9. Juli 2018
SOZIALE GERECHTIGKEIT

Bezug von Rente plus Grundsicherung: einmal im Jahr weniger Geld

Zum 1. Juli steigen die Renten. Was die meisten Rentnerinnen und Rentner freut, trifft ausgerechnet manche derjenigen hart, die zusätzlich Grundsicherung beziehen, weil sie zu wenig Einkommen haben. Für manche Renter ist der Juli ein Sparmonat.

Ein Antrag auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung.
Grundsicherung und Rente führt manchmal zu weniger Geld. | © imago/Hermann J.Knippertz

Zur Jahresmitte steigen im Westen die Renten im Alter und bei Erwerbsminderung um 3,22 Prozent, im Osten um 3,37 Prozent. Doch manche der Rentnerinnen und Rentner, die Grundsicherung beziehen, fühlen sich ausgetrickst. Einige von ihnen erhalten im Juli wegen der Rentenerhöhung nämlich paradoxerweise weniger Geld. Dies betrifft die Rentnerinnen und Rentner, die erstmals nach dem 1. April 2004 ihre Rentenzahlungen erhalten haben.

Rentenbezieher, die bereits vor dem 1. April 2004 die gesetzliche Rente bezogen, sind davon nicht betroffen. Für sie greift der alte Auszahlungszeitpunkt, sie bekommen ihre Rente am vorletzten Tag des Vormonats ausbezahlt und damit genauso viel Rente wie in anderen Monaten.

Wer demgegenüber seine Rentenzahlung erstmals nach dem 1. April 2004 erhalten hat, ist von einem Auszahlungsmodus betroffen, der dazu führt, dass er oder sie im Juli weniger Geld erhält.

Rente und Grundsicherung: Warum weniger Geld?

Dieser Auszahlungsmodus funktioniert so: Die Grundsicherung wird am Anfang des Monats ausbezahlt, die Rente aber erst am Ende des Monats. Konkret heißt das: Anfang Juli erhalten Grundsicherungsbezieher den wegen der anstehenden Rentenerhöhung gekürzten Betrag, die höhere Rente aber erst Ende Juli. Aufs Jahr gerechnet fehlt diesen Rentnerinnen und Rentnern einmal der Betrag, den sie durch die Rentenerhöhung erhalten hätten.

Ein fiktives Beispiel: Rentnerin Maria Huber erhält 600 Euro Altersrente und 200 Euro Grundsicherung. Zum 1. Juli steigt ihre Rente um 19,32 Euro. Anfang Juli werden ihr 181,68 Euro Grundsicherung überwiesen, erst Ende Juli 619,32 Euro Rente. Nach dem „Zuflussprinzip“ kürzen sich nämlich Sozialleistungen, wenn andere Einkommensarten im selben Kalendermonat steigen. Auch wenn im Juli 30 Tage mit gekürztem Gesamtbezug herauskommen.

Berechnungsmodus trifft Menschen, die um Überleben kämpfen

19,32 Euro weniger pro Jahr klingt verkraftbar. Für eine arme Rentnerin wie Maria Huber heißt das aber zum Beispiel, dass sie im Juli auf ein selbst zu zahlendes Medikament verzichten wird, um das auszugleichen. „Das Zuflussprinzip schafft Verlierer“, erklärt Margret Böwe, Referentin der Abteilung Sozialpolitik beim Sozialverband VdK Deutschland. „Und das ausgerechnet bei denjenigen, die finanziell ohnehin ums Überleben kämpfen. Der Staat spart auf dem Rücken der Ärmsten.“

Der Sozialverband VdK kritisiert diese Regelung: „Mit den Rechentricks muss Schluss sein“, fordert VdK-Präsidentin Verena Bentele. „Diese Menschen haben das Recht auf den vollen Sozialleistungsbezug.“ Der Bundesregierung ist diese Lücke sogar bekannt, wie aus zwei Anfragen der Linken-Fraktion aus den Jahren 2014 und 2016 hervorgeht. Geändert werden soll daran aber nichts. Für Rentnerinnen wie Maria Huber bleibt der Juli also ein Sparmonat.

Lesen und sehen Sie mehr:

SOZIALE GERECHTIGKEIT
Das Zeichen der Arbeitsagentur als Symbol für das Thema Arbeitslosigkeit.
Wann muss man sich arbeitslos melden? Wie hoch ist das Arbeitslosengeld? In unserem Beitrag geben wir Antworten rund um das Thema Arbeitslosigkeit. | weiter
03.07.2018 | sko
ARTIKEL
Symbolfoto: Gebäude der Deutschen Rentenversicherung, auf dem Gehweg davor geht eine Frau mithilfe eines Gehstocks.
Fragen und Antworten zur Erwerbsminderungsrente: Was sind die Voraussetzungen dafür, wie hoch ist die Erwerbsminderungsrente, wie beantragt man sie? | weiter
27.04.2018 | cl

VdK-TV: Ratgeber zur Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung

Wer hat eigentlich Anspruch auf die "Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung"? Der VdK hilft bei der Antragstellung und, falls nötig, beim Einlegen eines Widerspruchs gegen den Bescheid.

bsc

Schlagworte Altersrente | Grundsicherung | Rentenerhöhung | Erwerbsminderungsnrentner

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der Sozialverband VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Kampagnen
    Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Kampagnen transportiert der VdK seine Forderungen an die Politik und zeigt immer wieder soziale Missstände auf. | weiter

Armut ist eine der größten sozialen Katastrophen im Land.

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.