28. November 2016
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Wieder auf die Beine kommen - Ältere brauchen nach Grippe und Co. länger

Ob nach einer Grippe, einer Blasenentzündung oder einer Angina: Ältere Menschen brauchen mehr Zeit, um sich zu erholen und wieder richtig gesund zu werden. Das ist völlig normal, weil der Körper ab einem bestimmten Alter weniger Reserven hat. Hinzu kommt, dass Ältere oft mit mehreren Krankheiten oder altersbedingten Beschwerden zurechtkommen müssen.

Symbolfoto: Ältere Frau liegt mit Grippe im Bett, um den Hals einen Schal
Ältere Menschen sollten sich nach einer Grippe nicht überfordern. | © imago/imagebroker/begsteiger

„Drei Tage kommt er, drei Tage steht er, drei Tage geht er.“ Diese Volksweisheit in Bezug auf die Dauer eines Schnupfens mag zwar manchmal stimmen, aber nicht jedes Wehwehchen ist so leicht und problemlos überstanden. Erst recht nicht, wenn man die 60 oder 70 schon überschritten hat. Die Abwehrkräfte werden mit zunehmendem Alter schwächer. Das Immunsystem Älterer produziert weniger Abwehrzellen, sodass zahlreiche Erreger eher zu Erkrankungen führen und diese schwerer verlaufen. „Mit zunehmendem Alter reagiert der Körper daher empfindlicher auf Krankheitserreger“, erklärt Dr. Thomas Hermens, Hausarzt mit Schwerpunkt Geriatrie aus Wesel in Nordrhein-Westfalen.

So leistet das Immunsystem bei einer Erkältung Schwerstarbeit, um die eindringenden Viren zu bekämpfen. Auch nach einer überstandenen Grippe ist noch längst nicht wieder Ruhe in den Körper eingekehrt. Ob in Bronchien, Blase oder Darm: Überall laufen Reparatur- und Regenerationsvorgänge ab. Das ist vergleichbar mit Aufräumarbeiten nach einem Sturm oder Hochwasser, die viel Energie kosten. Umso mehr, als der ältere Körper weniger Reserven zur Verfügung hat. Einschränkungen werden deshalb schneller sicht- und spürbar. „Um eine Infektion wirklich zu überwinden, können schon mal mehrere Wochen vergehen, mit oder ohne Antibiotika“, so der Hausarzt aus Wesel. Deshalb sollten empfohlene Impfungen nicht vergessen werden.

Wenn sich ältere Menschen nach einer Erkältung lange Zeit schwach fühlen, sei das erst mal völlig normal. Doch deshalb nur im Bett liegen zu bleiben, sei grundverkehrt. Untersuchungen zeigen, dass über 75-Jährige in zehn Tagen bis zu 1,5 Kilogramm Muskelmasse abbauen. Sobald es geht, sollte man raus aus dem Bett, auch wenn es noch so schwer fällt. „Sich zum Essen an den Tisch zu setzen, ist schon ein Anfang“, rät Dr. Hermens seinen Patienten in so einem Fall.

Darüber hinaus schwächt langes Liegen auch die Atemmuskulatur. Je flacher der Atem, desto weniger füllen sich die Lungen mit sauerstoffreicher Luft. „Sobald der Kranke sicherer auf den Beinen ist, fördern kurze Spaziergänge an der frischen Luft den Prozess des Gesundwerdens“, sagt der Mediziner. Wichtig für die Genesung ist auch die richtige Ernährung. Experten raten, sich über den Tag verteilt ausgewogen zu ernähren. Manchmal muss man sich auch zum Essen zwingen, weil der Appetit durch Medikamente oder die Symptome einer Grippe herabgesetzt ist. Das wichtigste Gebot lautet deshalb: sich Zeit nehmen und sich nicht überfordern. Falscher Ehrgeiz ist hier fehl am Platz.

ikl

Schlagworte Senioren | Krankheit | Grippe | Alter | Gesundheit | Genesung

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