„Ich mache das gerne und aus Überzeugung“

Mit Renate Schommer steht erstmals eine Frau an der Spitze des Sozialverbands VdK Hamburg. Die VdK-ZEITUNG sprach mit der frisch gewählten Landesvorsitzenden über ihre Anfänge beim VdK und was ihr im neuen Ehrenamt wichtig ist. Die Hamburgerin kann gut mit Menschen. Sie findet nicht nur schnell Kontakt, sondern wird auch oft um Rat und Hilfe gefragt.

Renate Schommer kennt die Probleme der VdK-Mitglieder. | © Kristin Enge

Herzlichen Glückwunsch zum neuen Ehrenamt!
Renate Schommer: Dankeschön. Ich freue mich sehr auf meine neue Aufgabe und eine gute Zusammenarbeit mit den ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des VdK Hamburg. Gemeinsam können wir viel für unsere Mitglieder erreichen.

Frau Schommer, wie kamen Sie nach Hamburg?
Schommer: Mein Mann Diethelm und ich lebten vor über 40 Jahren in Duis­burg-Rheinhausen. In Hamburg boten sich neue berufliche Chancen für uns beide. Wir haben die Menschen und die Stadt gleich gemocht. Ich bin als gebürtige Essenerin ja ein echtes Kind des Ruhrgebiets, wie man auch heute noch hört. Nicht drum herumreden, Probleme auf den Punkt bringen und versuchen, sie pragmatisch zu lösen, das ist mir in meiner ehrenamtlichen Arbeit für unsere VdK-Mitglieder sehr wichtig. Und das alles mit einer ordentlichen Portion Humor und Herzlichkeit, auch wenn das Leben nicht immer sonnig ist.

Wann hatten Sie erstmals Kontakt zum VdK?
Schommer: In den neunziger Jahren hatte ich gesundheitliche Probleme. Trotz der Erkrankung wollte die Rentenversicherung mir damals keine Erwerbsminderungsrente bewilligen. In der Rehabilitation riet mir der behandelnde Arzt: „Gehen Sie mal zum VdK, der macht das alles für Sie.“ Und so war es dann auch.

Und wie ging es weiter?
Schommer: 1998 wurde ich Mitglied im VdK Hamburg. Erstmal wurde mein Antrag auf Erwerbsminderungsrente abgelehnt. Doch dann setzte sich der VdK für mich ein. Kurz bevor es zur Klage vor dem Sozialgericht kam, erhielt der VdK-­Rechtsanwalt einen Anruf von einem Mitarbeiter der damaligen Bundesversicherungsanstalt (BfA): Die BfA wolle nicht vor Gericht gehen. Das empfand ich als sensationell: ein Telefonat und meine Erwerbsminderungsrente war durch. Natürlich folgte noch der übliche Schriftverkehr, bis alles geregelt war. Dieser Erfolg des VdK hat mich so beeindruckt, dass er die Initialzündung für mein Engagement war.

Wie sah der Anfang aus?
Schommer: Los ging es beim Ortsverband Blankenese. Schon nach kurzer Zeit wurde ich in den Vorstand gewählt. Die damalige Frauenbeauftragte hatte mich als Nachfolgerin vorgeschlagen. 2005 wurde ich als Vertreterin der Frauen und Hinterbliebenen in den VdK-Landesvorstand gewählt und war damit auch automatisch Delegierte des VdK im Landesfrauenrat Hamburg und später im Bundesfrauenrat. Als der VdK-Landesvorsitzende Werner Mayer starb, rückte ich in das Ehrenamt der stellvertretenden Landesvorsitzenden nach.

Und auf VdK-Bundesebene?
Schommer: Seit 2005 bin ich ununterbrochen delegiertes Mitglied in der Bundesfrauenkonferenz des VdK Deutschland. Der Austausch mit den Frauen aus den VdK-Landesverbänden ist mir sehr wichtig. Seit vier Jahren bin ich Mitglied im Sozialpolitischen Ausschuss, wo die inhaltliche Arbeit gemacht wird. Beispielsweise, wie angesichts des Altenberichts eine nachhaltige Seniorenpolitik aussehen muss. Wir brauchen passende Hilfs-, Vernetzungs- und Beratungsangebote in den Kommunen und mehr Geld, um die Lebensqualität im Alter zu stärken und zu erhalten. Dazu gehört auch Barrierefreiheit.

