24. Januar 2017
SOZIALE GERECHTIGKEIT

Kommentar: Utopie mit Haken

Die Idee klingt erst einmal fabelhaft. Ein „bedingungsloses Grundeinkommen“ soll Schluss machen mit Bittgängen und komplizierten Anträgen. Wer – aus welchen Gründen auch immer – kein Einkommen hat, bekäme vom Staat einen festen Geldbetrag pro Monat überwiesen.

Diese Sozialutopie erfreut sich einer immer größeren Anhängerschaft. Für Individualisten verspricht sie mehr Freiheit. Man steigt aus der Arbeitsmühle aus, um sich kreativen Ideen zu widmen oder um sich ehrenamtlich um andere zu kümmern. Und wer nicht arbeitsfähig ist, sei es aus sozialen oder gesundheitlichen Gründen, müsste sich nicht mehr den Demütigungen einer Sozialbürokratie aussetzen. Ein einziger Antrag genügt.

Ideen wie diese sind gut, weil sie das derzeitige Sozialsystem, in dem es wahrhaftig an vielen Ecken knirscht, in Frage stellen und zu Diskussionen anregen. Misstrauisch werden muss man, wenn der Beifall von der falschen Seite kommt. Wenn sich nämlich jetzt die Konzernchefs von Siemens oder der Deutschen Telekom für das Grundeinkommen begeistern, ist die Motivation recht durchschaubar. Jobabbau, Umstrukturierungen, Nicht-Beschäftigung von Älteren oder Menschen mit Behinderung – alles keine Probleme, mit denen sich die Wirtschaft dann auseinandersetzen muss. Schließlich werden ja alle zuverlässig aufgefangen.

Die meisten Menschen zögen aber sicherlich ein Leben mit einem ordentlich bezahlten Job und einer guten Rentenperspektive einem Grundeinkommen vor. Sicher, Sozialbürokratie kann lästig sein. Statt sich aber mit einem Pauschalbetrag aus der Affäre zu ziehen, müssten Grundsicherungsbezieher besser unterstützt werden. Zudem trägt ein pauschales Grundeinkommen zur Ungleichheit bei. Eine Teilhabeförderung wäre dann nicht mehr nötig.

Unterstützung für den Einzelnen, wenn er beispielsweise trotz einer Behinderung arbeiten will oder nach einer Erkrankung eine berufliche Rehabilitation machen möchte, wäre kaum einzufordern. Gerade für diese Gruppen sind also Einbußen zu befürchten. Die Höhe des Grundeinkommens wäre für alle gleich. Differenzierung ist aber notwendig.

Denn ein kranker Mensch hat beispielsweise einen höheren Bedarf. Wieviel der Mensch zum Leben braucht, darüber wird schon heute oft gestritten. Zu befürchten ist, dass die Festlegung der Grundeinkommenshöhe je nach staatlicher Haushaltslage ausfällt. Eine solche Abhängigkeit möchte sicher niemand riskieren.

Ulrike Mascher

Schlagworte bedingungsloses Grundeinkommen | Grundeinkommen | BGE

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der Sozialverband VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Verena Benteles Lichtblicke
    Die neue Tagebuch-Kolumne der VdK-Präsidentin. Positiv und persönlich: Mit ihrer Kolumne 'Verenas Lichtblick' will sie Leserinnen und Lesern, auch in Zeiten von Corona, Hoffnung machen. | weiter
    30.03.2020

Armut ist eine der größten sozialen Katastrophen im Land.

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Das Bild zeigt einen Bildschirm, auf dem Googlemail geöffnet ist
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.