Mit dem Schulstart zum Sprachtherapeuten

Wenn es Kindern im Vorschulalter schwerfällt, Laute zu formen, sich verständlich auszudrücken oder zu verstehen, was ihnen ­gesagt wird, stecken Probleme bei der Sprachentwicklung dahinter. „Je früher eine Störung erkannt wird, desto erfolgreicher können Kinder in ihrer Sprachentwicklung unterstützt werden“, sagt Dr. Eike Eymers, Ärztin im AOK-Bundesverband.

Fördert die Sprachbildung: beim Kochen Gegenstände benennen lassen und kleine Aufträge erteilen. | © Techniker Krankenkasse

Allerdings sind Fehler beim Sprechenlernen durchaus normal. Wenn ein Kind zum Beispiel Laute auslässt und „schümmen“ statt „schwimmen“ sagt, Laute falsch bildet oder Worte zusammenzieht („Mane“ statt „Banane“), ist das kein Grund zur Sorge. Das gilt auch für zeitweiliges Stottern, das bei den meisten Kindern wieder von selbst aufhört. „Sicherheit geben dabei die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen U3 bis U9, in denen die Sprachentwicklung des Kindes untersucht wird“, erklärt AOK-Ärztin Eymers.

Bei folgenden Auffälligkeiten empfiehlt sich ärztlicher Rat:

  • Wenn ein Kind im Alter von zwei Jahren weniger als 20 bis 30 Wörter beherrscht.
  • Wenn andere Kinder oder Erwachsene ein vier- oder fünfjähriges Kind wegen seiner fehlerhaften Aussprache nicht verstehen.
  • Wenn ein Kind mindestens drei Monate anhaltend stottert oder sich so stark wiederholt, dass der Sprachfluss deutlich unterbrochen wird.
  • Wenn Eltern sich nicht sicher sind, ob ihr Kind gut hört oder versteht.

Der Arzt kann dann abklären, ob es sich um eine Sprachentwicklungsstörung handelt. „Grundsätzlich unterscheidet der Arzt dabei die Sprachproduktion vom Sprachverständnis“, erläutert AOK-Medizinerin Eymers. Die Probleme können alle Bereiche des Sprach­systems betreffen: das Lautsystem, die Aussprache, den Wortschatz, die Grammatik, den Satzbau sowie allgemein die Kommunikations­fähigkeit. Störungen zeigen sich sowohl beim Verstehen und Sprechen als auch bei der Kommuni­kation.

Probleme beim Erwerb des Wortschatzes zeigen sich zum Beispiel daran, dass Kinder nur wenige Wörter sprechen und keine Kombinationen bilden. Sie tun sich oft auch schwer, Wörter in einen Zusammenhang zu bringen – zum Beispiel Hund und Katze dem Begriff „Tier“ zuzuordnen. Kinder, die Schwierigkeiten haben, korrekte Sätze zu bilden, benutzen häufig das Verb an der falschen Stelle oder lassen beim Partizip die Vorsilbe „ge-“ weg. Sie sagen dann „ich habe spielt“ statt „ich habe gespielt“. Probleme mit der Aussprache können sich äußern, indem die Kinder einzelne Laute auslassen, ersetzen oder vertauschen. Außerdem ist bei vielen die Fähigkeit eingeschränkt, Sprache der Situation angemessen zu verstehen und zu gebrauchen.

Vor allem Jungen brauchen Unterstützung

Vor allem mit Beginn der Schulpflicht gehen viele Kinder zu einem Logopäden – das zeigt der Heilmittelbericht 2014 des Wissenschaft­lichen Instituts der AOK (WIdO). Danach brauchte im Jahr 2013 jeder vierte sechsjährige Junge therapeutische Unterstützung bei der Sprachentwicklung – das entspricht einer Steigerung von 16 Prozent im Vergleich zu 2007. Bei den sechsjährigen Mädchen war etwa jedes sechste in sprachtherapeutischer Behandlung. Insgesamt nahmen Kinder zwischen fünf und neun Jahren knapp die Hälfte (48 Prozent) aller 2013 verordneten Sprachtherapien in Anspruch.

