24. Januar 2022
SOZIALE GERECHTIGKEIT

Ticket in die Armut

Die Erkenntnis ist keinesfalls neu: Minijob heißt Maxi-Armut. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung legt aktuelle Zahlen vor. 860 000 Menschen müssen trotz einer Beschäftigung mit Hartz IV aufstocken, fast die Hälfte von ihnen hat einen Minijob.

Das Bild zeigt eine Hand, die Tickets hält
© Canva / Jupiterimages

Arbeiten zu gehen, schützt sie nicht vor Armut, weder heute und schon gar nicht im Alter. Dieselbe Studie belegt, dass überdurchschnittlich viele alleinerziehende Frauen in Minijobs plus Hartz IV festhängen. Deren Arbeitsmarktpotenzial wird verschleudert, denn für berufliche Entwicklung ist in Minijobs kein Platz. Zudem entgehen Staat und Gemeinschaft Sozialversicherungsbeiträge und Steuern von Tausenden Arbeitnehmerinnen.

Was das für den Arbeitsmarkt heißt, zeigt dieses Beispiel: In Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten arbeiten 40 Prozent Minijobber. Jeder Minijob verdrängt eine halbe sozialversicherungspflichtige Stelle, hat das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung errechnet.

Ich hatte bei einer Bundesregierung mit rot-grüner Beteiligung auf ein Ende der Minijobs gehofft. Umso entsetzter bin ich, dass – ganz im Gegenteil – die Minijobgrenze von jetzt 450 auf 520 Euro steigen soll. Das sei der Preis für den Anstieg des Mindestlohns auf zwölf Euro, heißt es lapidar. Die Erklärung lautet, dass bei einem Minijob zehn Wochenstunden zum Mindestlohn rausspringen sollen.

Aus den Erfahrungen der letzten Jahre mit den Minijobs gibt es nur eine Konsequenz: Jede Beschäftigung muss vom ersten Euro an sozialversicherungspflichtig sein. Zum Wohl des Einzelnen und des Sozialstaats. Corona hat gezeigt, wohin Minijobs führen: zum Fall ins Bodenlose, denn diese Menschen werden als Erste ohne Arbeits­losen- oder Kurzarbeitergeld vor die Tür gesetzt. Rentenansprüche haben sie so gut wie keine. Minijobs sind das Ticket in die Armut und keine „Brücke“ zur Normalbeschäftigung, wie immer wieder behauptet wird. Mit der Anhebung der Minijobgrenze wird das Elend jetzt wider besseres Wissen verlängert. So habe ich mir eine armutsbekämpfende Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung nicht vorgestellt.

Armut bekämpfen – und zwar jetzt!

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer – daran hat die Pandemie nichts geändert, im Gegenteil. Auch der jüngste Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung beschreibt diese Entwicklung. Deshalb muss jetzt gehandelt werden, fordert der VdK. Höherer Mindestlohn, mehr Chancen für Aus- und Weiterbildung, Besteuerung von Vermögen. Denn diese Polarisierung ist Sprengstoff für die Demokratie.

Schlagworte Armut | Minijob

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