19. Juni 2019
Themen

Es gibt zu wenig Personal in Kliniken

Pflegepersonal-Stärkungsgesetz regelt zwar Untergrenzen, das Kernproblem bleibt jedoch bestehen

Genug Personal auf den Stationen in Krankenhäusern, wo es besonders nötig gebraucht wird: Damit wollte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Pflegenotstand lindern. Doch profitieren Patienten in Krankenhäusern von dem Pflegepersonal-Stärkungsgesetz, das Anfang dieses Jahres in Kraft getreten ist?

Symbolfoto: eine Krankenschwester bereitet eine ältere Patientin, die im Krankenhausbett liegt, auf eine Blutabnahme vor.
In Krankenhäusern gibt es immer noch zu wenig Personal für die Pflege von Patienten. | © imago images/Science Photo Library

Die neue Pflegepersonaluntergrenze regelt, um wie viele Patienten sich eine Pflegekraft im Krankenhaus höchstens kümmern darf. Diese Mindestbesetzung gilt nur in sogenannten pflegeintensiven Bereichen. Dazu zählen die Intensiv- und Unfallmedizin, die Kardiologie und die Geriatrie. Für eine kardiologische Station bedeutet das beispielsweise, dass eine Pflegekraft in der Tagschicht zwölf und in der Nachtschicht höchstens 24 Patienten betreuen darf.

Mehr Bürokratie

„Die Belastung der Mitarbeiter hat sich durch die Untergrenzen nicht verringert“, schätzt Peer Köpf, stellvertretender Geschäftsführer des Dezernats Personalwesen und Krankenhausorganisation der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ein. Die festgelegten Pflegepersonaluntergrenzen könnten deshalb nur eine vorübergehende Maßnahme sein, um problematische Unterbesetzungen zu identifizieren und gegenzusteuern. Zudem habe sich durch die neue Regelung die Bürokratie erhöht. Das bedeutet, dass zusätzliches Personal teilweise damit beschäftigt sei, zu dokumentieren und nicht explizit dem Patienten in der Pflege zugutekommt. „Wir brauchen ein wirksames Instrument, das den realen Pflegebedarf in Kliniken bemisst“, so Köpf. Dabei müssten auch Besonderheiten des jeweiligen Krankenhauses einfließen.

Für den Sozialverband VdK steht fest: Untergrenzen, die nur für ausgewählte Bereiche gelten, führen nicht zu mehr Personal, sondern zu Personalverschiebungen. Damit setze man falsche Anreize, statt die Patientensicherheit als Maßstab zu nehmen. Zudem führen Untergrenzen dazu, dass möglicherweise auf eine bessere Personalausstattung verzichtet wird. Ohne die zeitnahe Einführung eines verpflichtenden und am Pflegebedarf des Patienten ausgerichteten Pflegepersonalbemessungs-Instruments werde die Pflegekrise in den Krankenhäusern auch künftig nicht gelöst werden können.

Die Rückmeldungen aus Kliniken, die bei der DKG eingegangen sind, bestätigt diese erste Einschätzung: zu viel Bürokratie, zu wenig Entlastung des Personals, kaum spürbare Verbesserungen für Patienten. Ein positives Beispiel kann der DKG-Experte Köpf aus der Praxis nennen: Einige Krankenhäuser stellen derzeit eine zusätzliche Kraft für die Nachtwache ein, auf die zwei Stationen zugreifen können. Bisher gibt es pro Station eine Krankenschwester oder einen Krankenpfleger für die Nachtschicht. Durch die Aufstockung gebe es eine gewisse Entlastung und mehr Sicherheit für das Personal und letztendlich auch für die Patienten. Wenn es in der Nacht beispielsweise zu mehreren Komplikationen kommt, könnten sich nun zwei Fachkräfte darum kümmern.

Grenzen kontrollieren

Wie wird in der Praxis sichergestellt, dass die Untergrenzen für Personal eingehalten werden? Die Krankenhäuser müssen für die einzelnen Monate Durchschnittswerte der Personalbesetzung ermitteln und dabei zwischen verschiedenen Stationen und Schichten differenzieren. Unabhängige Wirtschaftsprüfer kontrollieren, ob die Untergrenzen eingehalten werden. Krankenhäuser, die sich nicht an diese Vorgaben halten, müssen Vergütungsabschläge hinnehmen.


Plötzlich ins Krankenhaus – wer macht den Haushalt?

Wenn durch eine Erkrankung oder einen Unfall derjenige Elternteil ausfällt, der sich um den Haushalt kümmert, geht ohne Unterstützung von außen nichts mehr. In solchen Fällen kann eine Haushaltshilfe bei der Krankenkasse beantragt werden. Sie steht auch auch Alleinstehenden oder Älteren zu, die nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus vorübergehend mit dem Haushalt überfordert sind.

ikl

Schlagworte Pflegepersonaluntergrenze | Pflegekräfte | Krankenhaus | Pflegepersonal-Stärkungsgesetz

  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie, was wir verändern wollen und wie wir uns eine Reform der Rente vorstellen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für Gleichberechtigung von Menschen mit und ohne Behinderung ein. Lesen Sie hier unsere Positionen zu Teilhabe, Inklusion und Behindertenpolitik. | weiter
  • Pflege
    Knapp 2,9 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. | weiter
  • Gesundheit
    Gesundheit muss für alle Menschen bezahlbar sein und bleiben. Lesen Sie hier unsere Forderungen und Positionen zur Gesundheitspolitik. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Über 16 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut und Ausgrenzung bedroht. Lesen Sie hier die Forderungen des VdK zum Thema soziale Gerechtigkeit. | weiter
  • Frauen
    Von Armut sind besonders häufig Frauen betroffen. Was aus Sicht des VdK getan werden muss, lesen Sie hier. | weiter
  • Familie
    Der VdK setzt sich für Familien ein. Unsere Forderungen zur Familienpolitik finden Sie hier. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Recht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Verena Benteles Lichtblicke
    Die neue Tagebuch-Kolumne der VdK-Präsidentin. Positiv und persönlich: Mit ihrer Kolumne 'Verenas Lichtblick' will sie Leserinnen und Lesern, auch in Zeiten von Corona, Hoffnung machen. | weiter
    30.03.2020

Pflege viel zu teuer?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.

Presse
Das Bild zeigt einen Bildschirm, auf dem Googlemail geöffnet ist
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.