27. November 2017
Themen

Teilhabe darf kein Fremdwort sein

VdK fordert für Menschen mit Behinderung volle Gleichstellung in allen Lebensbereichen

Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember ruft der Sozialverband VdK dazu auf, die Inklusion in allen Lebensbereichen voranzutreiben, um ein selbstverständliches Miteinander zu ermöglichen.

Überall und selbstverständlich miteinander unterwegs sein - ein Beispiel für Inklusion. | © Copyright: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Mit dem von der letzten Bundesregierung verabschiedeten Bundesteilhabegesetz sind einige Fortschritte in der Behindertenpolitik erzielt worden. „Dennoch ist Teilhabe in Deutschland vielerorts immer noch ein Fremdwort“, kritisiert VdK-Präsidentin Ulrike Mascher. Für die kommende Bundesregierung sieht der Sozialverband VdK deshalb großen Handlungsbedarf.

Private Anbieter müssen zur Barrierefreiheit verpflichtet werden

Ein wichtiger Punkt ist die Verpflichtung zur Barrierefreiheit nicht nur für den staatlichen Bereich, sondern auch für private Anbieter von Gütern und Dienstleistungen, also beispielsweise für Ärzte, Einzelhändler, Taxiunternehmer oder Gastwirte. „Menschen mit Behinderung werden aktuell in vielen Bereichen von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen. Bisher wurde hier auf Freiwilligkeit gesetzt, aber das funktioniert nicht“, erklärt VdK-Präsidentin Mascher. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz müsse deshalb überarbeitet werden, damit auch private Anbieter mit klaren Vorgaben zur Barrierefreiheit verpflichtet sind.

Verbesserungen beim Bundesteilhabegesetz notwendig

Beim Bundesteilhabegesetz sind nach Auffassung des Sozialverbands VdK ebenfalls Nachbesserungen nötig. Das Recht auf die freie Wahl des Wohnorts darf nicht aus Kostengründen infrage gestellt werden. Auch Menschen mit schweren Behinderungen wollen selbstbestimmt in der eigenen Wohnung leben. Die dafür notwendige finanzielle Unterstützung ist sicherzustellen, so die VdK-Forderung. Um selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, müsste es jedoch auch deutlich mehr barrierefreie Wohnungen geben. „Dies käme auch der wachsenden Zahl von Älteren zugute, damit diese selbst mit körperlichen Einschränkungen weiterhin ohne Hilfe leben können“, erklärt Mascher. Sie fordert, das Programm „Altersgerecht umbauen“ der KfW-Förderbank deutlich aufzustocken. Die Nachfrage war 2017 so hoch, dass die Mittel bereits zur Jahresmitte ausgeschöpft waren.

Schulische Inklusion vorantreiben

Großen Nachholbedarf sieht der Sozialverband VdK bei der schulischen Inklusion. „Derzeit wachsen Kinder mit und ohne Behinderung in regelrechten Parallelwelten auf“, kritisiert Mascher. Eine verbindliche Gesamtstrategie für inklusive Bildung, wie sie die UN-Behindertenrechtskonvention zur Umsetzung dieses Rechtsanspruchs von Deutschland einfordert, ist immer noch nicht in Sicht. Ob Eltern vor Ort gemeinsame Schulen für Kinder mit und ohne Behinderung vorfinden, ist in vielen Bundesländern reiner Zufall.

Mangelhafte Inklusion auf deutschem Arbeitsmarkt

Die mangelhafte Inklusion setzt sich in der Arbeitswelt fort. Von den 156.000 deutschen Arbeitgebern, die verpflichtet sind, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen, zahlen fast 100.000 die Ausgleichsabgabe, weil sie die Beschäftigtenquote nicht erfüllen. Der Sozialverband VdK fordert gezielte Programme, um viel mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Behinderung in Festanstellungen zu vermitteln oder deren Arbeitsplätze nach Unfall oder Erkrankung im Betrieb zu erhalten.

