Gesunde Skepsis

Bei IGeL-Angeboten zurückhaltend sein

Das Bild zeigt eine Ärztin im Labor
© Unsplash

Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), die der Patient alleine zahlt, werden in vielen Arztpraxen angeboten. Neu in der Produktpalette sind COVID-19-Antikörpertests. Hier ist besondere Vorsicht geboten, warnt der IGeL-Monitor.

Nicht jeder Mensch, der sich mit dem Coronavirus angesteckt hat, zeigt Symptome. Diese Unsicherheit nutzen einige Arztpraxen aus und haben COVID-19-Antikörpertests in ihren IGeL-Katalog aufgenommen. Damit lässt sich feststellen, ob sich der Patient bereits unbemerkt mit dem Coronavirus angesteckt hatte. Doch der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbands (MDS) sieht das kritisch: Bei der Interpretation von positiven Testresultaten werden die Patienten oft alleingelassen, heißt es vom MDS, der eine Versichertenbefragung durchgeführt hat. Bei der Stichprobe kam heraus, dass auch Schnelltests für Selbstzahler in den Praxen angeboten werden. Von diesen wird aber vom Robert Koch-Institut und von der Fachgesellschaft der Hausärzte abgeraten.

Was sind Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL)?

Welche privat zu bezahlenden Zusatzleistungen sind wirklich sinnvoll? Für den VdK steht fest: Alle medizinisch notwendigen Untersuchungen müssen im Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung enthalten sein.

Besonders fatal ist nach Auffassung des MDS, dass nach dem Test oft kein richtiges Aufklärungsgespräch stattfindet. Deshalb könnten sich positiv Getestete in falscher Sicherheit wiegen, weil sie glauben, nun immunisiert zu sein. „Es gibt noch keine sicheren Erkenntnisse dazu, ob und wie lange eine Immunität nach einer Infektion anhält“, warnt Dr. Michaela Eikermann vom MDS.

Das Beispiel der Antikörpertests zeigt nach Meinung des Sozialverbands VdK, dass die Selbstzahler-Gesundheitsleistungen dringend reguliert werden müssen. „Bei IGeL wird das Arzt-Patienten-Vertrauensverhältnis ausgenutzt, um etwas zusätzlich zu verkaufen. Sofern diese Leistungen einen medizinischen Nutzen haben, gehören sie in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung. Andernfalls dürfen sie Patienten nicht angeboten werden“, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Seit 2012 beobachtet der IGeL-­Monitor des MDS die Entwicklungen. Die Probleme sind 2020 im Wesentlichen dieselben wie in den Jahren zuvor. Patientinnen und Patienten werden nicht ausreichend über Kosten und Nutzen der Angebote informiert. Viele fühlen sich unter Druck gesetzt. Dabei wäre gesunde Skepsis gut: Die Top 3 der IGeL, Augeninnen­druckmessung zur Glaukom-Früh­erkennung sowie Ultraschall der Eierstöcke und der Brust zur Krebsfrüherkennung, widersprechen laut MDS sogar den Empfehlungen ärztlicher Fachverbände.

Dr. Bettina Schubarth

Schlagworte IGeL | IGeL-Monitor

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