3. März 2021
SOZIALE GERECHTIGKEIT

Kommentar von Verena Bentele: Jedes fünfte Kind von Armut betroffen

Deswegen fordert der VdK zusammen mit 15 weiteren Verbänden die Einführung einer Kindergrundsicherung und damit einen entschlossenen Richtungswechsel in der Familienpolitik.

Das Bild zeigt Verena Bentele
© VdK

Eine ganz normale Grundschulklasse mit 25 Kindern: Fünf von ihnen haben keine technische Ausstattung fürs Homeschooling, sie sitzen zu Hause oft nicht einmal an einem eigenen Schreibtisch. Sie gehen nicht zum Blockflötenunterricht, ins Ballett oder zum Fußballtraining, sondern verbringen ihre Freizeit zu Hause. Sie ernähren sich nicht vollwertig und gesund, viele bleiben an manchen Tagen hungrig.

Gibt es das? In einem reichen Land wie unserem? Können Sie sich das vorstellen? Doch es ist leider wahr. Statistisch gesehen ist in Deutschland jedes fünfte Kind von Armut betroffen oder bedroht. Diese Zahl ist wie in Stein gemeißelt. Schon seit Jahren bewegt sich hier nichts. Gar nichts. Das lässt für mich nur einen Schluss zu: Das derzeitige System der Familienförderung hat versagt.

Keine Frage, über die Jahre ist von den jeweils zuständigen Ministerinnen einiges versucht worden. Denn das Problem ist ja bekannt. Doch die zahlreichen sozial- und familienpolitischen Leistungen, die es bisher gibt, verhindern keine Kinderarmut.

Jede Maßnahme für sich mag durchdacht sein. Doch in der Summe bevorzugt die aktuelle Familienförderung gut verdienende Familien. Ein klares politisches Ziel zur Bekämpfung der Kinderarmut lässt sich in diesem zergliederten, komplizierten System nicht erkennen. Viele Leistungen bleiben ungenutzt.
Kinder können ihre Situation nicht selber ändern. Erwachsene Politikerinnen und Politiker müssen deshalb Gesetze machen, die Kindern ein Ticket zum Start in ein gutes Leben geben.

Deswegen fordert der VdK zusammen mit 15 weiteren Verbänden die Einführung einer Kindergrundsicherung und damit einen entschlossenen Richtungswechsel in der Familienpolitik. Statt Einzelposten wie Kindergeld, Steuerfreibetrag oder Regelsatz soll es nur eine einzige finanzielle Leistung für Kinder geben, gestaffelt nach den finanziellen Verhältnissen der Familien. Der Mehrbedarf von Kindern mit Erkrankungen oder Behinderungen käme obendrauf. Die neue Leistung soll unkompliziert zu bekommen sein: Ein einziger Antrag bei einer Behörde genügt.

Verena Bentele, VdK-Präsidentin

Schlagworte Kinder | Kinderarmut | Kindergrundsicherung

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