22. Oktober 2021
SOZIALE GERECHTIGKEIT

Wird frisches Gemüse zum Luxus?

Inflationsrate steigt auf 4,1 Prozent – VdK-Präsidentin fordert höhere Regelsätze in der Grundsicherung

Obst, Gemüse, Benzin, Strom – viele Dinge des täglichen Lebens werden immer teurer, für arme Menschen inzwischen zu teuer. Der VdK fordert daher unbürokratische, schnelle Hilfe für sie.

Ein Einkaufswagen, im Hintergrund Supermarkt-Auslagen mit Obst und Gemüse.
Deutlich teurer und damit für ärmere Menschen oft unerschwinglich: frisches Obst und Gemüse | © pixabay.de

Die Nachricht sorgte für Aufsehen: Erstmals seit fast 30 Jahren steigt die Inflationsrate in Deutschland auf über vier Prozent. Für manche Lebensmittel – vor allem frische – bedeutet das um bis zu zehn Prozent höhere Preise, teilweise stiegen sie sogar noch stärker. So kosten Eier aktuell 17,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Aus Sicht des VdK ist das ein riesiges Problem für alle Menschen, die nur wenig Geld haben: „Frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse werden durch die Preissteigerungen für sie endgültig zum Luxusgut, das sie sich nicht mehr leisten können“, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele. Als Sofortmaßnahme fordert sie, die Mehrwertsteuer auf frische Lebensmittel generell zu streichen.

Zusätzliche Unterstützung brauchen aus Sicht des VdK Grund­sicherungsempfängerinnen und -empfänger. Etwa fünf Euro am Tag sind im Hartz-IV-Regelsatz für Lebensmittel vorgesehen. „Das reichte schon bisher nicht für eine ausgewogene Ernährung, wie Studien gezeigt haben. Doch nun wird sie vollends unmöglich“, so Bentele.

Rentnerinnen und Rentner erlebten in diesem Jahr im Westen eine Nullrunde, im Osten eine minimale Erhöhung von 0,71 Prozent, die die Preissteigerungen in keiner Weise ausgleicht. Der VdK hält daher ein stabil hohes Rentenniveau von mehr als 50 Prozent für zwingend notwendig und für alle, die Grundsicherung beziehen, eine deutliche Erhöhung des Regelsatzes. Stattdessen hat die Regierung für sie und Hartz-IV-Empfängerinnen und -empfänger ab Januar 2022 gerade einmal drei Euro mehr im Monat beschlossen. „Angesichts der galoppierenden Inflation ist das eine Unverschämtheit und zeigt, wie konsequent die große Koalition lebensnotwendige Bedürfnisse von Menschen in Grundsicherung ignoriert hat“, kritisiert Bentele.

Erst im Sommer hatte der VdK eine in seinem Auftrag erstellte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) vorgestellt, der zufolge arme Menschen kürzer leben. „Das liegt auch an einer schlechteren Ernährung“, sagt Bentele und nennt es einen „Skandal“, dass die Regierung kein Interesse daran zeigt, dies zu ändern.

Infos zur DIW-Studie im Auftrag des VdK:

Presse
Die Grafik zeift die höhere Lebenserwartung von Beamtinnen und Beamten (87,2 Jahre) im Vergleich zu Arbeiterinnen und Arbeitern (83,1).
16.08.2021 - Der Sozialverband VdK warnt angesichts einer von ihm in Auftrag gegebenen Studie des DIW Berlin vor einer pauschalen Erhöhung des Renteneintrittsalters. Menschen in belastenden Berufen mit niedrigen Einkommen leben kürzer als etwa Beamte. | weiter
16.08.2021

Als Mitglied der Kampagne „100 Euro mehr“ fordert der VdK zusammen mit dem Paritätischen Gesamtverband, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und vielen anderen Organisationen einen Zuschlag von 100 Euro in der Grundsicherung.

Darüber hinaus müsse der Regelsatz auf Basis der aktuellen Preise für Mobilität und Energie neu berechnet und das Wohngeld entsprechend angepasst werden, so Bentele. Denn auch Strom und Gas sind im Schnitt um 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr teurer geworden, Benzin sogar um bis zu 30 Prozent. Und Mieten von Bestandswohnungen stiegen Anfang des Jahres deutschlandweit so stark wie seit fünf Jahren nicht mehr. „Der nächste Koalitionsvertrag muss dringend Lösungsvorschläge anbieten“, fordert Bentele.

Heike Vowinkel

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VdK-Studie: Lebensdauer hängt von Job und Einkommen ab

Länger arbeiten, später in Rente! Regelmäßig kehrt dieser Vorschlag wieder, wenn es um die Finanzierung der gesetzlichen Rente geht. Schließlich steige ja die Lebenserwartung. Für alle? Der Sozialverband VdK hat jetzt untersuchen lassen, wie es mit der Lebenserwartung aussieht bei Menschen, die hart arbeiten mussten, die dennoch ein geringes Einkommen haben. Das Ergebnis: Ein harter Job, hohe Arbeitsbelastung, niedriges Einkommen wirken sich tatsächlich negativ auf die Lebenserwartung aus. Diese Menschen haben jetzt schon weniger von ihrer Rente – und sollen dann noch länger arbeiten?

Schlagworte Obst | Gemüse | Armut | Inflation | Grundsicherung | Hartz 4

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