12. Dezember 2018
Pflege

Therapiebegleithunde: Tiere zaubern ein Lächeln ins Gesicht

Suri ist zwei Jahre alt und ein Hunde-Teenager. Gern tollt sie in ihrer Freizeit herum. Die Therapiebegleithündin ist ein Collie-Mischling aus Ungarn. Während der Arbeit ist sie konzentriert und ruhig bei der Sache. Zweimal in der Woche geht Suri mit Sozialarbeiterin Anne Markgraf in die Demenzwohngruppen im Haus Clara Zetkin in Brandenburg an der Havel.

Therapiebegleithunde: Was können sie bei Demenzkranken bewirken? | © Sabine Kohls

Jeden Montag und Donnerstag besuchen die beiden die Bewohnerinnen und Bewohner. Zu wem sie gehen, hängt davon ab, ob die Angehörigen ihr Einverständnis erteilt haben. Suri ist zurzeit zwar noch in der Ausbildung, steht aber kurz vor der Abschlussprüfung. Wenn Anne Markgraf ihr das orangefarbene Tuch mit der Aufschrift „Therapiebegleithund Suri“ umbindet, beginnt der Einsatz. In der Tasche hat sie eine Wolldecke, Wassernapf, diverses Einsatzmaterial und eine grüne Unterlage dabei.

Als Erstes besuchen die beiden an diesem Donnerstag Heinz P. (85, Name von der Redaktion geändert). Anne Markgraf legt die Schutzdecke auf das Bett. Suri steigt auf einen Stuhl, von dort auf die Decke und legt sich hin. Vorsichtig nimmt sie die Leckerlis aus der Hand des Bewohners. Wie in Zeitlupe öffnen sich seine Finger, als der Hund sanft dagegen stupst: Ein ganz kleines Lächeln ist auf seinem Gesicht zu sehen.

Ansonsten liegt er völlig regungslos da. Die Sozialarbeiterin erzählt von Suri und nimmt Bezug auf das Leben des Bewohners. Dabei streichelt sie seine Hand und legt ein weiteres Leckerli hinein. Zum Abschluss werden die Hände mit einem Hygienetuch gereinigt. Nächste Woche schauen sie wieder vorbei.

Tiere vermitteln Nähe und sind geduldige Lehrer

Weiter geht es in den Gemeinschaftsbereich. Dort warten schon Inge K.* (66) und Waltraud T. (91, Name von der Redaktion geändert). Gemeinsam wollen sie heute Stadt-Land-Fluss spielen. Suri wird das Buchstabenrad drehen. Sie übt noch etwas, mal nimmt sie die Pfote, mal die Schnauze. Bei den Spielerinnen ist es ebenso, mal stimmen die Begriffe, mal nicht. Egal, Hauptsache, es macht Spaß. Zwischendurch wartet Suri auf der grünen Unterlage, bis sie wieder aufgerufen wird. Als Nächstes werfen die Frauen einen weichen Ball, den Suri zurückbringt. Gelegenheit für weitere Streicheleinheiten. Die Bewohnerinnen geraten ins Erzählen. Sie hatten früher selbst Hunde.

Tiere vermitteln Nähe und sind zugleich konsequente und geduldige Lehrer. Sie nehmen Stimmungen auf, spiegeln diese und reagieren nur auf klare Anweisungen. Die Bewohner lernen so ihre Grenzen kennen und setzen selbst welche. Zudem wird auch ihr Selbstwert gesteigert.

Therapiebegleithunde gehen in Rente

„Therapiebegleithunde müssen ein ausgeglichenes und freundliches Wesen und eine gute Bindungsfähigkeit haben“, sagt Anne Markgraf. In einer Abschlussprüfung muss Suri nachweisen, dass sie auch schwierigen Situationen gewachsen ist. Dazu trainieren sie regelmäßig im Team. Suri hat Clara abgelöst, die nach vielen verdienten Jahren als Therapiebegleithund in Rente geht.

Info: Für die professionelle Arbeit mit Tieren im Alltag der Bewohner hat das Senioren- und Pflegezentrum Brandenburg an der Havel (SPZ) den GERAS-Preis 2018 der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) erhalten. Im SPZ werden Therapiebegleithundeteams für den beruflichen Einsatz ausgebildet.

Kontakt: http://www.spz-akademie.de
Telefon: (01 76) 43 83 80 93
E-Mail: tiergestuetzte-intervention@spz-akademie.de

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Schlagworte Demenz | Alter | Senioren | therapie | Pflegeheim | Tiere | therapiehund

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