Sozialverband VdK Deutschland e.V.
21. Juni 2022
BEHINDERUNG

Negative Entwicklung im Behindertensport: Bewegungsmangel nimmt zu

Durch die Corona-Pandemie betreiben immer weniger Menschen mit Behinderung Sport. Die Vereine meldeten auch für das vergangene Jahr deutliche Mitgliederrückgänge.

Eine Frau im Fitnessstudio, man sieht nur ihre Beine, davon eins mit einer Prothese. Sie trainiert an einem Fitnessgerät.
© IMAGO / Panthermedia

Erste Berechnungen für 2021 zeigen, dass der Behindertensport erneut überproportional von den Corona-Folgen betroffen ist. Schätzungen gehen von einem weiteren Rückgang von bis zu zehn Prozent aus. Diese besorgniserregende Entwicklung stellte der Deutsche Behindertensportverband (DBS) im Sportausschuss des Deutschen Bundestags vor.

Bereits 2017 haben den Angaben zufolge mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Menschen mit Behinderung in Deutschland keinen Sport betrieben. 2020 folgte das erste Corona-Jahr mit einem drastischen Mitgliederrückgang, und dieser Trend setzte sich leider fort.

„Deutschland wieder in Bewegung versetzen“ lautet das Ziel einer gemeinsamen Erklärung des Deutschen Behindertensportverbands, des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und des Deutschen Fußball-Bunds (DFB). „Die Pandemie wirkt wie ein Brennglas und wirft uns in unseren Bemühungen für Teilhabe und Inklusion im Sport um Jahre zurück“, betonte DBS-Vizepräsidentin Katrin Kunert im Sportausschuss. „Ziel muss es sein, mehr Menschen mit Behinderung für den Sport zu begeistern.“ Sie plädiert für Förderungsprogramme in verschiedenen Bereichen. „Wir müssen das Ehrenamt stärken und die Digitalisierung vorantreiben, insbesondere im Aus- und Fortbildungsbereich.“ Mehr wohnortnahe Angebote, mehr barrierefreie Sportstätten sowie mehr Übungsleiterinnen und Übungsleiter seien ebenso notwendig wie Vereine, die sich für Menschen mit Behinderung öffnen, sagte Kunert.

Rehasport hilft

DBS-Vizepräsidentin Vera Jaron sieht im breiten Angebot des Rehabilitationssports auch Chancen für Menschen, die unter den Langzeitfolgen einer Covid-Erkrankung (Long-Covid) leiden. Für Symptome wie Luftnot, chronische Erschöpfung, Schwindel oder Konzentrationsschwäche gebe es entsprechende Übungen aus dem Rehasport, die den Menschen helfen. Die betreuenden Ärztinnen und Ärzte können Betroffene an entsprechende Rehabilitationssportgruppen verweisen.

Um die Potenziale des Rehabilitationssports bestmöglich auszuschöpfen und den großen Bedarf an Informationen zu decken, hat der Deutsche Behindertensportverband bereits verschiedene Online-Schulungen entwickelt.

Infos zu Rehasport im Internet:

www.dbs-npc.de/rehabilitationssport.html

hei


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