27. September 2018
SOZIALE GERECHTIGKEIT

Arme Kinder – ein Armutszeugnis

Etwa 4,4 Millionen sind betroffen – mehr als bisher angenommen

Die Kinderarmut in Deutschland ist nach Berechnungen des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) deutlich höher als bisher angenommen. Der Grund: Viele Familien nehmen ihren Anspruch auf Hartz IV, Kinderzuschlag oder Wohngeld nicht wahr. Etwa 4,4 Millionen Kinder sind demnach arm, 1,4 Millionen mehr als bisher bekannt.

Symbolfoto: Kleiner Junge sitzt allein oben auf einem Fußballtor aus Metallstreben
© imago/JOKER

„Es ist erschreckend, dass in einem reichen Land wie Deutschland 4,4 Millionen Kinder von Armut betroffen sind. Wir fordern die Bundesregierung auf, zielgerichtet und konsequent diejenigen zu unterstützen, die unsere Zukunft sind – ohne Wenn und Aber“, so VdK-Präsidentin Verena Bentele. Gute Kinderbetreuung und Ganztagsschulangebote seien ebenso notwendig wie Arbeitsplätze, die gut bezahlt und flexibel sind.

Darüber hinaus ist die geplante Erhöhung des Hartz-IV-Regelsatzes für Kinder von 6 bis 13 und Jugendliche von 14 bis 17 Jahren um jeweils sechs Euro auf 302 beziehungsweise 322 Euro monatlich nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein.

Grundsicherung neu berechnen!

„Wir brauchen eine grundsätzliche Neuberechnung der Grundsicherung. Hier müssen die tatsächlichen Kosten für eine gesunde Ernährung und Bildungsbedarfe für Kinder zugrunde gelegt werden“, so Bentele. Das würde zu einer deutlichen Erhöhung der Regelsätze führen. Damit Eltern auch ihre Kinder mit ihrer Erwerbstätigkeit finanziell absichern können, bedürfe es Regelungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, fair bezahlte Arbeit, Ganztagsbetreuung, bezahlbare Mieten und die Eindämmung von Leih- und Zeitarbeit.

Soziale Infrastruktur für Familien verbessern!

„Gleichzeitig muss auch dringend die soziale Infrastruktur für Familien mit Kindern verbessert werden, das heißt, es müssen mehr kostenfreie Angebote für die Betreuung, Bildung und Freizeitgestaltung geschaffen werden“, fordert die VdK-Präsidentin. Nur so könne armen Kindern eine umfassende soziale Teilhabe ermöglicht werden.

Arm sein heißt: nicht teilhaben können

Armut bedeutet hierzulande für Kinder meist nicht, kein Dach über dem Kopf oder kein Essen zu haben – die existenzielle Grundversorgung ist in der Regel gewährleistet. Arm zu sein heißt aber, auf vieles verzichten zu müssen, was für Gleichaltrige ganz normal zum Aufwachsen dazugehört. Mit Freunden ins Kino gehen, mal ganz spontan ein Eis essen, ins Schwimmbad gehen oder in den Urlaub fahren – für Kinder aus armen Familien sind diese Dinge meist kaum möglich. Wer aus finanziellen Gründen seine Freunde nicht nach Hause einladen kann oder kein Geld für gemeinsame Hobbys hat, dem fällt es schwerer, dabei zu sein und Freundschaften zu knüpfen.

Nicht zuletzt haben betroffene Kinder auch in der Schule nachweislich schlechtere Chancen, was ihren gesamten Bildungs- und Lebensweg negativ beeinflusst oder sogar hemmt.

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Alle finden es richtig, Kinder zu fördern. Aber man muss konkret werden und Geld in die Hand nehmen, um allen Kindern gerechte Startchancen zu geben. | weiter
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STATEMENT
Symbolfoto: Kleiner Junge mit kaputtem Schuh sitzt deprimiert vor einer mit Grafitti bemalten Hauswand
22.08.2018 - Rund 4,4 Millionen Kinder sind in Deutschland von Armut betroffen. Der VdK fordert die Regierung auf, zielgerichtet diejenigen zu unterstützen, die unsere Zukunft sind – ohne Wenn und Aber. | weiter
22.08.2018 | verantwortlich: Cornelia Jurrmann, Telefon: 030 / 92 10 580-401

VdK-TV: Armutsrisiko Alleinerziehend

In Deutschland gibt es rund acht Millionen Familien, in denen mindestens ein minderjähriges Kind lebt. Zwanzig Prozent davon sind alleinerziehend. Unser Beitrag zeigt auf, welche staatlichen Leistungen es für Alleinerziehende gibt, warum sie überdurchschnittlich stark von Armut gefährdet sind und was man dagegen tun kann.

ikl

Schlagworte Kinderarmut | Armut | Regelsätze | Betreuungsangebote | Elternarmut | Teilhabe | Grundsicherung

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    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
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    Die neue Tagebuch-Kolumne der VdK-Präsidentin. Positiv und persönlich: Mit ihrer Kolumne 'Verenas Lichtblick' will sie Leserinnen und Lesern, auch in Zeiten von Corona, Hoffnung machen. | weiter
    30.03.2020

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