Armut bedeutet Ausgrenzung

Trotz guter Wirtschaftsentwicklung ist die Gefahr, arm zu werden, in Deutschland so groß wie nie. Deshalb muss die Armutsbekämpfung heute beginnen und nicht erst in ein paar Jahren, fordert der Sozialverband VdK. Gestützt wird dieser Appell an die Bundesregierung von aktuellen Zahlen.

© GG-Berlin/pixelio.de

Laut Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands befindet sich die Armut in Deutschland auf einem historischen Höchststand. Mit 15,7 Prozent Armutsquote ist leider ein Rekordwert seit der Wiedervereinigung erreicht. Das bedeutet, dass rund 13 Millionen Menschen hierzulande arm sind. 2005 waren es noch 14,7 Prozent und damit ein Prozentpunkt weniger als heute. Immer mehr sind somit auf soziale Sicherungsleistungen angewiesen, die aber kaum das Existenzminimum abdecken. Ein Haushalt gilt als arm, wenn er 60 Prozent oder weniger des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Für Alleinstehende liegt die Armutsschwelle demnach bei rund 940 Euro im Monat.

„Man kann nicht erst dann von Armut sprechen, wenn Menschen sich mit Pfandflaschensammeln ihre kleine Rente aufbessern müssen“, so VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Armut beginne bereits viel früher, wenn Menschen nicht mehr in dem Maße am Leben teilhaben können wie andere: wenn das Geld für den Sportverein, den Urlaub, eine größere Anschaffung im Haushalt oder den Theaterbesuch fehlt.

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei den Rentnern, die den größten Anstieg bei der Armutsgefährdungsquote verzeichnen. War diese Personengruppe jahrelang nur unterdurchschnittlich von Armut bedroht, ist ihr Anteil bei der Armutsrisikoquote rasant angestiegen, nämlich seit 2005 um 49 Prozent. 2014 erreichte sie mit 15,6 Prozent oder 3,4 Millionen erstmals einen Wert über dem des Bevölkerungsdurchschnitts – aktuell sind es 15,9 Prozent.

„Angesichts dieser Zahlen ist es nicht verständlich, dass die Bundesregierung weiterhin behauptet, es gebe keine Altersarmut in Deutschland“, so Ulrike Mascher. Auch im „Siebten Altenbericht“ der Bundesregierung werde diese Entwicklung geradezu ignoriert, obwohl Armut längst keine Randerscheinung mehr ist, sondern die Mitte der Gesellschaft erreicht hat.

Es sei höchste Zeit, dass die Politik endlich gegensteuert, denn extreme soziale Ungleichheit gefährdet die gesellschaftliche Balance. „Wir brauchen gezielte Investitionen für den ärmeren Teil der Bevölkerung. Finanzierbar ist dies vor allem durch eine gerechtere Steuerpolitik“, fordert die VdK-Präsidentin.

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