Warum haben Sie sich für ein Ehrenamt im sozialen Bereich entschieden?
Schommer: Soziales wurde bei uns in der Familie vorgelebt. Meine Mutter war in der Kirchengemeinde sehr aktiv. Sie hatte keine Berührungsängste, was die Sorgen und Nöte der Men-schen anging, und half, wo sie konnte. Mir geht es genauso. Das Soziale liegt mir. Ich mache das gerne und aus Überzeugung. Auch die Gemeinschaft kommt beim VdK nicht zu kurz, beispielsweise bei Kaffeenachmittagen.

Frau Schommer, sie sind erst kürzlich von Hamburgs Regierendem Bürgermeister Olaf Scholz „für treue Dienste am Volk“ ausgezeichnet worden. Was verbirgt sich dahinter?
Schommer: Über diese Anerkennung habe ich mich sehr gefreut. Die Auszeichnung vergibt der Senat für herausragendes ehrenamtliches Engagement. Ich kümmere mich beispielsweise um Mitglieder aus dem Ortsverband, die im Heim leben. Bei offiziellen Terminen wie im Rathaus geht es darum, die sozialen Anliegen und Forderungen des VdK bekannt zu machen und Verbündete zu gewinnen, beispielsweise im Kampf gegen Altersarmut, besonders auch unter Frauen, für eine bessere Gesundheits- und Pflegepolitik und auskömmliche Renten. Auch aufgrund meiner ehemaligen Tätigkeit im PR-Bereich einer großen Brauerei bin ich auf mehrfacher Ebene gut vernetzt. Und das nutze ich natürlich für meine Aufgaben beim VdK.

Was haben Sie sich für die kommenden vier Jahre vorgenommen?
Schommer: Vor allem in der Pflege liegt immer noch vieles im Argen. Da sind wir als VdK gefragt. Neulich rief mich eine Frau aus dem Ortsverband an und fragte verzweifelt: Renate, was soll ich bloß machen? Mein Mann kommt nicht mehr allein zurecht. Ich habe ihr gesagt, wo sie Hilfe bekommen kann, zum Beispiel bei den Pflegestützpunkten, die immer noch viel zu wenig bekannt sind.

Wo liegen die Probleme?
Schommer: Die Menschen tun sich schwer mit der weiter aus­ufernden Bürokratie bei den Kranken- und Pflegekassen, dem Ausfüllen von Anträgen und Einlegen von Widersprüchen. Viele wissen nicht, was ihnen tatsächlich zusteht, beispielsweise dass es einen Sozialen Dienst im Krankenhaus gibt, der sich um die Organisation der Entlassung des Angehörigen kümmert. Oder dass man einen ambulanten Pflegedienstanbieter wechseln kann, wenn man unzufrieden ist. Zu diesen Themen bietet der VdK Info-Veranstaltungen und aufsuchende Hilfen vor Ort an und berät sozialrechtlich. Das gilt für alle Fragen rund um die gesetzliche Krankenversicherung, Schwerbehinderung und Rente.

Warum halten Sie den VdK für unverzichtbar?
Schommer: Wir beim VdK kennen die Probleme unserer Mitglieder aus erster Hand. Das ist wichtig, um auf politischer Ebene für sie tätig zu werden. Uns kann keiner etwas vormachen. Ich sage den Mitgliedern oft, fragt doch nach beim Arzt oder der Kasse, wenn Ihr etwas nicht versteht. Ihr seid doch im VdK und könnt euch bei uns immer recht­liche Hilfe holen. Manche denken auch, ihre Probleme wären zu klein, um sie überhaupt anzusprechen. Tatsache ist aber, dass viele die gleichen Probleme haben, zum Beispiel bei der oft mangelhaft organisierten Hilfsmittelversorgung.

Und was machen Sie neben dem VdK?
Schommer: Lesen und ins Altonaer Theater gehen zum Beispiel, oder mit meinem Mann Ausfahrten ins Umland unternehmen. Und auf der Terrasse die Blumenkästen hübsch bepflanzen. Es uns zu Hause gemütlich zu machen, das bereitet mir Freude.

Frau Schommer, vielen Dank für das Interview.

Schlagworte Renate Schommer | Landesvorsitzende | Sozialverband VdK Hamburg | Interview

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