2. März 2022
PFLEGE

Ein gutes Heim nimmt Beschwerden ernst

Die Qualität einer Pflegeeinrichtung lässt sich auch ohne Pflege-TÜV erkennen

Das Bild zeigt mehrere ältere Personen udn Pflegepersonal beim Kartenspielen.
© Canva / miodrag ignjatovic

Abgemagerte und dehydrierte Senioren, unversorgte Wunden, keine Medikamente: Immer wieder geraten Pflegeeinrichtungen in die Schlagzeilen, wie zuletzt das Heim eines privaten Betreibers in Augsburg. Doch woran erkennt man, ob die Menschen gut versorgt werden? Die VdK-ZEITUNG gibt Tipps, worauf man bei der Auswahl der Einrichtung achten sollte.

Jemanden in ein Pflegeheim zu geben, ist ein schwerer Schritt. Oft ist er mit großer Unsicherheit verbunden, denn derzeit gibt es kein verlässliches Bewertungssystem, an dem man sich bei der Suche nach einer guten Einrichtung orientieren kann. Eigentlich sollte spätestens Ende 2020 der neue Pflege-TÜV an den Start gehen. Doch wegen der Corona-Pandemie wird es noch eine Weile dauern, bis alle Pflegeheime nach dem neuen System geprüft sind. Hinzu kommt, dass laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung nur vier Bundesländer Informationen über wichtige Daten, etwa über fehlendes Personal, bereitstellen.

Oberste Priorität bei der Suche hat die Qualität der Pflege. Diese lässt sich vor allem an der Personalausstattung erkennen. Wie viele Pflegekräfte gibt es insgesamt? Wie viele davon sind examinierte Pflegekräfte? Werden die Pflegebedürftigen zu Eigenständigkeit angeleitet? Wird Bewegung gefördert? Wie ist die ärztliche Versorgung? Auch das Beschwerdemanagement gibt einen Hinweis auf die Qualität der Versorgung. In einem guten Heim werden die Anliegen der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Angehörigen ernst genommen statt unter den Teppich gekehrt.

Wer sich in einer Einrichtung wohlfühlen will, sollte auch auf seine eigenen Bedürfnisse achten. Dazu zählen etwa die Umgebung, die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, die Nähe zu den Kindern oder die Möglichkeit, sein Haustier mitzubringen. Hilfreich ist, sich eine Liste zu machen mit den Punkten, die einem wichtig sind: Gibt es Einzelzimmer? Kann ich meine Möbel mitnehmen? Kann ich meinen Tagesablauf frei gestalten? Gibt es Serviceange­bote, beispielsweise Krankengymnastik? Und Beschäftigungsangebote wie gemeinsames Singen, Basteln oder Fitness? Und schließlich spielen auch die Kosten eine Rolle. Die Höhe des Eigenanteils ist einrichtungsabhängig, und nicht jeder kann sich ein teures Heim leisten.

Heime vergleichen

Auf jeden Fall sollte die Möglichkeit genutzt werden, das Heim zu besichtigen. Am besten sieht man sich mehrere Einrichtungen an, die infrage kommen, und vergleicht sie miteinander. Denn vor Ort finden sich weitere Anhaltspunkte, die auf die Qualität der Pflege hinweisen können. Etwa die Atmosphäre: Wie ist der Kontakt zwischen Pflegekräften und Bewohnern? Wirkt das Personal gestresst? Hat es Zeit, auf einzelne Bewohner einzugehen? Werden Angehörige in wichtige Entscheidungen mit einbezogen? Vor einem Gesprächstermin mit der Heimleitung sollte man sich bereits seine Fragen notieren und etwas Zeit mitbringen.

Weitere Hinweise liefert die Ausstattung des Heims, beispielsweise die Größe der Zimmer, Gemeinschaftsräume, Fitness­räume oder Grünanlagen. Auch auf den Speiseplan und die Sauberkeit der Einrichtung sollte man achten.

Oft ist es möglich, im Vorfeld an einem Mittagessen teilzunehmen. Bei dieser Gelegenheit kann man mit Bewohnerinnen und Bewohnern ins Gespräch kommen und sie nach ihren Erfahrungen fragen. Nicht zuletzt ist es hilfreich, sich weiter umzuhören und weitere Personen zurate zu ziehen: etwa die Mitarbeiter einer unabhängigen Pflegeberatungsstelle, die Nachbarschaft oder vielleicht auch die Friseurin vor Ort.

Annette Liebmann

Hilfreiche Adressen

Orientierung bei der Einrichtungssuche bieten die „Weisse Liste“ und der Pflegelotse des Verbands der Ersatzkassen (vdek).
www.weisse-liste-pflege.de www.pflegelotse.de

Hilfreich ist auch die Broschüre „Das richtige Pflege- und Seniorenheim“ der BAGSO – Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen, die in einer aktualisierten Neuauflage erschienen ist. Mit der Checkliste und dem Fragenkatalog können Qualität und Leistungen verschiedener Anbieter verglichen werden.
(02 28) 24 99 93-0 www.bagso.de/publikationen

Schlagworte Pflegeheim | Pflegeheimbewohner | pflegebedürftig

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