Lesen Sie mehr:

Themen
Symbolfoto: Ein Mann im Rollstuhl steht am Fuß einer Treppe
Um umfassende Barrierefreiheit in Deutschland zu erreichen, müssen auch private Anbieter von Produkten und Dienstleistungen dazu verpflichtet werden. | weiter
01.11.2017 | ikl

Kurswechsel jetzt!
Symbolfoto: Junger Mann im Rollstuhl steht am Fuß einer Treppe
Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet Deutschland, das gleichberechtigte Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung umzusetzen. | weiter

Soziale Spaltung stoppen! - Behinderung

Die aktuellen Forderungen des VdK für einen Kurswechsel in der Behindertenpolitik: Behinderung darf kein Nachteil sein!
Dieses Video mit Untertiteln anschauen

bsc

Schlagworte Behinderung | Inklusion | Teilhabe | Bundesteilhabegesetz | Barrierefreiheit

  • Rente
    Der VdK will die Rente zukunftssicher machen und Altersarmut verhindern. Lesen Sie, was wir verändern wollen und wie wir uns eine Reform der Rente vorstellen. | weiter
  • Behinderung
    Der VdK setzt sich für Gleichberechtigung von Menschen mit und ohne Behinderung ein. Lesen Sie hier unsere Positionen zu Teilhabe, Inklusion und Behindertenpolitik. | weiter
  • Pflege
    Knapp 2,9 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Wir finden: Die Situation Pflegebedürftiger und Pflegender muss sich dringend verbessern. | weiter
  • Gesundheit
    Gesundheit muss für alle Menschen bezahlbar sein und bleiben. Lesen Sie hier unsere Forderungen und Positionen zur Gesundheitspolitik. | weiter
  • Soziale Gerechtigkeit
    Über 16 Millionen Menschen sind in Deutschland von Armut und Ausgrenzung bedroht. Lesen Sie hier die Forderungen des VdK zum Thema soziale Gerechtigkeit. | weiter
  • Frauen
    Von Armut sind besonders häufig Frauen betroffen. Was aus Sicht des VdK getan werden muss, lesen Sie hier. | weiter
  • Familie
    Der VdK setzt sich für Familien ein. Unsere Forderungen zur Familienpolitik finden Sie hier. | weiter
  • Reha
    Krankheit, Unfall, Klinikaufenthalt: Die Rehabilitation setzt dort an, wo die Selbstbestimmung eines Menschen gefährdet ist. | weiter
  • Ratgeber Recht
    Ob Rente, Gesundheit und Pflege, Teilhabe und Behinderung, Leben im Alter oder soziale Sicherung: Der Sozialverband VdK ist für seine Mitglieder ein kompetenter Ratgeber und Helfer in allen sozialrechtlichen Belangen. | weiter
  • Verena Benteles Lichtblicke
    Die neue Tagebuch-Kolumne der VdK-Präsidentin. Positiv und persönlich: Mit ihrer Kolumne 'Verenas Lichtblick' will sie Leserinnen und Lesern, auch in Zeiten von Corona, Hoffnung machen. | weiter
    30.03.2020

Zu wenig Erwerbsminderungsrente?

Wir sagen Ihnen, was Ihnen laut Sozialrecht zusteht und kämpfen für Ihr Recht. Bundesweit. Jetzt Beratung vereinbaren!

Der VdK
Eine Frau gibt einer anderen Frau zur Begrüßung die Hand. Sie stehen am Eingang eines Gebäudes mit der Aufschrift "VdK Service Point"
Finden Sie mit der Beratungsstellen-Suche die nächste Rechtsberatungsstelle des Sozialverbands VdK - auch in Ihrer Nähe!
Der VdK
Symbolfoto: Zwei Frauen und ein Mann ziehen gemeinsam an einem Seil, an dessen Ende auch jemand zieht.
Wir machen uns stark für soziale Gerechtigkeit. Wir vertreten Ihre sozialpolitischen Interessen und kämpfen für Ihre Rechte. Unsere Stärke: Unabhängigkeit und Neutralität.
Presse
Das Bild zeigt einen Bildschirm, auf dem Googlemail geöffnet ist
Abonnieren Sie unseren Newsletter mit Informationen zu Sozialpolitik und Sozialrecht.

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.