Endlich Grundrente

Nicht perfekt, aber richtig: Manchmal ist auch ein Kompromiss ein Erfolg.

Das Bild zeigt den Bundestag
© Unsplash
Jahrelang hat der VdK dafür gekämpft, endlich wirkt der Druck: Der Bundesrat hat am Freitag, den 03.07. nach jahrelangem Streit die Grundrente beschlossen. | weiter
07.07.2020

}

Der Bundestag hat nun endlich die Grundrente beschlossen! Dass über eine Million Menschen mehr Rente erhalten, die wenig verdient haben, die Kinder erzogen und gepflegt haben, ist super. Jahrelang hat der VdK dafür gekämpft, endlich wirkt der Druck. „Für viele Menschen bedeutet die Grundrente mehr Geld im Portemonnaie,“ so VdK-Präsidentin Verena Bentele. Eine gute Nachricht, doch laut Bentele reicht das noch nicht.

Grundrente nicht unabhängig vom Einkommen


Im Schnitt bringt die Grundrente den Leuten rund 75 Euro mehr im Portemonnaie. Wenn Menschen Kohlrabi-Blätter auskochen, weil es zum Leben nicht reicht, ist das viel Geld für sie. Vereinzelt erhalten die Leute 408 Euro mehr aufs Konto, andere widerum haben mit der neuen Rentenversicherungsleistung nur 5 Euro mehr im Monat. Wir hätten uns eine Grundrente gewünscht, von der alle unabhängig vom Einkommen profitieren.

Grundrente:
Unsere Forderungen auf einen Blick


1. Bei den Grundrentenjahren müssen auch Zeiten der Erwerbsminderung und Zeiten der Arbeitslosigkeit berücksichtigt werden.

2. Die Gleitzone muss von 30 bis 35 Grundrentenjahre gelten.

3. Die Abschläge von 12,5 Prozent auf den Grundrentenaufschlag müssen wegfallen.

4. Der Freibetrag für Einkommen aus der gesetzlichen Rente muss für alle Grundsicherungsempfänger unabhängig der Grundrentenjahre gelten. Sie müssen die Sicherheit haben, im Alter eine gerechte Rente zu erhalten.

Gleitzone und Erwerbsminderung: Nicht alle bekommen Grundrente


Viele erhalten mehr durch die Grundrente. Aber bedeutend ist, wer alles nicht einmal die Chance hat, von ihr zu profitieren. Denn Zeiten der Erwerbsminderungsrente werden nicht angerechnet.

Wer 20 Jahre in Lohn und Brot stand und dann chronisch krank geworden ist oder eine Behinderung erworben hat, kommt nicht auf 33 Jahre Arbeit und hat keinen Vorteil durch die Grundrente. Wenn Zeiten der Erwerbsminderung berücksichtigt würden, sähe dies anders aus. Diese Menschen lässt die Bundesregierung mit der aktuellen Grundrente sehr im Regen stehen.

Jahrelanger Kampf des VdK


Wir haben jahrelang dafür gekämpft, dass Menschen die ihr Leben lang hart und für zum Teil geringe Löhne gearbeitet haben, am Lebensabend eine gerechte Rente bekommen. Ihre Rente sollte aufgewertet werden. Dafür haben wir eine bundesweite Rentenkampagne mit allen VdK-Landesverbänden organisiert. An jedem Info-Stand haben unsere "Aktiven" aus Haupt- und Ehrenamt mit den Leuten darüber gesprochen und informiert, was eine gerechte Rente bedeutet. Deutschlandweit gab es unzählige Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Verteilaktionen, Hintergrundgespräche mit Ministerinnen und Ministern sowie der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. Zuletzt erwähnte die Kanzlerin die Grundrente auf unserer 70-Jahr-Feier. Die Grundrente ist auch ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Altersarmut. Sie ist ein Schritt in die richtige Richtung, für den wir hart gearbeitet haben und darauf sind wir stolz.

Dicke Bretter bohren in der Sozialpolitik


Sozialpolitik ist harte Arbeit. Wir vertreten Mitglieder vor Gericht und gehen wenn es sein muss auch bis vor das Bundesverfassungsgericht, um wichtige Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung zu klären. Wir gestalten die deutsche Sozialpolitik mit. Dafür üben wir Einfluss auf Gesetzgebungsprozesse aus, führen Gespräche mit Politikern und haben eine breite Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wir sind die größte soziale Bewegung in Deutschland.

Das alles finanzieren wir durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. So bleiben wir unparteiisch und unabhängig – ganz im Sinne unserer Mitglieder. Was es vor allem kostet, sind jedoch Zeit und Nerven. In der Politik fällt nicht von heute auf morgen ein Gesetz vom Himmel, wie es uns beliebt. Die Beeinflussung eines Gesetzes in die gewünschte Richtung ist ein langwieriger Weg, den wir als Verband aus Überzeugung gehen. Auch wenn uns am Ende das Ergebnis nicht immer zu hundert Prozent gefällt.

Grundrente – ein lang ersehnter Kompromiss


Die beschlossene Grundrente ist nicht das gelbe von Ei. Sie entspricht nicht eins zu eins unseren Forderungen und lässt Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner im Regen stehen. Deshalb werden wir in Zukunft weiter Druck ausüben, damit viel mehr Menschen von der Grundrente profitieren können.

Fest steht: Für Sozialpolitik braucht man einen langen Atem. Das wissen wir, weil wir ihn seit 70 Jahren beweisen. Kein Gesetz kommt so aus dem Kabinett, wie es hineingeht. Doch auch dann haben wir danach viele Möglichkeiten, die Situation von Menschen in Altersarmut und von Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentnern zu verbessern. Hier können noch viele Weichen gestellt werden, und wir haben bereits damit begonnen.

Grundrente überflüssig machen


VdK-Präsidentin Verena Bentele stellt richtig: „Klar ist für uns: Instrumente wie die Grundrente darf es in einem so reichen Land wie Deutschland gar nicht geben müssen. Wir brauchen endlich einen Mindestlohn von über 12,80 Euro. Nur dann beziehen die Menschen nach einem Leben voller Arbeit eine Rente oberhalb der Grundsicherung. Darüber hinaus brauchen wir ein stabil hohes Rentenniveau von mindestens 50 Prozent. Ziel muss es sein, dass alle, die ein Leben lang gearbeitet haben, im Alter von ihrer Rente leben können. Dafür setzen wir uns weiter ein.“

Zu wenig Rente?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.
Presse
Das Bild zeigt einen Bildschirm, auf dem Googlemail geöffnet ist
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.