So geht Inklusion – Besuch der „Villa Stern“

Über Inklusion wird viel gesprochen, doch aktiv gelebt wird sie immer noch zu selten. Gerade die Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt ist für Menschen mit Behinderung nahezu unmöglich. In Oldenburg wurde nun ein ­Hotel eröffnet, das genau diesen Inklusionsgedanken verfolgt: das Hotel und Café „Villa Stern“. Ich habe es mir für Sie angeschaut:

Blick auf die Servicekräfte und den Bewirtungsraum
Freuen sich auf zahlreiche Gäste: Geschäftsführerin Bettina Unruh (Mitte) mit ihren Kollegen Andreas Noske und Arne Krüger-Brörken (von links).

Was gleich auffällt, ist die herz­liche Begrüßung. Direkt am Eingang steht ein Mitarbeiter und heißt jeden Besucher persönlich willkommen. Ich trete ein und befinde mich gleich mitten im Café. Am Eröffnungstag ist hier der Bär los und ich wünsche mir und allen Beteiligten, dass dieser Andrang bestehen bleibt.

Über einen Aufzug gelange ich – natürlich barrierefrei – in die beiden oberen Stockwerke, in denen insgesamt 13 Zimmer sowie eine Suite und eine Apartment-Wohnung untergebracht sind. Jedes Zimmer ist individuell gestaltet, sie sind nach berühmten Persönlichkeiten benannt und mit besonderen Details dekoriert. So zum Beispiel ein Medizinball und Spinde im Zimmer „Max Schmeling“, benannt nach dem Boxidol.

Bestellkarten mit Piktogrammen

Im Gespräch mit Geschäftsführerin Bettina Unruh erfahre ich dann, was dieses Hotel ausmacht: Insgesamt zwölf Personen werden hier beschäftigt, sechs davon haben eine körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigung. Unter ihnen ist auch eine taubstumme Person, daher haben alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuvor einen Gebärdensprachkurs absolviert.

Damit auch lese- und schreibschwache Personen problemlos im Café mitarbeiten können, gibt es Bestellkarten mit Piktogrammen, auf denen die Gäste ihre Speisen und Getränke ankreuzen können, erklärt mir Bettina Unruh. Eine gute Idee, denn so ist gleichzeitig auch an Gäste mit derartigen Einschränkungen gedacht.

Unter den Mitarbeitern befindet sich eine ausgebildete Hotelfachfrau, die das Hotel leiten wird. Alle anderen haben bislang keine Erfahrung im Gastgewerbe. Sie wurden deshalb vorab mit Schulungen eingearbeitet. Arne Krüger-Brörken zum Beispiel hat zuvor in der Baumhaus-Werkstatt von Bettina Unruh im Küchendienst gearbeitet. Nun serviert er Sekt und Orangensaft im Café, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Dass er sich hier wohlfühlt, ist unübersehbar.

Mit der „Villa Stern“ hat sich Bettina Unruh in Oldenburg ihren Traum von einem Integrationshotel verwirklicht. In ganz Deutschland gibt es bislang 40 solcher Hotels. „Als Unternehmerin sehe ich es als meinen Auftrag an, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Denn wir sollten nicht nur über Inklusion sprechen, sondern sie auch aktiv umsetzen“, erklärt sie ihre Intention hinter dem Projekt.

Die größten Hürden lagen im Vorfeld bei der finanziellen Umsetzung des Projektes und im Umgang mit den Behörden. 1,4 Millionen Euro haben Kauf und Sanierung des Hauses gekostet. 250.000 Euro wurden von der Aktion Mensch, 300.000 Euro vom Integrationsamt Oldenburg beigesteuert.

Bezahlung nach Tarif

Besonders ist bei diesem Projekt: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer Beeinträchtigung haben Arbeitsplätze am ersten Arbeitsmarkt und beziehen ein reguläres Gehalt – sie werden also nach Tarif bezahlt. Das ist der Unterschied zwischen der „Villa Stern“ und gemeinnützigen Werkstätten, in denen es sogenannte geschützte Arbeitsplätze gibt. Dort erhalten die Mitarbeiter nämlich nur ein geringes Arbeitsentgelt, eine Art Taschengeld zusätzlich zur Grundsicherung.

Doch allein der enorme Andrang von über 60 Bewerbungen – nicht nur aus Oldenburg – auf die sechs ausgeschriebenen Stellen für Menschen mit Behinderung hat gezeigt, dass die Idee da-hinter goldrichtig ist.

Mit diesem Hotel hat sich Bettina Unruh ihren Traum von einer gelebten Inklusion erfüllt. Und setzt gleichzeitig für Oldenburg ein Zeichen: So geht Inklusion, wenn wir sie nur anpacken! Ein klasse Konzept, bei dem Behinderung keine Benachteiligung darstellt, ganz im Gegenteil: Denn das Hotel wirbt damit, eine „Sternschnuppe“ zu sein auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft, in der es eben „schnuppe“ ist, ob ein Mensch eine Beeinträchtigung hat. Welch ein passender Slogan! Also kommen Sie vorbei, Oldenburg und sein inklusives Hotel „Villa Stern“ sind eine Reise wert.

KONTAKT
Hotel und Café Villa Stern
Bremer Straße 41
26135 Oldenburg
Telefon (04 41) 30 42 41 44

Reservierung täglich von 8 bis 19 Uhr.
Infos unter www.hotelvillastern.de

Christina Diekmann

Schlagworte Inklusion | Villa Stern | Hotel | Oldenburg | barrierefrei

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