6. Dezember 2022
GESUNDHEIT

Der richtige Umgang mit einem Rollator sollte geübt werden

Sicherer mit vier Rädern

Der Rollator kann eine große Unterstützung sein, um nach einer Operation oder im fortgeschrittenen Alter die Mobilität zurückzugewinnen. Die richtige Nutzung können Patientinnen und Patienten während einer Physiotherapie üben. Die Deutsche Verkehrswacht organisiert bundesweit Schulungen.

© VdK

„Ich will, ich will, ich will“, sagt Elke Biesenthal, ballt die Fäuste und lächelt Physiotherapeutin Franziska Lingott an. Die 79-Jährige motiviert sich so für das Rollatorentraining. „Am Morgen habe ich wieder Schmerzen im Rücken gehabt und dachte, das wird heute nichts“, erzählt die Seniorin. „Doch ich will wieder rausgehen können und weiß, dass ich dafür etwas tun muss.“ Lingott nickt ihrer Patientin aufmunternd zu.

Nach einem Sturz wurde Biesenthal an der Lendenwirbelsäule operiert. Das Gehen fällt ihr noch sehr schwer. Seit gut zwei Wochen kommt die Seniorin in die geriatrische Tagesklinik in das Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum in Berlin-Schöneberg und erhält dort Ergo- und Physiotherapie.

Richtig eingestellt?

Franziska Lingott hat für das Training einige Übungen zusammengestellt: Bremsen, Wenden, Manövrieren sowie das Hinsetzen und Aufstehen mit dem Rollator stehen auf dem Programm.

Doch zunächst überprüft Lingott, ob das Gerät richtig eingestellt ist. Dafür steht Elke Biesenthal aufrecht hinter dem Rollator und lässt die Arme seitlich hängen. Die Griffe sind auf Höhe der Handgelenke. Dann umschließen ihre Hände die Griffe. „Richtig ist es, wenn die Arme beim Greifen leicht gebeugt sind“, sagt Lingott.

Die Patientin löst die Bremse und macht die ersten Schritte auf dem Platz neben der Klinik, dabei schiebt sie den Rollator leicht nach vorn gebeugt. Franziska Lingott macht sie darauf aufmerksam, dass ihre Füße beim Laufen zwischen den beiden hinteren Rädern bleiben müssen. „Dann haben Sie die richtige Körperhaltung und gewinnen dadurch mehr Sicherheit und Stabilität im Rumpf“, sagt sie.

Großer Bedarf

Die Zahl der Menschen, die einen Rollator nutzen, nimmt in einer alternden Gesellschaft stetig zu. Nach Angaben der Veranstalter des Deutschen Rollatortags gab es schon vor zehn Jahren rund zwei Millionen Rollatoren in Deutschland, pro Jahr kommen rund 500.000 hinzu. Wie viele heute tatsächlich im Umlauf sind, ist schwer zu sagen. Verlässliche Zahlen gibt es nicht, auch weil Geräte mittlerweile privat weitergegeben oder im Handel gekauft werden.

Eine stetig steigende Nachfrage bestätigt auch Kordula Bünnenberg, die seit mehr als 20 Jahren in einem Berliner Sanitätshaus arbeitet. Am stärksten nachgefragt werden die Standardmodelle, die die gesetzliche Krankenkasse komplett bezahlt. Sie sind schwerer, oft größer und weniger praktisch als die Modelle, die zuzahlungspflichtig sind. Ab einer Zuzahlung von mindestens rund 200 Euro bekommt man beweglichere Rollatoren, die sich oft leichter zusammenfalten lassen und über eine Ankipphilfe und einen Rückengurt verfügen.

Elke Biesenthal hat sich für das Standardmodell entschieden. Als sie versucht, auf dem Klinikgelände eine kleine Stufe zu überwinden, kommt sie nicht recht voran, der schwere Rollator lässt sich nicht kippen. Lingott zeigt ihr einen Trick und setzt ihren Fuß quer hinter das Rad, um beim Ankippen ein Gegengewicht zu schaffen. Es ließe sich auch die Bremse feststellen oder der Rollator leicht anheben, um das Hindernis zu überwinden. Die Seniorin wiederholt das Ankippen mehrmals, bis es ihr gelingt, die Hürde zu nehmen.

Die Entscheidung, welcher Rollator der richtige ist, ist sehr individuell. Soll er ausschließlich zu Hause genutzt werden oder nach einem Unfall kurzfristig helfen, die Mobilität zurückzugewinnen? Soll er älteren Menschen als täglicher Begleiter bei allen Aktivitäten dienen? Ergotherapeutin Astrid Wendel stellt den Patientinnen und Patienten im Auguste-Viktoria-Klinikum die Rollatoren vor. Dabei muss sie zuweilen auch Überzeugungsarbeit leisten. „Patienten, die schon einmal gestürzt sind, haben manchmal Hemmungen, einen Rollator zu benutzen“, erzählt sie. Andere würden sich schämen. „Ich habe mich mit einer Patientin einmal auf eine Parkbank gesetzt und mit ihr gezählt, wie viele Menschen mit einem Rollator vorbeikamen. Das ist heute ein ganz normales Bild.“

Noch nicht sicher

Elke Biesenthal braucht erst einmal eine Pause vom Training. Sie drückt die Bremsen am Griff hi­nunter, dreht sich langsam und nimmt auf dem Sitz des Rollators Platz. Sie hat nach ihrer Operation zunächst zehn Einheiten Physiotherapie verschrieben bekommen, dann noch einmal fünf weitere. „Die Patientin kann entscheiden, wie viel Zeit wir in der Physiotherapie für das Rollatorentraining verwenden“, erklärt Lingott. Biesenthal braucht noch etwas Zeit. Deshalb hofft sie, dass sie noch eine weitere Verordnung für die Therapie erhält.

Jörg Ciszewski


BEHINDERUNG
Rollator
Zahlt die Krankenkasse auch einen leichten Rollator? Rollator-Modelle, deren Kosten von den Krankenkassen übernommen werden, taugen oft kaum für den Alltag: Meist sind sie zu schwer und unhandlich. Leichte und teurere Rollatoren gibt es in Ausnahmefällen aber auch auf Rezept. | weiter
19.10.2020
BEHINDERUNG
Symbolfoto: Ein Legomännchen im Rollstuhl an den Landungsbrücken in Hamburg
Das neue bundesweit einheitliche Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ will zuverlässige Auskünfte über barrierefreie Reise- und Urlaubsangebote geben. | weiter
12.10.2016 | Annerose Hintzke

Schlagworte Rollator | Tipps | Übungen | Training

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Corona
    Aktuelle Maßnahmen, barrierefreie Texte und Videos sowie unsere Pressemitteilungen zum Thema. | weiter
  • Kampagnen
    Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Kampagnen transportiert der VdK seine Forderungen an die Politik und zeigt immer wieder soziale Missstände auf. | weiter

Rat und Tat | Zahlt die Krankenkasse eine unbekannte Therapie?

Neue Behandlungs- und Untersuchungsmethoden werden nicht immer von der Krankenkasse bezahlt - unter Umständen müssen die Versicherten die Kosten dann selbst tragen. Aber wer entscheidet eigentlich darüber, welche Therapien bezahlt werden? VdK-Rechtsexperte Oliver Sonntag beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Hilfsmittel abgelehnt?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht sowie aktuellen Infos rund um den Sozialverband VdK.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.