9. April 2021
BEHINDERUNG

Inklusiv ins Weltall

Europäische Weltraumorganisation ESA startet eigene Astronauten-Ausschreibung für Menschen mit Behinderung

Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt sollen Menschen mit Behinderung zu Astronautinnen und Astronauten ausgebildet werden. Das Bewerbungsverfahren startet jetzt, und am Ende einer Machbarkeitsstudie könnte eine Weltraummission stehen.

Ein Astronaut im Weltall
© unsplash

Die Vorfreude auf dieses neue Auswahlverfahren ist Dagmar Boos anzumerken. Die gebürtige Württembergerin, die bei der ESA das Zentrum für Personalkompetenz und -politik leitet, erläutert, wie die Europäische Weltraum­organisation neue Kandidatinnen und Kandidaten für künftige Missionen auswählt und gezielt Menschen mit Behinderung anspricht.

Pionier/-in gesucht

„Wir sind die Ersten, die diesen Schritt gehen“, sagt Dagmar Boos im Gespräch mit der VdK-Zeitung. „Und wir sind sehr zuversichtlich, Menschen zu finden, die wir zu Astronauten ausbilden können.“ Es müsse jemand sein, der bereit ist, als Pionierin oder Pionier seine Grenzen auszutesten. Idealerweise werde es am Ende dieses eigenen Auswahlverfahrens mindestens eine Person geben, die in nicht allzu ferner Zukunft ins Weltall fliegen könnte.

Die Suche nach einem Menschen mit körperlicher Behinderung ist Teil des selbst gesteckten Ziels, diverser zu werden. So möchte die ESA bei dieser ersten Ausschreibung seit 2008 auch mehr Frauen motivieren, sich zu bewerben. Und in der gesamten Organisation soll der Frauen- sowie der Anteil von Beschäftigten mit Behinderung deutlich erhöht werden, beispielsweise durch neue Arbeitsplätze für Menschen mit Sehbehinderung.

Bei der Suche nach künftigen Astronauten mit körperlicher Behinderung betritt die ESA Neuland und hat daher „mehr Fragen als Antworten“, wie Dagmar Boos erläutert. Im sehr aufwendigen Bewerbungsverfahren, das sich über mehr als ein Jahr hinzieht, und in der anschließenden Machbarkeitsstudie werden sich erst viele der Fragen klären, sagt sie.

Im Vorfeld hat sich die ESA auf drei Behinderungen festgelegt, mit denen man sich für das Astronautenprogramm bewerben kann: Kleinwüchsigkeit, Amputation unterhalb des Kniegelenks und unterschiedlich lange Beine. Ansonsten gelten alle Anforderungen wie für die andere Astronauten-Ausschreibung. So ist eine gewisse Sehstärke nötig, allerdings können sich auch Brillenträger bewerben.

Sehr gutes Hörvermögen dagegen ist eine Grundvoraussetzung: Denn As­tronauten müssen trotz des Lärms in der Raketenkapsel Anweisungen aus der Kommandozentrale genau verstehen. Und auch funktionsfähige Hände und Arme sind zwingend notwendig, um sich beispielsweise selbst aus der Kapsel in die Weltraumstation ziehen zu können. „Ziel ist es, eine vollwertige Astronautin oder einen vollwertigen Astronauten zu finden, keinen Para-Astronauten“, wie Dagmar Boos betont.

Wer das Bewerbungsverfahren mit Anschreiben, Assessment Center, medizinischen Untersuchungen sowie psychologischen Tests erfolgreich bewältigt, kann es in die Astronauten-Reserve schaffen. Man ist dann noch nicht fest bei der ESA, nimmt aber regelmäßig an Schulungen teil. Im Auswahlverfahren bei den Menschen ohne Behinderung kann man auch gleich in das Astronautenteam aufgenommen werden, mit einjährigem Basis­training und mehrjährigem Missionstraining.

Bei der vergangenen Ausschreibung hat die ESA aus mehr als 8000 Bewerbungen fünf Männer und eine Frau fürs Astronautenteam ausgewählt. Dieses Mal soll das Team diverser werden. Wann es zum ersten Weltraumflug eines Menschen mit Behinderung kommt, steht noch in den Sternen. Ziel ist es, wie Dagmar Boos erläutert, dass jede Person, die zum As­tronauten ausgebildet wird, bis zum Ruhestand zwei Missionen absolviert.

Sebastian Heise

Infos zur Bewerbung: www.esa.int/YourWayToSpace

Schlagworte Menschen mit Behinderung | Berufsleben | Beruf

  • Sozialrecht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie hier alles rund um die Themen Rente, Alterssicherung und unsere rentenpolitischen Forderungen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen ein. Lesen Sie mehr zu Inklusion, Behindertenpolitik und Barrierefreiheit. | weiter
  • Pflege
    Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. Lesen Sie hier mehr zum Thema Pflegepolitik, pflegende Angehörige, häusliche Pflege und Pflegeleistungen. | weiter
  • Gesundheit
    Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das an den Bedarfen der Menschen ausgerichtet ist. Lesen Sie mehr zu Gesundheitspolitik, Prävention, Gesundheitsleistungen, Hilfsmitteln und Versorgung. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Rund 15,3 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht - das ist fast jeder Fünfte! Der Sozialverband VdK kämpft für soziale Gerechtigkeit und setzt sich gegen die fortschreitende soziale Spaltung ein. | weiter
  • Frauen
    Frauen erhalten 49 Prozent weniger Einkommen und 53 Prozent weniger Rente als Männer. Der Sozialverband VdK setzt sich für mehr Gerechtigkeit für Frauen ein, kämpft für Gleichberechtigung und Gleichstellung. | weiter
  • Familie
    Wir brauchen Verlässlichkeit für Familien. Der VdK setzt sich unter anderem für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein, für familiengerechte Arbeitszeiten, den Ausbau der Kinderbetreuung und für ein Rückkehrrecht in Vollzeit. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Verena Benteles Lichtblicke
    Die neue Tagebuch-Kolumne der VdK-Präsidentin. Positiv und persönlich: Mit ihrer Kolumne 'Verenas Lichtblick' will sie Leserinnen und Lesern, auch in Zeiten von Corona, Hoffnung machen. | weiter
    30.03.2020

Zu wenig Erwerbsminderungsrente?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Das Bild zeigt einen Bildschirm, auf dem Googlemail geöffnet ist
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.