Nerv eingeklemmt: Was tun?

Experte vom Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie rät zu Bewegung, Wärme, manueller Therapie und Osteopathie

Das Bild zeigt Skizzen von menschlicher Anatomie
© Unsplash

Einschränkung der Bewegungsfähigkeit, Kribbeln und Taubheitsgefühle sind typische Anzeichen dafür, dass ein Nerv eingeklemmt ist. Am häufigsten sind Hals, ­Nacken, Rücken, Schultern oder Arme betroffen. Die VdK-ZEITUNG sprach mit Dr. Arne-Björn Jäger, Experte vom Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU) über Symptome und Möglichkeiten der Therapie.

Was versteht man unter einem eingeklemmten Nerv?

Unter einem eingeklemmten Nerv versteht man die Kompression oder Einengung von Nervengewebe. Dabei kann es sich um einen sogenannten peripheren Nerv oder um eine Nervenwurzel handeln. Periphere Nerven sind Nerven, die außerhalb von Gehirn und Rückenmark gelegen sind und das Gewebe im Körper versorgen. Nervenwurzeln gehören zum Rückenmark und sind von den Wirbeln knöchern geschützt. Es sind Ein- und Austrittstellen von Nerven, die an jedem Segment der Wirbelsäule zu beiden Seiten liegen.

Wie macht sich ein eingeklemmter Nerv bemerkbar?

Der betroffene Nerv ist in seiner Funktion eingeschränkt. In Abhängigkeit des Versorgungsgebietes des Nerven kann es zu Schmerzen, Gefühlsstörungen oder Einschränkungen der Muskelfunktion kommen. Die Veränderungen lassen sich anatomisch immer genau einem peripheren Nerv oder einer Nervenwurzel zuordnen. Wird eine Nervenwurzel akut eingeengt, ist die Schmerzausstrahlung entlang der Nervenfasern, die aus der Wurzel in den Körper ziehen. Begleitend ist die Gefühlswahrnehmung auf dem versorgten Hautareal und die versorgte Muskulatur gestört. Ein Beispiel ist der Ischiasnerv. Dabei zieht der Schmerz vom unteren Rücken über das Gesäß bis in den Fuß. Es können Gefühlsstörungen entlang der Nervenbahn bis an die Fußsohle und eine Schwäche der Fußsenkung auftreten.

Wie äußern sich die Beschwerden?

Bei einer akuten Einengung der Nervenwurzel oder eines ­peripheren Nerven kann ein heftiger Schmerz, der sich stechend, elektrisierend oder brennend anfühlen kann, wahrgenommen werden. Dazu können Missempfindungen wie Kribbeln, Ameisenlaufen oder Taubheit auftreten. Die Beschwerden können bewegungsabhängig auftreten und sich durch Pressen, Niesen oder Husten verstärken.

Was sind die Ursachen?

Die Kompression einer Nervenwurzel kann durch einen Bandscheibenvorfall ausgelöst werden. Durch Verschleißprozesse können zunehmende Gewebewucherung der Bandstrukturen und der Wirbelsäulengelenke chronische Ein­engungen des Nervenkanals und der Nervenaustrittstellen aus der Wirbelsäule bewirken.

Wie kann man den eingeklemmten Nerv lösen?

Der Betroffene nimmt unbewusst und spontan eine Schonhaltung ein, um die schmerzende Region zu entlasten. Dies bedingt wiederum eine einseitige Belastung, die zu schmerzhaften Muskelverspannungen und Einschränkungen der Bewegung führt. Am Beginn der Beschwerden muss der Schmerzreiz gelindert werden, um weiter in Bewegung zu bleiben. Wärmebehandlung, Massage und Gymnastik beeinflussen die Muskulatur und sollten so angewendet werden, dass sie die Beschwerden nicht verstärken oder auslösen. Wichtig: Immer weiter in Bewegung bleiben. Denn eingeschränkte Bewegung ist ein erster Faktor für die Ausbildung eines chronischen Schmerzsyndroms. Wenn eine Blockade der Wirbelsäule als Ursache diagnostiziert wird, helfen Maßnahmen wie manuelle Therapie oder Osteopathie. Bildet sich zusätzlich ein myofasziales Schmerzsyndrom, können manuelle Triggerpunktbehandlung oder Faszientherapie ergänzend durchgeführt werden.

Interview: Petra J. Huschke

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    30.03.2020

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