„Jedes Kind wird genommen, wie es ist“

Der Umgang mit behinderten Menschen ist in der heutigen ­Gesellschaft leider noch immer nicht selbstverständlich. Dabei sollten alle Personen, wie verschieden sie auch sind, willkommen sein. Der Sozialverband VdK setzt sich für eine inklusive Gesellschaft ein. So ist auch Anna-Tina Lang* zum VdK gekommen.

Ein Kind im engen Kontakt mit einem Delphin.
Janina im Spiel mit dem Delphin


In ihrem Buch „Gezeitenkinder und die Magie der Delphintherapie“ beschreibt sie ihr eigenes Leben mit zahlreichen Höhen und Tiefen. Im Mittelpunkt aber steht die Beziehung zu ihrer Tochter Janina*, ihrem „Wundertütenkind“, wie sie sie liebevoll nennt.

Denn Janina ist besonders: Sie ist blind und stumm, geistig behindert und zudem atypisch autistisch. Diese Diagnose stellt Anna-Tina Langs ohnehin nicht einfaches Leben völlig auf den Kopf. Und sie fragt sich, was sich wohl alle Eltern behinderter Kinder schon einmal gefragt haben: „Was habe ich falsch gemacht?“.

Delphintherapie

Einfühlsam schildert sie das Verhältnis zu ihrer Tochter, doch sie blickt auch selbstkritisch auf die anfänglichen Schwierigkeiten zurück: „Ich musste mir ständig Hilfe holen, brauchte Übersetzer und Anleitung, um mein eigenes Kind verstehen und handhaben zu können. Als Mutter fühlt man sich da schnell fremdbestimmt und ohnmächtig“. Als ihr schließlich klar wird, dass sie ihrer Tochter tagtäglich zu verstehen gibt, dass sie, so wie sie ist, nicht richtig ist und dass sie unbedingt verändert werden muss, bricht sie alle Therapien ab. Und sie lernt, Janina mit anderen Augen zu sehen.

Mit 15 Jahren nimmt Janina zum ersten Mal an einer Delphintherapie teil. Ihre Fortschritte sind enorm: „Im April 2001 entschied sich meine Tochter, in unsere Welt zu kommen“, berichtet Anna-Tina Lang. Es folgen weitere Aufenthalte im Therapiezentrum CDTC auf Curacao, denn für Janina sind die Therapien ein Glücksgriff: Sie lernt unter anderem, sich mit Gebärden zu verständigen und legt ihr autoaggressives Verhalten ab. Mit einem Wunder hat das natürlich nichts zu tun, denn eine Delphintherapie ist harte Arbeit für die Teilnehmer. Doch sicherlich trägt auch die Umgebung ihren Teil zur Veränderung bei. Denn der Umgang mit der Behinderung der Kinder ist hier ein anderer.

In Deutschland werde Janina meist ignoriert. Hier aber stehe sie im Mittelpunkt. Die Akzeptanz, die sie im Ausland erlebt hat, vermisst Anna-Tina Lang zuhause: „Jedes Kind wird genommen, wie es ist, keiner schaut weg oder gafft. Hier gehen alle ganz natürlich mit unseren Kindern um“.

Kein Bilderbuch-Leben

Mutter eines behinderten Kindes zu sein, sei nicht immer einfach, bemängelt die Autorin. Denn in der Gesellschaft sei vieles, was „anders“ ist und nicht der Norm entspricht, nicht willkommen. Das heißt natürlich nicht, dass diese Eltern ihre besonderen Kinder weniger lieben, im Gegenteil. Doch es mache den Umgang schwieriger, denn sie müssten zunächst die Vorstellung eines vermeintlichen Bilderbuch-Lebens begraben und zusätzlich mit den Schwierigkeiten von außen zurechtkommen, erklärt Lang. Sie hat gelernt, sich ein dickes Fell zuzulegen, um mit verletzenden Reaktionen der Mitmenschen umgehen zu können. Etwa wenn Kinder im Sandkasten nicht mehr mit Janina spielen durften, nachdem die Mütter erfahren hatten, dass sie „anders“ ist.

Mit ihrem Buch will Anna-Tina Lang anderen Menschen – besonders betroffenen Familien – Mut machen. Nicht nur im Umgang mit Behinderungen, sondern auch mit den Schwierigkeiten, die das Leben manchmal bereithält.

* Name geändert

Lang, Anna-Tina: Gezeitenkinder und die Magie der Delphintherapie, CreateSpace Independent Publishing Platform 2016, 352 Seiten, 14,98 Euro, ISBN 978-1-53944-858-7.

Christina Diekmann

Schlagworte Kinder mit Behinderungen | Gezeitenkinder | Delphintherapie | Blind | Stumm | Geistig behindert | Atypisch autistisch | Akzeptanz

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