Ernährung - Auf Verbote verzichten, sie erhöhen den Reiz

Bei Tisch läuft es nicht immer harmonisch ab. Die Kinder nörgeln am Essen herum und verweigern ausgerechnet die gesunden Lebensmittel. Doch Eltern müssen nicht verzweifeln: AOK-Ernährungswissenschaft­lerin Anita Zilliken verrät Tipps und Tricks, wie man Kindern Obst und Gemüse schmackhaft machen kann.

Beim gemeinsamen Einkauf und in der Küche können Kinder viel rund um Essen und Lebensmittel lernen. | © AOK-Mediendienst

Brokkoli, Fenchel, Rote Bete? Fehlanzeige. Bulgur? Kenne ich nicht, esse ich nicht. Nudeln? Aber nur mit Tomatensauce. Pommes Frites? Immer. Und Gummibärchen sowieso. Viele Kinder mögen nicht alles, was auf den Tisch kommt. Zum Leidwesen ihrer Eltern haben sie eine Vorliebe für Lebensmittel, die viel Fett oder viel Zucker enthalten, aber wenig Vitamine und Mineralstoffe.

Auch Erhebungen zur Ernährung, etwa im Rahmen der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS-­Studie), zeigen, dass Kinder nicht nur zu wenig Gemüse und Obst zu sich nehmen, sondern auch zu ­wenig Kohlenhydrate in Form von Getreide und Kartoffeln oder zu wenig Milchprodukte, die Eiweiß und Kalzium liefern. „Dabei brauchen Heranwachsende eine be­sonders ausgewogene Versorgung mit Nährstoffen, damit sich Kör­perfunktionen wie das Immunsystem, Knochenaufbau oder geistige Leistungsfähigkeit gut entwickeln können“, sagt Anita Zilliken, AOK-Ernährungswissenschaftlerin.

Gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen

Gemeinsam oder alleine essen, selbst kochen oder Fertiggerichte erhitzen, Essen genießen oder hastig und nebenbei „runterschlingen“ – das sind Ernährungsmuster, die sich bereits im Kindesalter einprägen und oft im Erwachsenenalter beibehalten werden. Auch Vorlieben für oder Abneigungen gegen bestimmte Lebensmittel entwickeln sich schon früh, schnell gewöhnen sich die Kinder an Süßes oder Salziges, sodass ungesüßte und salz­arme Lebensmittel als fade erlebt werden.

„Deshalb sollten Eltern den Kindern von Anfang an ein vielseitiges Angebot an nährstoffreichen, gesunden Lebensmitteln zur Verfügung stellen“, sagt AOK-Expertin Zilliken. Eine breite Palette an Farben, Formen und Aromen lädt dazu ein, auf eine Entdeckungsreise zu gehen. Vor allem kleine Kinder ahmen gerne nach, was ihnen vorgelebt wird. „Wenn die Eltern Obst, Gemüse, Salate und Vollkornprodukte als schmackhaft erleben, wird das bei den Kindern voraussichtlich früher oder später auch selbstverständlich sein“, so Zilliken.

  • Beim Naschen auf Verbote verzichten, sie erhöhen nur den Reiz. Lieber „Naschregeln“ festlegen. Zum Beispiel: Eltern und Kind gehen nur gemeinsam an die „süße Dose“. Oder: Es wird eine Wochenration festgelegt und das Kind entscheidet selbst, wie es sich seinen Vorrat einteilt.
  • Bewusst Nachtische oder süße Zwischenmahlzeiten am Nachmittag einplanen. So fällt es leichter, Maß zu halten und nicht ständig nebenbei zu naschen.
  • Attraktive Alternativen anbieten, etwa Quark mit Obst.
  • Süßes nicht als Belohnung, Trost oder gegen Langeweile einsetzen.


