vor 3 Tagen
SOZIALE GERECHTIGKEIT

Klimaschutz fängt beim Essen an

Der VdK fordert eine Steuerreform, die nachhaltige und gesunde Lebensmittel begünstigt

Das Bild zeigt verschiedenes Gemüse: z. B. Tomaten, Gurken, Paprika, Zwiebeln, Rotkohl, Champignon
© Canva / Big Pixel

Eine konsequente Klimaschutzpolitik ist dringend notwendig. Da sind sich Experten einig. Doch je mehr Parteien am Tisch sitzen, umso schwerer ist eine solche Politik umzusetzen. Das hat zuletzt die Weltklimakonferenz gezeigt, die Mitte November in Glasgow mit weniger weitreichenden Ergebnissen endete, als viele gehofft hatten.

Vor diesem Hintergrund fordert der Sozialverband VdK gemeinsam mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und Greenpeace von den drei Ampel-Koalitionären eine Steuerreform, die nachhaltige und gesunde Lebensmittel begünstigt: Die Mehrwertsteuer auf frisches Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte sollte so weit wie möglich gesenkt werden. „Damit werden Anreize gesetzt, mehr pflanzliche statt tierischer Lebensmittel zu essen. Zugleich wird dadurch eine gesunde, umwelt- und klimaverträgliche Ernährung für alle Menschen möglich und bezahlbar“, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Eine solche Politik findet auch in der Bevölkerung breite Zustimmung: 71 Prozent der Deutschen wünschen sich, dass Lebensmittelpreise die wahren Kosten abbilden, also auch die Kosten der Umwelt- und Klimaschäden, die bei der Produktion entstehen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag des vzbv. 81 Prozent der Befragten befürworten zudem steuerliche Anreize, die einen umwelt- und klimaverträglichen Konsum fördern.

Die drei Verbände sehen darin einen klaren Auftrag an die Bundesregierung, die Mehrwertsteuer auf pflanzliche Lebensmittel so weit wie möglich zu senken und sich in Brüssel für eine EU-weite Steuerbefreiung einzusetzen. Es sei schließlich Aufgabe der Bundesregierung, die vom Klimaschutzgesetz vorgegebenen Emissionsziele zu erreichen, sagt Klaus Müller, Vorstand des vzbv. „Das könnte auch helfen, den aktuellen Preisanstieg bei Lebensmitteln auszugleichen“, betont Bentele.

Die drei Organisationen begrüßen zudem eine Tierwohlabgabe. Eine Expertenkommission unter Vorsitz des ehemaligen Bundeslandwirtschaftsministers Jürgen Borchert (CDU) hatte eine solche Abgabe 2020 vorgeschlagen: Bäuerinnen und Bauern sollten mit den Einnahmen aus einer zweckgebundenen Abgabe gezielt unterstützt werden, wenn sie dafür weniger Tiere und diese unter artgerechten Bedingungen halten. „Die Landwirtschaft kann ihren Beitrag zur Klimaneutralität nur leisten, wenn halb so viele Tiere gehalten werden und Anreize so gesetzt werden, dass die Nachfrage nach tierischen Produkten entsprechend sinkt“, sagte Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace.

Wer seine Ernährung auf mehr Obst und Gemüse umstellt, ernährt sich gesünder, hilft dem Klima und kann sogar noch Geld sparen. Doch viele arme Menschen können sich eine gesunde, ausgewogene Ernährung nicht leisten. Bentele fordert daher, dass die Regelsätze für Hartz IV und die Grundsicherung im Alter neu berechnet werden: „Gerade Ältere sind auf gesunde, frische Lebensmittel angewiesen. Wer chronisch krank ist oder Medikamente einnimmt, braucht oft eine besondere Ernährung.“

Heike Vowinkel

Schlagworte Ernährung | Klimaschutz | Mehrwertsteuer

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