Schmerz, lass nach!

Medikamentenpumpen können schwere Leiden gezielt lindern

Das Bild zeigt zwei Blitze am Himmel
© Unsplash

Für Patienten, die unter starken Schmerzen nach einer Operation oder unter chronischen oder tumorbedingten Schmerzen leiden, kann eine Medikamentenpumpe zur Behandlung hilfreich sein. Welche Vor- und Nachteile diese Therapie hat und unter welchen Vo­raussetzungen sie empfohlen wird, erklärt Schmerzmediziner Privatdozent Dr. Jens Keßler vom Universitätsklinikum Heidelberg.

Experten unterscheiden zwischen der Pumpenversorgung im Krankenhaus und dem Einsatz dieser technisch unterstützten Medikamententherapie im ambulanten Bereich. Die Behandlung mit einer Medikamentenpumpe innerhalb des Krankenhauses wird von den Anästhesieabteilungen initiiert und begleitet, sodass Patienten bereits während des Aufklärungsgesprächs zur Narkose die entsprechenden Informationen erhalten.

Die Pumpentherapie im ambulanten Bereich kommt vor allem bei Krebspatienten und bei starken chronischen Schmerzen zum Einsatz. Sie wird aber auch bei Krebspatienten und bei starken chronischen Schmerzen anderer Ursachen angewendet. Die Therapie wird vom Schmerz- oder Palliativmediziner betreut.

Arznei per Knopfdruck

„Über eine Pumpe gegebene Schmerzmittel werden dem von einer Tumorerkrankung Betroffenen entweder über eine kleine Plastikkanüle ins Unterhautfettgewebe oder über einen sogenannten Portkatheter, kurz Port, gegeben“, schildert der Schmerztherapeut. Der Vorteil: Durch den Port besteht ein dauerhafter und bequemer Zugang in das Gefäßsystem. Anschließend wird an den Port eine Schmerzpumpe angeschlossen. So kann eine vom Arzt voreingestellte Menge eines Schmerzmedikaments gezielt abgegeben werden. „Über die Schmerzpumpe können sich die Patientinnen und Patienten dann per Knopfdruck eigenverantwortlich ein Medikament verabreichen.“ Um eine Überdosierung zu vermeiden, werden eine Maximaldosis sowie ein Zeitraum, in dem keine neue Dosis abgegeben werden kann, festgelegt.

Der Oberarzt am Zentrum für Schmerztherapie und Palliativmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg blickt bereits auf 15 Jahre Erfahrung in der Palliativversorgung zurück. „Diese Arbeit ist sehr befriedigend, weil man den Betroffenen helfen kann, Lebensqualität zu gewinnen.“ So ist für den Mediziner erfreulich, dass eine Schmerzpumpe einem Tumorpatienten ein weitgehend schmerzreduziertes und selbstbestimmtes Leben zu Hause ermöglicht.

Der Anästhesist stellt zudem die intrathekale Schmerzpumpe vor, die wesentlich seltener zum Einsatz kommt. Dabei wird in die Rückenmarksflüssigkeit ein Katheter gelegt, über den sich das kontinuierlich über die Pumpe abgegebene Schmerzmedikament verteilt. Die Schmerzpumpe wird im oberen Bauchraum unterhalb des Rippenbogens unter der Haut implantiert. „Die Pumpe wird regelmäßig durch einen Arzt mit dem Medikament aufgefüllt“, betont Dr. Keßler.

Da die Therapie mit einer intrathekalen Schmerzpumpe aufwendig und teuer ist, muss die Behandlung gut begründet sein, damit die Kosten von etwa 15 000 Euro von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Zuvor müssen alle anderen Verfahren zur Schmerzbehandlung gescheitert sein. Erst dann wird eine intrathekale Schmerzpumpe in Erwägung gezogen.

Wichtig bei der Behandlung mit einer Schmerzpumpe ist, dass sich der Patient engmaschig durch einen Schmerztherapeuten betreuen lässt, rät der Spezialist.

Elisabeth Antritter

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