25. August 2022
GESUNDHEIT

Post-Covid: Das lange Leiden nach der Corona-Infektion

VdK führt sozialrechtliche Musterstreitverfahren für Betroffene

Verliert jemand bei einem Arbeitsunfall den Daumen, dann ist der Fall für die Unfallversicherung eindeutig: Es liegt eine Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) zwischen 20 bis 30 Prozent vor. Ganz anders sieht es beim Post-­Covid-Syndrom aus.

Intensivstation mit zwei leeren Krankenhausbetten
© IMAGO / BildFunkMV

Nach einer Corona-Infektion leiden einige Menschen noch ­Wochen später an diffusen Symptomen: Erschöpfungszustände, Atemnot, Wortfindungsstörungen oder Gliederschmerzen. Halten die Beschwerden länger als drei Monate nach der Infektion an, wird das als Post-Covid-Syndrom bezeichnet.

Es ist ein Krankheitsbild, das noch nicht umfassend erforscht und entsprechend von Sozial- und Rentenversicherungen schwer einzuschätzen ist. Mehr als 500.000 der über 29 Millionen Infizierten in Deutschland sollen darunter leiden. Angesichts der hohen Zahl ist Deutschland auf die Langzeitfolgen der Corona-Pandemie nicht gut vorbereitet. Betroffene kämpfen mit Kranken- und Unfallversicherungen. Mal werden Kosten für Heilverfahren nicht übernommen, mal weigern sich Versicherungen, die Ansteckung am Arbeitsplatz als Arbeitsunfall oder als Berufskrankheit anzuerkennen.

Der VdK Deutschland will mit Musterstreitverfahren für mehr Klarheit im Umgang mit der Krankheit sorgen: etwa unter welchen Voraussetzungen eine Ansteckung während der Arbeitszeit als Berufskrankheit oder Arbeitsunfall anerkannt werden kann. Aber auch wann Betroffene eine Verletzten- oder Erwerbsminderungsrente erhalten können.

Rechtssicherheit fehlt

Da sich Post-Covid auf unterschiedliche Organe auswirkt, müssen die medizinischen Begutachtungen von verschiedenen Fachgebieten durchgeführt werden. Das erschwert das Verfahren.

VdK-Präsidentin Verena Bentele ist überzeugt, dass diese Musterstreitverfahren dringend notwendig sind: „Patientinnen und Patienten brauchen Rechtssicherheit. Es muss mehr dauerhafte Anerkennungen als Berufskrankheit oder Arbeitsunfall geben.“

Die Statistiken der Unfallversicherungen zeigen, dass viele Patienten mit Post-Covid aus dem Arbeitsmarkt fallen. Wer in der Pflege arbeitet und sich dort infiziert hat, kann sich seine Erkrankung als Berufskrankheit anerkennen lassen. Bis Juli lagen den Berufsgenossenschaften hierzu rund 330.000 Anträge vor: Von 240.000 entschiedenen Fällen wurden 175.000 als Berufskrankheit anerkannt. Die Betroffenen können nun Verletztenrente beziehen. Wer sich im Büro oder im Kundenkontakt infiziert hat, hat es schwerer, die Langzeitfolgen als Arbeitsunfall anerkennen zu lassen. Bisher gelang dies nur 20.000 von 55.000 Betroffenen.

Einer der Gründe, warum es so schwierig ist, für die Erkrankung eine Rente zu erhalten, sind die fehlenden Erfahrungswerte. Bisher ist die aus Studien gewonnene Datenlage dünn. Noch gibt es keine sogenannten MdE-Tabellen, die die Schwere der Erkrankung festlegen und dabei helfen, die Minderung der Erwerbsfähigkeit zu bestimmen. Bei vielen Versicherten scheitert bislang eine Rentenzahlung daran. Der Sozialverband VdK fordert eine verlässliche Grundlage für die Unfallversicherungsträger und Sozialgerichte: „Mittelfristig brauchen wir eine Verordnung, die das für alle Fälle einheitlich regelt“, sagt Bentele.

Julia Frediani


GESUNDHEIT
Symvolfoto: Eine Frau mit einer FFP2-Maske sitzt an einem Tisch, hat erschöpft den Kopf an die Hände gelegt
Bisher wissen Mediziner zu wenig über das sogenannte Post-Covid-Syndrom. Entsprechend groß sind die Herausforderungen für die Behandlung. Im Artikel kommt eine Betroffene und eine Arzt zu Wort. | weiter
25.08.2022
GESUNDHEIT
Das Bild zeigt eine erschöpfte Frau, die auf dem Bett sitzt, sich den Kopf hält und ein Kissen umklammert.
Ein Teil der Corona-Infizierten leidet noch Wochen und Monate später unter den Folgen der Erkrankung. Erschöpfung, Atemnot oder Konzentrationsstörungen sind typische Symptome. Die Rede ist von Post- oder Long-Covid. | weiter
23.11.2021

Schlagworte Long Covid | Musterstreitverfahren | Krankenversicherung | Berufskrankheit | Berufsunfähigkeit | Erwerbsminderungsrente | Erkrankung | Unfallversicherung

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der Sozialverband VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Kampagnen
    Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Kampagnen transportiert der VdK seine Forderungen an die Politik und zeigt immer wieder soziale Missstände auf. | weiter

Rat und Tat | Zahlt die Krankenkasse eine unbekannte Therapie?

Neue Behandlungs- und Untersuchungsmethoden werden nicht immer von der Krankenkasse bezahlt - unter Umständen müssen die Versicherten die Kosten dann selbst tragen. Aber wer entscheidet eigentlich darüber, welche Therapien bezahlt werden? VdK-Rechtsexperte Oliver Sonntag beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Hilfsmittel abgelehnt?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht sowie aktuellen Infos rund um den Sozialverband VdK.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.