25. August 2022
GESUNDHEIT

Post Covid noch unerforscht

Es fehlen erprobte Therapien und Reha-Plätze

Bisher wissen Mediziner zu wenig über das sogenannte Post-Covid-Syndrom. Entsprechend groß sind die Herausforderungen für die Behandlung.

Symvolfoto: Eine Frau mit einer FFP2-Maske sitzt an einem Tisch, hat erschöpft den Kopf an die Hände gelegt
© IMAGO / Rolf Poss

Länger als eine Stunde kann sie sich nicht mehr konzentrieren, nach einfachen Hausarbeiten muss sie sich ausruhen, an längere Spaziergänge ist nicht zu denken: Seit Ruth Steffen* aus Dresden im Frühling an Corona erkrankte, hat sie das Gefühl, wie in einem Käfig zu leben.

„Ich will, aber ich kann vieles nicht mehr.“ Es sei die schlimmste Zeit ihres Lebens, sagt die 43-jährige Mutter von zwei Söhnen im Teenager-Alter, auch weil es so schwer sei, passende Hilfe zu finden. Da in ihrer Region Mediziner fehlen, sucht sie seit März für ihre starken Lungenschmerzen vergeblich einen Facharzt. Dank ihrer Hausärztin hat sie immerhin Ende Juli endlich eine Zusage der Deutschen Rentenversicherung für eine Reha erhalten.

Diffuses Krankheitsbild

Ruth Steffens Symptome sind typisch für eine Post-Covid-Erkrankung, ebenso wie ihre langwierige Suche nach medizinischer Hilfe. Die Ursachen für dieses diffuse Krankheitsbild sind noch weitgehend unerforscht, deshalb gibt es nur wenige erprobte Behandlungs­methoden. Expertinnen und Experten vermuten, das Virus könnte das Immunsystem oder die Durchblutung geschädigt haben.

Im brandenburgischen Seehof gibt es eines der wenigen Reha-­Zentren in Deutschland, die sich auf Post-Covid spezialisiert haben. Dort werden Therapiean­sätze aus verschiedenen Fach­bereichen wie Lungenheilkunde, Kardiologie und Psychologie für die Behandlung von Post-Covid miteinander kombiniert. „Damit erzielen wir die besten Erfolge“, berichtete der ärztliche Direktor Professor Volker Köllner bei einem Werkstatt­gespräch der Deutschen Rentenversicherung im Sommer. Dort wurden erste Studienergebnisse aus der bisherigen Reha-Praxis vorgestellt.

Viele Patientinnen und Patienten von Professor Köhler zeigten sehr unterschiedliche Symptome: sie litten an Herz-, Lungen- und zugleich psychischen Erkrankungen. „Die lassen sich gar nicht nur einem Fachbereich zuordnen.“ In Seehof werden sie mit Lungen- und Ausdauertraining behandelt. Außerdem gibt es psychotherapeutische Ange­bote.

Zu wenig Reha-Plätze

Eine Schwachstelle im Reha-System in Deutschland sei, dass es nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen gibt, sagt Köllner: Für eine Reha mit psychosomatischen Symptomen, wie sie viele Post-Covid-­Erkrankte zeigen, sind es gerade einmal 150.000 verfügbare Plätze pro Jahr. Angesichts von bis 600.000 aktuellen Fällen sind das viel zu wenig.

Bedenklich ist zudem die mittel- und langfristige Prognose für viele Post-Covid-Erkrankte: Einer Studie der Universitätsklinik Lübeck zufolge finden zwar über 80 Prozent der Post-Covid-Erkrankten kurzfristig wieder in den Arbeitsmarkt zurück. Allerdings reichen von ihnen 20 Prozent kurz nach dem Besuch der ersten Reha-Maßnahme einen Antrag auf eine Erwerbsminderungsrente ein.

Professorin Ruth Deck, Leiterin des Fachbereichs Rehabilitation der Universitätsklinik Lübeck, zieht daraus den Schluss, dass eine Reha allein für die meisten Post-Covid-Betroffenen nicht reicht: „Eine langfristige Nachsorge mit entsprechenden Ausdauerkursen und Psychotherapie ist elementar wichtig."

Juf


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