31. März 2021
FAMILIE

Wer lesen kann, hat Superkräfte

Schon früh brauchen Kinder einen Zugang zur Literatur, fordert die Stiftung Lesen

Viele deutsche Kinderbücher
© pixabay

In Deutschland können nicht alle Kinder lesen oder haben den gleichen Zugang zu Büchern. Das möchte die Stiftung Lesen ändern. Die gemeinnützige Organisation setzt sich schon lange für dieses Ziel ein, etwa mit Kampagnen.

Wie viel Unterstützung der Nachwuchs hierzulande braucht, macht Franziska Hedrich von der Stiftung Lesen deutlich: „Drei Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland erhalten keine angemessene Leseförderung. Entweder, weil ihnen nicht vorgelesen wird, oder, weil sie beim Lesenlernen nicht unterstützt werden.“ Die Stiftung Lesen und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels haben deshalb einen gemeinsamen „Nationalen Lesepakt“ geschlossen. Das Motto der Kampagne: „Lesen – eine wahre Superkraft“. Schirmherrin der Kampagne ist Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.

Schere öffnet sich weiter

Hat die Corona-Pandemie Familien zurückgeworfen? Franziska Hedrich befürchtet, dass sich die Bildungsschere weiter öffnen könnte. „Kinder und Jugendliche, die auf ihrem Bildungsweg wenig Unterstützung erhalten, könnten den Anschluss verlieren. Denn durch die Kita- und Schulschließungen fehlen Impulse, die in normalen Zeiten für einen Lernausgleich sorgen.“ Hinzu komme, dass manche Eltern ihre Kinder im Homeschooling nicht unterstützen können. „In Verbindung mit dem fehlenden Lese- und Deutsch­unterricht sind so womöglich Defizite entstanden, die sich nur mit Mühe wieder aufholen lassen“, schätzt die Expertin.

In der JIM-Studie 2020 wurden Zwölf- bis 19-Jährige befragt, wie viel sie im ersten Corona-Jahr gelesen haben. Das Ergebnis: Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Elternhäusern, die schon zuvor nicht gelesen haben, griffen nicht ein einziges Mal zum Buch. Wer hingegen zu den Leseratten gehörte, hat in der Pandemie-Zeit mehr geschmökert: Wie aus der Studie hervorgeht, war die tägliche Lesedauer unter den Jugendlichen um etwa 20 Minuten gestiegen.

Doch wie kann man Kinder und Jugendliche aus lesefernen Umgebungen in Corona-Zeiten erreichen? „Wir haben gleich zu Beginn des ersten Lockdowns unsere Serviceseite www.stiftunglesen.de/aktionen/vorlesen-corona ins Leben gerufen. Dort bieten wir Familien, Lehr- und Kitakräften Buch- und App-Empfehlungen sowie Spiel-, Bastel- und Rätsel­ideen.“ Das Angebot sei so gut angenommen worden, dass im zweiten Lockdown neue Ideen nachgeliefert wurden. Außerdem sei der digitale Vorleseservice www.einfachvorlesen.de ausgebaut worden. Ob die Angebote, die zum Lesen motivieren sollen, auch von den bildungsfernen Familien abgerufen werden, wird allerdings nicht erhoben, räumt die Sprecherin ein.

Früh fördern ist wichtig

Wichtig sei vor allem, dass die Leseförderung früh beginnt: „Etwa ein Drittel der Familien mit kleinen Kindern lesen nicht oder selten“, bedauert die Expertin. Den Auftakt des nationalen Lesepakts bildete der Lese-Summit am 3. März. Bei dem digitalen Gipfeltreffen, moderiert von Marietta Slomka, tauschten sich Politiker, Bildungsforscher und andere Experten aus. Zudem wurden Vorzeigeprojekte präsentiert. Mehr Infos unter https://nationaler-lesepakt.de.

Elisabeth Antritter

Schlagworte Bildung | Lesen | Vorlesen | Kinder

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der Sozialverband VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Verena Benteles Lichtblicke
    Die neue Tagebuch-Kolumne der VdK-Präsidentin. Positiv und persönlich: Mit ihrer Kolumne 'Verenas Lichtblick' will sie Leserinnen und Lesern, auch in Zeiten von Corona, Hoffnung machen. | weiter
    30.03.2020

Familien brauchen finanzielle Gewissheit.

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Das Bild zeigt einen Bildschirm, auf dem Googlemail geöffnet ist
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.