutgefäße und macht sie elastischer.“

Voraussetzung ist allerdings die Regelmäßigkeit: Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt zwei- bis dreimal die Woche 30 bis 45 Minuten zu joggen, Fahrrad zu fahren oder im Schwimmbad seine Bahnen zu ziehen. Durch mehr Bewegung lässt sich der systolische Blutdruckwert Studien zufolge im Schnitt um fünf bis acht mmHg senken. Zudem kann ausreichende Bewegung neben einer kalorienärmeren Kost für eine Gewichtsabnahme sorgen. Und auch wer abnimmt, kann seinen Blutdruck senken: Eine Gewichtsabnahme von durchschnittlich vier Kilogramm führt zu einer Senkung des systolischen Blutdruckwerts um vier bis fünf mmHg, wie Studien zeigen.

Salz reduzieren

Abnehmen heißt nicht, dass man darben muss. Mit den richtigen Lebensmitteln kann man sich satt essen, und schmecken tut es außerdem. Speziell für Menschen mit Bluthochdruck wurde die sogenannte DASH-Diät entwickelt, das ist eine Abkürzung für Dietary Approaches to Stop Hypertension. Diese Diät ähnelt der Mittelmeerküche, mit dem Unterschied, dass sie zusätzlich einen Schwerpunkt auf die Vermeidung von Salz legt. Sie besteht aus viel Obst und Gemüse sowie Vollkorn- und fettarmen Milchprodukten und wenig zuckerhaltigen Lebensmitteln, Süßgetränken, rotem Fleisch und Fettsäuren. Erlaubt sind Geflügel und Fisch, Nüsse und Hülsenfrüchte.

Vor allem eine salzärmere Ernährung kann dabei helfen, den Blutdruck zu senken. Täglich höchstens sechs Gramm Kochsalz, so lauten die Empfehlungen der medizinischen Fachgesell-schaften, nicht nur für Hochdruckkranke. Sechs Gramm, das entspricht einem Teelöffel. Doch wir verspeisen im Schnitt manchmal doppelt so viel, nämlich neun bis zwölf Gramm pro Tag. „Viel Salz ist in Fertigprodukten versteckt, wie Tiefkühlkost, Konserven, Wurst, Pizza oder Pommes, aber auch in Brot und vielen Käsesorten“, warnt Bleek.

Studien zeigen, dass täglich vier Gramm Salz weniger den systolischen Blutdruck um fünf mmHg und den diastolischen Blutdruckwert um drei mmHg senken können. Auch wenn sich derzeit nicht sicher sagen lässt, ob sich durch mehr Bewegung, eine Gewichtsabnahme oder eine salzarme Ernährung auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern lässt: Zur Senkung des Blutdrucks sind diese Maßnahmen auf jeden Fall sinnvoll.

Stress abbauen

Weitere Joker, die sich zu ziehen lohnen: Stress abbauen, der sich gerade durch die vielen Umbrüche bei Frauen in den Wechseljahren verstärken kann. Und Maß halten beim Alkohol. Frauen vertragen nicht so viel Alkohol wie Männer, sie sollten möglichst nicht mehr als zehn Gramm am Tag trinken. Das entspricht einem kleinen Glas Bier oder Wein. Da Rauchen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich erhöht, lohnt es sich in jedem Fall auch, mit dem Rauchen aufzuhören.

Wenn die Blutdruckwerte nur leicht erhöht sind, reicht es bei vielen Menschen, die Lebensgewohnheiten zu ändern, damit sich der Blutdruck wieder normalisiert. Doch wenn der Druck trotz dieser Anstrengungen nicht genügend sinkt oder die Werte sehr hoch liegen, sind Medikamente angezeigt. Ob sogenannte Antihypertensiva sinnvoll sind, hängt auch davon ab, ob andere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Rauchen, Diabetes mellitus Typ 2 oder erhöhte Fettwerte im Blut vorliegen.

TIPPS - Richtig Blutdruck messen

  • Eine einzelne Messung sagt noch nicht so viel aus: Es wird empfohlen, den Blutdruck an mindestens zwei verschiedenen Tagen zu messen.
  • Den Blutdruck erst nach fünf Minuten ruhigem Sitzen messen, dabei den Unterarm auf einer Unterlage lagern, sodass die Blutdruckmanschette am Oberarm auf Herzhöhe liegt.
  • Anfangs an beiden Armen messen, maßgeblich ist der Arm mit den höheren Messwerten.
  • Eine Langzeitmessung über 24 Stunden oder die Selbstmessung zu Hause können die Diagnose sichern. Denn häufig sind die Werte in der Praxis höher („Weißkitteleffekt“).

pd

Schlagworte Blutdruck | Frauen | Östrogenspiegel | Bluthochdruck | Prävention

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