1. März 2017
Themen

Weltfrauentag – Wie steht es um die Gleichberechtigung?

Drei VdK-Powerfrauen nehmen die Gesellschaft und die Errungenschaften in Sozial- und Familienpolitik unter die Lupe

Am 8. März ist Weltfrauentag – der perfekte Anlass für die VdK-Zeitung, um bei erfahrenen Frauen im Sozialverband nachzuhaken, wie es in Deutschland um die Gleichberechtigung steht. Antworten darauf geben die Präsidentin des VdK Deutschland, Ulrike Mascher, VdK-Vizepräsidentin Carin E. Hinsinger sowie Bundesbehindertenbeauftragte und Mitglied im Landesvorstand des VdK Bayern, Verena Bentele.

VdK-Zeitung: Frau Mascher, ehrenamtlich engagierte VdK-Frauen prägen das Verbandsleben von Anfang an. Wie lautet Ihr persönliches Lob?

VdK-Präsidentin Ulrike Mascher
Ulrike Mascher | © Peter Himsel

Ulrike Mascher: Die Gründungsfrauen des VdK haben angepackt und sich für ihre Rechte, beispielsweise bei der Kriegsopferversorgung, engagiert und zusammen mit vielen anderen Betroffenen auch etwas erreicht. Bei den Frauen, die heute ehrenamtlich im VdK aktiv sind, steht ebenfalls der Zusammenhalt und die gegenseitige praktische Hilfe im Vordergrund. Aber auch der Einsatz für Verbesserungen im Sozialrecht, zum Beispiel bei der Mütterrente, ist ihnen eine Herzensangelegenheit.

VdK-Zeitung: Was waren echte politische Meilensteine?

Mascher: Ein richtig großer, erster Schritt war 1949 mit dem Artikel 3 im Grundgesetz getan: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“, durchgesetzt von Elisabeth Selbert aus Hessen mit der Unterstützung von tausenden Frauen, die waschkörbeweise Briefe an den Parlamentarischen Rat schickten, der das Grundgesetz vorbereitete. Bis dieser Grundgesetzartikel, vor allem im Familien- und Arbeitsrecht, umgesetzt wurde, dauerte es Jahrzehnte.

VdK-Zeitung: Was ist für Frauen heute selbstverständlich?

Mascher: Einen Beruf auszuüben und Kinder zu haben. Es ist freilich auch heute noch eine Herausforderung, Familie und Beruf zu meistern, aber Frauen müssen sich nicht mehr dafür rechtfertigen, wenn sie beides wollen.

VdK-Zeitung: Welche Note würden Sie dem Status Quo geben?

Mascher: Note 2 bis 3 mit der Gefahr des Abrutschens. Denn Gleichberechtigung erhält sich nicht von selbst.

VdK-Zeitung: Frau Hinsinger, die Frauenzeitschrift „Emma“ von Alice Schwarzer feierte kürzlich ihren 40. Geburtstag. Wie haben Frauen damals ihre Rechte erkämpft?

Carin E. Hinsinger: Diese Generation forderte Gleichberechtigung mit lautem Protest und konnte damit viel erreichen. Die Frauenbewegung hat unsere Gesellschaft mitgestaltet. Doch auch heute geht es für Bürgerinnen um Gleichbehandlung. Es gibt immer noch offene Baustellen, etwa die unzureichende Existenzsicherung in der Arbeitswelt und im Rentenalter. Frauen dürfen auf keinen Fall nachlassen mit ihren Forderungen.

VdK-Zeitung: Was können Männer zur Gleichberechtigung beitragen?

Hinsinger: In fast allen gesellschaftlichen Bereichen sind Frauen nicht ihrem Anteil an der Bevölkerung entsprechend vertreten. Da können Männer die Frauen unterstützen. Beim Thema Elternzeit ist ja schon ein großer Schritt getan.

VdK-Zeitung: Und welche Note geben Sie dem Status Quo?

Hinsinger: Note 3. Es muss noch vieles geschehen, beispielsweise bei den Gehaltsunterschieden. Frauen bekommen in der Altersgruppe der 35- bis 55-Jährigen 22 Prozent weniger Lohn als Männer.

VdK-Zeitung: Frau Bentele, fühlen Sie sich Ihren männlichen Kollegen in der Politik gleichberechtigt?

Das Portraitfoto zeigt Verena Bentele
Verena Bentele | © Foto: Henning Schlacht

Verena Bentele: Als Frau muss ich mehr leisten, weil mir weniger zugetraut wird. Ich habe stark, kompetent, schlagfertig und sachlich zu sein, um mich durchsetzen zu können. Männer arbeiten nur dann auf Augenhöhe mit Frauen, wenn diese möglichst viele Eigenschaften verkörpern, die angeblich „männlich“ sind. Ich finde es interessant, dass beispielsweise Frauen in Führungspositionen oder wichtigen Ämtern ein eher männlicher Dresscode vorgegeben wird. Mir hat jedenfalls noch niemand empfohlen, ein buntes Rüschenkleid zu einer wichtigen Besprechung anzuziehen.

VdK-Zeitung: Was möchten Sie jungen Frauen mit auf den Weg geben?

Bentele: Frauen sollten sich mehr zutrauen und sagen „Ja, ich schaffe das“, auch wenn sie diese Aufgabe vielleicht zum ersten Mal übernehmen. Ich rate ihnen auch, sich Netzwerke zu schaffen und sich gegenseitig solidarisch zu fördern. Heute ist es außerdem immer noch häufig so, dass die Familienarbeit zu großen Teilen von den Müttern übernommen wird, auch wenn beide Partner berufstätig sind. Junge Frauen sollten daher von ihren Partnern mehr einfordern.

VdK-Zeitung: Wie schätzen Sie den Status Quo ein?

Bentele: Meine Note: eine 2 minus. In Deutschland kann ich als Frau selbstbestimmt leben. Das ist in vielen Regionen der Erde nicht so. Doch leider machen hier Frauen und Mädchen mit Behinderung oft Gewalterfahrungen: Jede Dritte wird in ihrem Leben Opfer körperlicher oder seelischer Gewalt. Davor müssen wir sie schützen.

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Schlagworte Frauen | Gleichberechtigung | Weltfrauentag | Frauen im VdK | Verena Bentele | Ulrike Mascher | Carin Hinsinger

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