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Soziale Kontakte: Nicht sein eigenes Süppchen kochen

Viele Menschen leben im Alter allein und haben nur noch eine oder gar keine feste Bezugsperson. Die Gründe dafür sind vielfältig: der Tod des Partners, Kinder, die weggezogen sind, oder eine Krankheit. Doch allein zu leben, heißt nicht zwangsläufig einsam zu sein. 

© Unsplash

Familie, ein großer Freundeskreis, Kollegen: Was für Jüngere zum Alltag gehört, ist für Ältere nicht mehr selbstverständlich. Die sozialen Kontakte werden weniger. Jeder Fünfte fürchtet sich laut einer Umfrage davor, im Alter einsam zu sein. Doch Einsamkeit ist kein unabwendbares Schicksal - auch in Zeiten von Corona gibt es viele Möglichkeiten, sich mit anderen auszutauschen.

Grundsätzlich ist zwischen Alleinsein und Einsamkeit zu unterscheiden. Alleinsein empfinden viele Menschen als angenehm. Sie genießen die Ruhe und Zeit für sich. Einsamkeit hingegen kann sehr belastend sein. Psychologen unterscheiden zwischen emotionaler und sozialer Einsamkeit.

Umfeld bricht weg

„Im ersten Fall steht der Selbstbezug im Vordergrund“, erklärt Professor Hans-Werner Wahl, Experte für psychologische Alternsforschung an der Universität Heidelberg. Bei der sozialen Einsamkeit hingegen fühlen sich die Menschen nicht mehr als Teil des Alltagsgeschehens. Das soziale Umfeld bricht weg. Was bleibt, ist das Gefühl, nicht mehr dazuzugehören.

„Beide Arten entwickeln sich unabhängig voneinander“, erklärt Wahl und nennt als Beispiel den 75-Jährigen, der seit dem Tod seiner Ehefrau extrem trauert, sich sehr einsam fühlt und deshalb keinen rechten Sinn mehr im Leben sieht. Und dennoch ist dieser Mann keineswegs sozial einsam, sondern im Verein aktiv, organisiert den Ausflug der Wandergruppe, hält regen Kontakt zu den Kindern und Enkeln. „Seine Chancen, nach der Phase der Trauer und Einsamkeit wieder Spaß am Leben zu finden, stehen gut“, so der Experte.

Neue Kontakte knüpfen

„Einsamkeit gibt es nicht nur bei älteren Menschen“, betont Wahl. Das sei ein Klischee, das so einfach nicht mehr stimme. Das Alleinsein begünstige in jedem Alter das Gefühl der Einsamkeit. „Viele sind verschämt einsam“, sagt Wahl. Sie reden nicht über ihre Gefühle. Den Verlust sozialer Bindungen empfinden sie als Makel. Das Vertrauen in andere Menschen schwindet zunehmend. Einsame Menschen kapseln sich oft immer stärker ab. Damit wird ein richtiger Teufelskreis in Gang gesetzt. Die Fähigkeit, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, sich auf die Probleme anderer einzustellen und neue Freundschaften zu schließen, schwindet. „Viele verlernen im Laufe der Zeit, in einer Gruppe unverbindlich zu plaudern, den sogenannten Small Talk zu machen“, sagt Wahl. Diese soziale Übung aber sei wichtig zur Anbahnung von neuen Kontakten.

Doch während es jüngeren Menschen leichter fällt, neue soziale Beziehungen zu knüpfen, wird es mit zunehmendem Alter schwieriger. Egal, wie alt man ist: Es lohnt sich, auf Menschen zuzugehen. Denn ein Leben ohne chronische Einsamkeit ist nicht nur schöner, sondern auch gesünder, wie die Forschung zeigt. Einsamkeit sorgt für Depressionen, ist schlecht für den Blutdruck, mindert die Schlafqualität, erhöht das Infarktrisiko und begünstigt die Alzheimerkrankheit. Forscher stellten fest: Einsamkeit ist genauso schädlich wie der Konsum von 15 Zigaretten am Tag und doppelt so schädlich wie Übergewicht. 

Tipps

Über gemeinsame Hobbys ist es leichter, mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.

  • Hundebesitzer lernen beim Gassigehen schnell andere Zwei- und Vierbeiner kennen.
  • Wer gern strickt oder andere Handarbeiten macht, sollte in einem Freizeittreff nach bestehenden Gruppen fragen.
  • Generell lohnt es sich, sich im Bürgerbüro der Stadtverwaltung zu erkundigen. Dort gibt es einen Überblick über Vereine und andere Angebote.
  • Das Gute liegt manchmal so nah. Die allein lebende Nachbarin freut sich vielleicht über eine Einladung zum Kaffeetrinken.

ikl

Schlagworte soziale Kontakt | Freunde | Bekannte | Alter | Nachbarn | Gemeinschaft | Bezugspersonen | Partner | Leben im Alter | Einsamkeit | allein | Umfeld

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