27. Januar 2017
Themen

Zahnbehandlung für viele unbezahlbar

Sozialverband VdK setzt sich für eine sozial gerechte Gesundheitspolitik ein

Immer mehr Menschen verzichten aus finanziellen Gründen auf den Zahnarztbesuch. Denn die Kosten für Zahnersatz steigen weiter an. Das zeigt, wie sich eine sozial ungerechte Gesundheitspolitik konkret auswirkt, kritisiert der Sozialverband VdK.

Zahnersatz ist für viele Patienten zu teuer. | © imago/Jochen Tack

Der Zustand der Zähne als Indiz der Einkommenshöhe – durchaus realistisch nach aktuellen Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums. Demnach zahlten private Haushalte in Deutschland im Jahr 2005 für Zahnersatz rund 2,62 Milliarden Euro zusätzlich zu den von den Krankenkassen übernommenen Kosten. 2010 waren es schon 3,02 Milliarden und 2014 (aktuellere Zahlen liegen nicht vor) sogar 3,14 Milliarden Euro. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf eine Stellungnahme der Bundesregierung. Gleichzeitig verzichten immer mehr Menschen auf den Zahnarztbesuch und damit auf die oft notwendige Zahnsanierung.

Laut der Haushaltsbefragung des Statistischen Bundesamts geben knapp die Hälfte derjenigen, die nicht zum Zahnarzt gehen, finanzielle Gründe an. Auch eine Zahnzusatzversicherung, die teilweise die Kosten übernehmen würde, kann sich nicht jeder leisten. Schlechte Zähne sind aber weit mehr als ein ästhetisches Problem, warnen Mediziner. So führen beispielsweise unbehandelte Entzündungen im Mundraum nicht nur zu Zahnverlust, sondern erhöhen das Risiko für Diabetes- und Herzerkrankungen.

Doch die hohen Eigenanteile bei Zahnersatzbehandlungen führen wohl dazu, dass immer mehr Menschen ganz und gar auf den Zahnarztbesuch verzichten. Der VdK fordert, dass die Regelversorgung an den aktuellen medizinischen Standard angepasst wird. Menschen mit geringem Einkommen müssen ohne Eigenanteil einen festsitzenden Zahnersatz erhalten.

Armut macht krank

Hohe private Zahnersatzkosten sind nur ein Beispiel für die insgesamt steigende Belastung der Versicherten. „Viele Ältere mit kleinen Renten verzichten aus Kostengründen auf die Anschaffung einer neuen Brille, eines Hörgeräts oder orthopädischer Schuhe. Damit steigen aber andere Risiken, zum Beispiel die Sturzgefahr. Das zeigt, dass Armut krank macht. Außerdem nimmt die soziale Isolation zu. Wer keine ordentlichen Schuhe hat, geht nicht aus dem Haus“, kritisiert VdK-Präsidentin Ulrike Mascher.

Das „Abkassieren“ bei Hilfsmitteln müsse deshalb beendet werden. Zurzeit werden alle Kostensteigerungen im Gesundheitswesen ungedeckelt als Zusatzbeiträge auf die Versicherten abgewälzt, während der Arbeitgeberbeitrag eingefroren bleibt. „Wir müssen zurück zur paritätischen Finanzierung der Krankenversicherung. Es kann nicht sein, dass Arbeitgeber auf Dauer außen vor bleiben“, stellt Mascher klar.


VdK-TV: Hilfsmittel - Warum es dringend einer Gesetzesinitiative bedarf

In Deutschland ist die Entwicklung im Hilfsmittelsektor sehr weit fortgeschritten. Für fast jede Behinderung oder Krankheit gibt es inzwischen das passende Hilfsmittel. Entscheidend ist aber, dass die Menschen auch zum richtigen Zeitpunkt das richtige Hilfsmittel verordnet und dann auch genehmigt und geliefert bekommen. Bisher fehlt es jedoch an ausreichenden Qualitätskontrollen und einer unabhängigen Beratung für den Patienten.

bsc

Schlagworte Zahnersatz | Zahnarzt | Kosten | Armut | Einkommen | Zahnersatzkosten | Hilfsmittel | Gesundheitspolitik

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