2. Oktober 2018
STUDIUM UND BEHINDERUNG

Studierende mit Behinderung stoßen an Unis oft auf Barrieren

Studieren mit chronischer Erkrankung oder Behinderung ist noch nicht selbstverständlich. Auf ihrem Weg zum erfolgreichen Abschluss müssen Studierende zusätzlich zu ihrer Einschränkung viele Barrieren überwinden. Die VdK-Zeitung sprach mit Daniela Gschnaidner, die als Hilfskraft in der Beratungsstelle für Studierende mit Behinderung an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) arbeitet.

Eine junge Frau sitzt vor ihrem Laptop und schreibt.
Viele beeinträchtigte Studierende haben Mühe mit dem Uni-Alltag (Symbol-Bild) | © Pixabay

VdK-Zeitung: In welchen Bereichen brauchen Studierende mit Behinderung und chronischen Erkrankungen Rat und Unterstützung?

Daniela Gschnaidner: Das ist individuell verschieden. Die meisten Fragen beziehen sich auf den universitären Alltag. Zu Beginn des Studiums geht es häufig um den Nachteilsausgleich in Klausuren und Prüfungen, um Informationen zum Campus und Fragen wie: Wo sind die Veranstaltungsräume? Wie komme ich hin? Gibt es dort geeignete Hilfsmittel? Im weiteren Verlauf des Studiums rücken dann eher wiederkehrende Formalitäten in den Vordergrund, wie Räume und Aufsichten für Klausuren mit Prüfungszeitverlängerung, die Ausleihe eines speziellen Prüfungslaptops oder von mobilen Hilfsmitteln. Auch der Ruheraum wird gerne und viel genutzt.

VdK-Zeitung: Auf welche Barrieren stoßen die Betroffenen am häufigsten?

Daniela Gschnaidner: Für Menschen mit einer Sehbehinderung ist der weitläufige Campus der LMU mit verschiedenen Standorten eine große Herausforderung, insbesondere bei Baumaßnahmen oder wenn eine Veranstaltung verlegt wird. Eine zweite Hürde stellt die Literatur dar. Es gibt nur wenige Bücher und Skripte von Dozenten, die von vornherein digitalisiert und barrierefrei aufbereitet sind. Auch Studierende mit einer Hörbeeinträchtigung stoßen auf viele Probleme: etwa eine schlechte Akustik, große Hörsäle, eine unklare Aussprache des Dozenten oder das Fehlen von Skripten. Bei Menschen mit einer Mobilitätseinschränkung spielt nicht nur die Zugänglichkeit von Gebäuden eine Rolle, sondern auch der Zeitfaktor, um zu den verschiedenen Veranstaltungen zu gelangen. In der Regel haben sie längere Wege, die auch über mehrere Gebäude und Etagen führen können. Psychische oder chronische Erkrankungen sind auf den ersten Blick nicht sichtbar, deshalb stoßen Betroffene häufig auf Unverständnis oder Ignoranz.

VdK-Zeitung: Gibt es auch Barrieren in den Köpfen?

Daniela Gschnaidner: Unwissenheit, Vorurteile oder Hemmungen führen dazu, dass viele Menschen nicht wissen, wie sie sich im Umgang mit Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung verhalten sollen. So manche Barriere entsteht aus Unachtsamkeit oder weil man vergisst, dass in unserer Gesellschaft auch Menschen mit Beeinträchtigungen leben.

VdK-Zeitung: Wie können die Dozenten und Kommilitonen zum Gelingen des Studiums beitragen?

Daniela Gschnaidner: Die Zauberformel: zuhören, Offenheit für Neues und Verständnis.

VdK-Zeitung: Sie haben selbst eine Hörbeeinträchtigung. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Daniela Gschnaidner: Ich hatte bereits an zwei anderen Hochschulen studiert und die Studiengänge wieder abgebrochen. Das lag auch an den überfüllten Hörsälen und an unachtsamen Dozenten, die wenig Rücksicht auf Menschen mit Hörbehinderung genommen haben. Damals bin ich fast verzweifelt. Mittlerweile sind die Unis deutlich inklusiver geworden.

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