Genauso wichtig wie die Auswahl der Lebensmittel ist die Atmosphäre bei Tisch, damit sich ein gesundes Essverhalten entwickeln kann. Das gemeinsame Essen mit Eltern und Geschwistern dient schließlich nicht nur der Nahrungsaufnahme, sondern ist auch eine Zeit, in der man zusammen Spaß haben kann, sich austauscht und zur Ruhe kommt. Bei Stress und Konflikten dagegen, die während des Essens ausgetragen werden, vergeht nicht nur den Kindern der Appetit. Eine schöne Tischdekoration, ein lustiger Tischspruch kann die Atmosphäre noch angenehmer machen.

Bei der Wochenplanung sollten Zeiten für die Familie von vorn­herein reserviert werden, wie etwa ein sonntägliches Frühstück. Am besten gibt es feste Essenszeiten – das verleiht den Tagen eine Struktur und verhindert permanentes Essen zwischendurch.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl verstärkt sich, wenn Eltern ihre Sprösslinge bei der Vor- und Zubereitung der Mahlzeiten mit einbeziehen: Die Kinder können mit ihren Eltern zusammen einkaufen gehen, die Einkaufstasche ausräumen, Obst und Gemüse waschen oder schnippeln, Brote streichen und den Tisch decken. Ganz nebenbei können Kinder so auch schon viel rund um Essen und Zubereitung lernen. „Wenn Kinder sich beteiligen, sind sie auch eher bereit, alles zu essen und neue Nahrungsmittel auszuprobieren“, betont Expertin Zilliken.

Auf keinen Fall sollten Kinder zum Essen gezwungen werden, denn das kann die Ablehnung nur verstärken. Zudem dürfen Kinder die Mahlzeit beenden, wenn sie satt sind. Außerdem rät Zilliken Eltern, Regeln festzulegen, wie zum Beispiel: Erst einmal probieren und dann entscheiden, ob es schmeckt oder nicht.

Außerdem sollte die ungeliebte Speise nicht gegen Süßigkeiten ausgespielt werden, wie etwa: „Wenn du den Teller leer isst, darfst du danach ein großes Eis essen.“ Das wertet nämlich Süßes auf und die anderen Lebensmittel ab.

Gemüse essen Kinder lieber roh als gekocht

Übrigens: Kinder essen mit allen Sinnen und mögen deshalb zumeist auch lieber Rohkost als gekochtes Gemüse: ein Apfel oder eine rohe Möhre – das knackt nämlich so schön, wenn man reinbeißt. Auch die Farben spielen eine Rolle: Je farbintensiver die Mahlzeit, desto besser. Eine knallrote Tomatensauce, grüne Petersilie oder gelbe und rote Paprikawürfel können eher farbloses Essen wie Blumenkohl, Fenchel oder andere beim Nachwuchs eher ungeliebte Speisen aufpeppen.

Zum sinnlichen Erleben gehört auch, die Speisen anfassen zu dürfen. Kinder essen gerne mit den Fingern. Deshalb kommt Fingerfood immer gut an. Zudem favorisieren Kinder süßes Gemüse wie Mais, Möhren, Erbsen, Kürbis oder Paprika. Die süße Vorliebe ist angeboren, damit Babys Appetit auf die leicht süßliche Muttermilch haben. Vielleicht sollten Eltern das Gemüse mal in ungewohnter Form anbieten, etwa im Pfannkuchen oder als Burger.

Auch bei den Namen ist Fantasie gefragt: Kinder horchen nämlich auf, wenn sie von einem „Punkte-Auflauf“, einem „Nudel-Ufo“ oder einer „Zaubercreme“ hören. Und wenn alles nichts hilft? „Eltern sollten nicht aufgeben und dem Kind immer wieder vielfältige Speisen anbieten“, sagt AOK-Ernährungswissenschaftlerin Anita Zilliken. „Denn der Geschmack von Kindern ändert sich schnell und wird immer wieder auch von außen – von Freunden, Kita, Großeltern – angeregt.“ Und vielleicht heißt es dann irgendwann doch: Rote Bete ist mein Lieblingsgemüse.

Schlagworte Ernährung | Kinder | Kochen

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