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VdK-Standpunkt: Arznei- und Hilfsmittel

Medikamentenverzicht wegen Zuzahlungen

Gesetzlich versicherte Erwerbstätige und Rentner müssen erhebliche Kosten für Arznei- und Hilfsmittel selbst tragen. Gerade Menschen, die chronisch krank sind und ein geringes Einkommen haben, sind durch Zuzahlungen oft so stark belastet, dass sie auf notwendige Medikamente verzichten.

© Andrea Damm/pixelio.de

Für jedes auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen verordnete Arznei-, Hilfs- oder Heilmittel muss ein Patient 10 Prozent des Preises zuzahlen – mindestens 5, maximal 10 Euro. Zwar gibt es eine Begrenzung, nach der Patienten pro Jahr nur bis zu 2 Prozent ihres Bruttoeinkommens zuzahlen müssen, chronisch Kranke 1 Prozent.

In der Realität sind gerade chronisch Kranke erheblich durch Zuzahlungen belastet, müssen fast ein Drittel mehr Zuzahlungen leisten im Vergleich zu Menschen ohne chronische Erkrankung. Ältere zwischen 61 und 70 Jahren leisten rund 70 Prozent mehr Zuzahlungen als 18- bis 30-Jährige.

Der VdK erfährt immer wieder von Mitgliedern, dass sie Rezepte für notwendige Medikamente nicht einlösen, weil sie sich die Zuzahlung nicht leisten können, oder die Einlösung aufschieben, bis sie wieder genügend Geld haben. Oft wird auch die Dosierung reduziert, damit das Medikament länger „vorhält“ und das Folgerezept erst später eingelöst werden muss.

Weitere versteckte Mehrkosten

Neben diesen offiziellen Zuzahlungen haben sich über die Jahre weitere Mehrkosten eingeschlichen, die die Patienten noch deutlich mehr belasten, aber nicht unter die Zuzahlungsbegrenzung fallen. So müssen nicht verschreibungspflichtige Medikamente in der Regel selbst bezahlt werden. Trotz der geringen Einzelbeträge sind das für chronisch kranke Patienten mit kleinen Renten oder niedrigen Einkommen oft hohe Ausgaben.

Der VdK fordert daher, verordnete Arzneimittel in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung zurückzunehmen.

Auch bei rezeptpflichtigen Medikamenten führt ein kompliziertes System von Festbeträgen dazu, dass viele Patienten zum Teil hohe Eigenanteile tragen müssen. Wenn ein Arzt ein Medikament verordnet, dessen Preis über einem von den Krankenkassen festgelegten Festbetrag liegt, bezahlt der Patient die Differenz aus eigener Tasche. Zwar darf der Apotheker innerhalb einer Festbetragsgruppe ein verordnetes Medikament gegen ein gleichwertiges günstigeres austauschen. Doch wenn es aufgrund seiner Zusammensetzung nicht vollständig vergleichbar ist, darf es auch nicht ausgetauscht werden – und der Patient muss den vollen Preis bezahlen. Viele Patienten können dies nicht, zumal es hier keine Zuzahlungsbegrenzung gibt, und verzichten daher auf das Medikament.

Der VdK fordert, dass ärztlich verordnete Arzneimittel, die der Apotheker nicht austauschen darf, von der Krankenkasse voll übernommen werden.

Hilfsmittel – entweder selbst bezahlen oder schlechte Qualität

Auch bei ärztlich verordneten Hilfsmitteln sind Patienten gezwungen, z. T. hohe Eigenanteile zu tragen. So übernimmt beispielsweise eine Krankenkasse lediglich um die 16 Euro im Monat für eine Vollversorgung mit Inkontinenzprodukten. Die Rechnung des Lieferanten für den Patienten ist jedoch um ein Vielfaches höher. Wenn der Patient dies nicht bezahlen kann und auf der Kassenleistung besteht, erhält er niedrigste Qualität.

VdK-Mitglieder berichten etwa, dass sie Einlagen in Inkontinenz-Windeln legen, um diese länger nutzen zu können. Auch bei Rollatoren und Rollstühlen ist für die Kassenleistung kaum ein taugliches Modell zu bekommen – zum Beispiel nur ohne Kippschutz. Hinzu kommt, dass die Krankenkassen nur für Kassenmodelle die Wartungskosten übernehmen. Der Rechtsanspruch auf vollen Behinderungsausgleich existiert somit nur in der Theorie.

  • Themenblatt Gesundheit.pdf (480,26 KB, PDF-Datei)

    VdK-Standpunkt und Forderungen zum Thema Gesundheit. Die paritätische Finanzierung der Kosten im Gesundheitswesen wird nach und nach ausgehebelt. Zusatzbeiträge und Zuzahlungen belasten immer mehr Menschen mit niedrigem Einkommen. Gesundheit wird zu einem Gut, das sich viele nicht mehr leisten können.

Schlagworte Soziale Spaltung stoppen | Gesundheit | Hilfsmittel | chronisch krank | Hilfsmittelversorgung | Leistungskatalog | Krankenkassen | GKV | Krankenversicherung | Zuzahlungen | Medikamente | Arzneimittel

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    VdK-Standpunkt und Forderungen zum Thema Gesundheit. Die paritätische Finanzierung der Kosten im Gesundheitswesen wird nach und nach ausgehebelt. Zusatzbeiträge und Zuzahlungen belasten immer mehr Menschen mit niedrigem Einkommen. Gesundheit wird zu einem Gut, das sich viele nicht mehr leisten können.


Soziale Spaltung stoppen! - Gesundheit (UT)

Version mit Untertiteln: Die Forderungen des Sozialverbands VdK zur Bundestagswahl 2017 zum Thema Gesundheit auf einen Blick: Rund 27 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer oder mehreren chronischen Erkrankungen. Gesundheit muss für alle bezahlbar sein!
Rente
Symbolfoto: Vier Seniorinnen und Senioren sitzen nebeneinander auf einer Bank, ein Rollator steht daneben.
Die gesetzliche Rente muss Altersarmut verhindern und zukunftssicher gemacht werden. Davon profitieren auch künftige Generationen von Rentnerinnen und Rentnern.
Pflege
Symbolfoto: Eine junge Hand hält die Hand einer Seniorin
Es gilt auch nach den eingeleiteten Pflege-Reformen, für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und das Pflegepersonal Nachbesserungen durchzusetzen.
Behinderung
Symbolfoto: Junger Mann im Rollstuhl steht am Fuß einer Treppe
Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet Deutschland, das gleichberechtigte Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung umzusetzen.
Armut
Symbolfoto: Hände einer Seniorin zählen Kleingeld.
Armut ist ein wachsendes Problem in Deutschland. Besonders betroffen sind Kinder, ältere, alleinerziehende und langzeitarbeitslose Menschen.
Finanzierung
Symbolfoto: Ein Taschenrechner auf einem Haufen Euro-Münzen und -scheine
Um eine soziale Balance zu schaffen, sind gezielte Investitionen für die ärmere Hälfte der Bevölkerung notwendig. Finanzierbar ist dies durch eine gerechtere Steuerpolitik.

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