16. Februar 2021
GESUNDHEIT

Arzneimittel gehören nicht ins Klo

Falsche Entsorgung gefährdet Tiere und Umwelt

Eine Toilette von vorn, links daneben ein Klopapierhalter
© unsplash

Der falsche Umgang mit alten Medikamenten ist einer der Gründe dafür, dass in Flüssen, Bächen und Seen stets Spuren von Arzneistoffen zu finden sind. Diese Rückstände können eine Gefahr für Tiere und Pflanzen darstellen und womöglich auch der Umwelt schaden.

Laut dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie gelangen Arzneimittel zu 98 Prozent durch menschliche Ausscheidungen sowie durch falsche Entsorgung – zum Beispiel über die Toilette oder Spüle – ins Abwasser und damit in die Gewässer. Etwa zwei Prozent der Arzneistoffspuren in der Umwelt gehen auf die Herstellung der Medikamente zurück.

Da Kläranlagen nicht alle Sub­stanzen, die im Abwasser enthalten sind, vollständig zurückhalten oder filtern können, werden Gewässer und Böden mit geringen Mengen von Medikamentenwirkstoffen belastet. „Ein Risiko für die menschliche Gesundheit besteht nach derzeitigem Wissensstand zwar nicht, da die gemessenen Konzentrationen der Arzneimittel-­Wirkstoffe in der Umwelt unterhalb der therapeutischen Dosen oder der maximal zulässigen Rückstandsmengen für Tierarzneimittel in tierischen Nahrungsmittelprodukten liegen. Für die Umwelt ist dies jedoch keine Entwarnung“, teilt das Bundesumweltministerium mit.

Auch im Trinkwasser sind Spuren von Arzneimitteln zu finden, darunter Schmerzmittel, Fettsenker oder Röntgenkontrastmittel. „Die Konzentration liegt allerdings weit unterhalb der therapeutischen Dosis“, betont Dr. Claudia Thierbach, Fachgebietsleiterin Arzneimittel, Wasch- und Reinigungsmittel beim Umweltbundesamt in Dessau. Die nachgewiesenen Mengen seien hundert bis eine Million Mal niedriger als die verschriebene Tagesdosis. Bedeutet also: keine Gefahr!

Anders sieht es für manche Wasserlebewesen aus. Hier gibt es in Laborversuchen bestätigte nega­tive Effekte. Zum Beispiel führen Spuren des Schmerzmittels Diclofenac bei Regenbogenforellen zu Schädigungen innerer Organe. Rückstände von Antidepressiva können das Fressverhalten von Fischen verändern oder die Kaulquappenentwicklung beim Leopardfrosch stören. Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen werden vor allem auch Antibiotika und Hormonen zugeschrieben.

Ab in die Tonne?

Um die Gewässer vor einer zunehmenden Belastung mit Arzneimittel-Rückständen zu schützen, ist es notwendig, dass Menschen aufhören, Reste von Medikamenten über Toilette, Abfluss oder Spüle zu beseitigen. Die richtige Entsorgung von Arzneimitteln ist im Prinzip einfach, wird aber – je nach Kommune – unterschiedlich geregelt: Vielerorts können Medikamente über die Restmülltonne entsorgt werden, in einigen Städten und Gemeinden dagegen nur über Schadstoffmobile oder Recycling­höfe. Genaue Informationen darüber, welche Regelung am jeweiligen Wohnort gilt, gibt es unter www.arzneimittelentsorgung.de

mib

Schlagworte Gesundheit | Medikamente | Arzneimittel | Entsorgung

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