Für den Heilmittelbericht 2014 hat das WIdO die Heilmittelrezepte analysiert, die 2013 den etwa 70 Millionen gesetzlich Versicherten verordnet wurden. Warum Kinder kurz vor oder nach der Einschulung besonders häufig sprachtherapeutische Unterstützung benötigen, darüber wird laut WIdO in der Fachwelt seit Jahren diskutiert.

Ursachen für eine verzögerte Sprachentwicklung sind oft organischer Natur wie beispielsweise Hörstörungen, Fehlbildungen der Sprechorgane und Schwächen bei der Verarbeitung von Gehörtem im Gehirn. Umweltbedingungen können sich ebenfalls negativ auf die Sprachentwicklung auswirken. Die dabei entstehenden sprachlichen Auffälligkeiten treten vor allem bei Kindern auf, die ohne Bezugsperson aufwachsen, sowie bei Mädchen und Jungen aus bildungsfernen Schichten.

„Beim Spracherwerb sind individuelle Abweichungen normal, da­rum sollte Ihr Kind regelmäßig die kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen“, empfiehlt AOK-Ärztin Eymers. Bei diesen kostenfreien Terminen können die Ärzte Probleme bei der Sprachentwicklung frühzeitig erkennen.

Viel Kommunikation hilft viel

Eltern können außerdem die sprachliche Entwicklung ihres Kindes fördern, indem sie ihm viel Gelegenheit geben, sich mitzuteilen und zu unterhalten – unabhängig davon, wie viel es schon spricht. Macht das Kind Fehler bei der Aussprache oder beim Satzbau, sollten Eltern das Gesagte in der richtigen Form wiederholen, aber nicht das Kind zum Nachsprechen auffordern. Wenn das Kind stottert, sollten sie dies nicht weiter beachten und kommentieren.

Die sprachliche Entwicklung können Eltern auch unterstützen, indem sie ihr Kind in ihre Tätigkeiten einbeziehen. Eine gute Möglichkeit ist es, das Kind beim Einkaufen oder Kochen Gegenstände benennen zu lassen und kleine Aufträge zu erteilen. Wichtig ist dabei eine klare Sprache mit kurzen, einfachen Sätzen. Das gemeinsame Singen von Kinderliedern eignet sich ebenfalls, um spielerisch die Sprachentwicklung zu fördern.

Aktuelle Zahlen der TK

Hamburg bei Sprachtherapien bundesweit Spitzenreiter

In keinem anderen Bundesland nehmen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren so viel Sprachtherapie in Anspruch wie in Hamburg. Insgesamt stellten niedergelassene Ärzte in Hamburg auf tausend Kinder und Jugendliche dieser Altersgruppe 143 Rezepte pro durchschnittlich neun Therapie-Sitzungen aus. Dies teilt die Techniker Krankenkasse (TK) unter Berufung auf die aktuelle Heilmittelstatistik des GKV-Spitzenverbands mit. Damit liegt die Hansestadt bei den Verordnungen als Spitzenreiter 25 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, gefolgt von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Kein anderes Heilmittel, wie etwa Ergo- oder Physiotherapie, hat in den vergangenen sechs Jahren so stark an Bedeutung gewonnen wie die Sprachtherapie.

73 Prozent mehr Sprachtherapien seit 2009

Im Vergleich zu 2009 wurden in Hamburg im vergangenen Jahr 73 Prozent mehr Behandlungen für junge Menschen unter 15 Jahren verordnet. Der Wert der Verordnungen lag im Jahr 2014 bei knapp neun Millionen Euro. Während früher Bewegungs- und Sprachtherapien für Kinder und Jugendliche eher wenig verbreitet waren, gehören sie mittlerweile immer mehr zum Alltag. Als Grund hierfür kann das veränderte Freizeitverhalten angesehen werden. Die Kinder wachsen heute oft unter ganz anderen Bedingungen auf als früher: Playstation statt Spielplatz, Smartphone oder Tablet statt Fußball und Fernsehen statt Vorlesen sind zunehmend die angesagten Freizeitbeschäftigungen. Direkte Gespräche und Interaktionen bleiben so häufig auf der Strecke. Dies wirke sich negativ auf die altersgerechte Sprachentwicklung der Kinder aus, so die TK.

Schlagworte Sprachentwicklung | Sprachtherapie | Kinder

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