19. Oktober 2021
PFLEGE

Selbstbestimmt und doch nicht allein

Pflege-WGs können eine gute Alternative zum Pflegeheim sein – Für wen sich welche Wohngemeinschaft eignet

Eine Wohngemeinschaft (WG) ist nicht nur etwas für junge Menschen. Auch im Alter hat das Zusammenleben Vorteile: Man ist Teil einer Gemeinschaft, hat seinen eigenen Bereich und wird, falls notwendig, von Pflegefachkräften und/oder den Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern unterstützt.

Das Bild zeigt drei ältere Menschen, die zusammen an einem Tisch sitzen und essen.
© Canva / Keith Brofsky

Die meisten Menschen möchten so lange wie möglich in ihrem Zuhause bleiben – auch, wenn sie pflegebedürftig werden. Doch das ist nicht immer möglich, weil viele Wohnungen nicht barrierefrei sind oder es vor Ort nur wenige ambulante Hilfsangebote gibt. Als Alternative zum Pflegeheim kann auch eine Pflege-WG infrage kommen. Jede Mitbewohnerin und jeder Mitbewohner hat ein eigenes Zimmer, oftmals mit eigenem Bad. Küche, Wohnzimmer und weitere Räume werden gemeinsam genutzt.

Selbstbestimmt leben

Ambulant betreute Gemeinschaften lassen sich in zwei Kategorien unterteilen: in selbst organisierte Wohngemeinschaften und in WGs, die von einem Träger, beispielsweise einem Pflegedienst oder einem Wohlfahrtsverband, betrieben werden. Bei Ersterer gründen die älteren Menschen selbst eine WG, mieten oder kaufen gemeinsam eine Wohnung und kümmern sich um die pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung. Der Vorteil: Die Senioren leben weiterhin selbstbestimmt und selbstständig, können sich gegenseitig unterstützen und teilen sich die Kosten für Miete und Haushalt. Die Gründung solcher Gemeinschaften erfolgt in der Regel, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner noch agil sind. Wird ein WG-Mitglied pflegebedürftig, kann ein professioneller Pflegedienst die Pflege übernehmen.

Selbst organisierte WGs eignen sich vor allem für aktive Menschen, die nicht alleine leben wollen und noch alles selbst regeln können. Allerdings ist es oft nicht einfach, eine Wohnung zu finden, die groß genug und zudem barrierefrei ist. Sie sollte sich nach Möglichkeit in der Nähe von Einkaufsmöglichkeiten, Ärztinnen und Ärzten, Kultureinrichtungen und Grünanlagen befinden. Auch eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr sollte berücksichtigt werden.

Ein weiterer Nachteil: Im Vergleich zur Versorgung im Pflegeheim kann die ambulante Pflege mitunter höhere Kosten verursachen. Und schließlich gestaltet sich die Suche nach geeigneten Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern manchmal schwierig.

Bei Pflege-WGs, die von einem Träger betrieben werden, übernimmt der Anbieter die Organisation und Verwaltung der WG und schließt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern Verträge ab. Er stellt nicht nur die Räume zur Verfügung, sondern kümmert sich auch um Dienstleistungen, wie etwa um die Instandhaltung und das wöchentliche Putzen, sowie um die Pflege und Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner. Außerdem kann er Regeln für das Zusammenleben festlegen.

Gemeinsame Aktivitäten sind kein Muss, werden aber von vielen Trägern angeboten. Diese WGs sind vor allem für Menschen geeignet, bei denen die Pflegebedürftigkeit bereits eingetreten ist.

Kasse zahlt Zuschuss

Wer in einer Pflege-WG wohnt, hat Anspruch auf Pflegegeld. Da­rüber hinaus kann in Gemeinschaften mit drei oder mehr pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohnern ein Wohngruppen­zuschlag in Höhe von 214 Euro beantragt werden.

Für einen barrierefreien und altersgerechten Umbau steuert die Pflegekasse Zuschüsse bei. Pro Person gibt es bis zu 2500 Euro beziehungsweise bis zu 10 000 Euro für die gesamte WG. Zusätzlich bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zinsgünstige Kredite von bis zu 6250 Euro pro Wohneinheit für altersgerechte Umbaumaßnahmen. Auch Mieter können diese in Anspruch nehmen, gesetzt den Fall, dass der Eigentümer einverstanden ist. Eigentümer können bei der KfW Kredite von bis zu 50 000 Euro beantragen.

Annette Liebmann

Pflegereform 2021 – die Betroffenen zahlen die Zeche

Entlastungen für die Pflegebedürftigen sollte die Pflegereform 2021 bringen, doch die Belastungen überwiegen. Kaum Verbesserungen für die häusliche Pflege, steigende Eigenanteile bei den Heimkosten. Die sollten eigentlich gedeckelt werden, geblieben sind nur unzureichende Zuschüsse vor allem im ersten Jahr des Heimaufenthaltes. Der Sozialverband VdK kritisiert diese „Reform“ deutlich: Sie müsse von den Betroffenen bezahlt werden.

Schlagworte Pflege | Pflege-WG | Pflegegeld

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der Sozialverband VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Kampagnen
    Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Kampagnen transportiert der VdK seine Forderungen an die Politik und zeigt immer wieder soziale Missstände auf. | weiter

Pflege viel zu teuer?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.