25. Januar 2019
DEBATTE

Kommentar: Organspende: 10.000 Menschen warten

von Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland

Das Thema Organspende geht uns alle an. Ich begrüße eine offene und ernsthafte Debatte darüber in unserem Verband, in den Parteien und in der Gesellschaft über die ethische Dimension des Themas.

Das Portraitfoto zeigt VdK-Präsidentin Verena Bentele. Sie steht draußen in einem Park, im Hintergrund ein Baum.
Verena Bentele, VdK-Präsidentin | © Silvia Béres

Es gibt Dinge, die wirklich wichtig sind, die man aber trotzdem immer vor sich herschiebt: Steuererklärung machen, Keller aufräumen, Zahnarzttermin vereinbaren. Dieser Aufschieberitis fällt leider bei den meisten Deutschen auch das Ausfüllen des Organspendeausweises zum Opfer. Das ist schade. Und möglicherweise tragisch für 10 000 Menschen in Deutschland, die auf ein Spenderorgan warten.

Wir haben die paradoxe Situation, dass fast jeder im Falle des Falles von einer Organspende profitieren möchte, sich aktuell aber nur 36 Prozent aller Deutschen selbst für eine Organentnahme zur Verfügung stellen würden. Jede Spenderin und jeder Spender kann durchschnittlich drei schwerkranken Patienten eine Chance zum Überleben schenken. Das allein rechtfertigt doch die paar Minuten, um den Organspendeausweis auszufüllen, finde ich.

Obwohl viele Deutsche sehr zögerlich sind, verbessert sich die Situation. Erstmals ist die Zahl der Spenderorgane deutlich angestiegen. 955 statt im Vorjahr 797 Menschen wurden 2018 nach ihrem Tod zu Organspendern. Dies ist vermutlich auf eine bessere Organisation in den Kliniken bei Organentnahmen und -verpflanzungen zurückzuführen. Der VdK unterstützt daher ausdrücklich den kürzlich auf den Weg gebrachten Gesetzentwurf der Bundesregierung zur höheren Vergütung von Kliniken, die Organentnahmen durchführen. Zusätzlich soll es auch für kleine Kliniken einen neurologischen Bereitschaftsdienst für Organspenden geben.

Ob wie bisher nur das schriftlich festgehaltene Einverständnis die Organspende erlaubt, oder ob aus einem fehlenden Widerspruch von einem automatischen Einverständnis ausgegangen werden kann, betrifft die Frage des Selbstbestimmungsrechts. Ich begrüße eine offene und ernsthafte Debatte in unserem Verband, in den Parteien und in der Gesellschaft über die ethische Dimension dieses Themas.

Bis eine politische Entscheidung getroffen ist, würde ich mich sehr freuen, wenn möglichst viele VdK-Mitglieder einen Organspendeausweis ausfüllen. Wie wäre es gleich heute?

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Schlagworte Organe | Organspende | Organspendeausweis | Krankheit

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