23. Juni 2016
Themen

Das Smartphone ist in aller Hände

Immer mehr Menschen fühlen sich ohne ihr Handy unvollständig und unwohl

In der U-Bahn, auf der Straße, am Esstisch: Das Smartphone ist allgegenwärtig, immer und überall im Einsatz. Nur zum Telefonieren dient das mobile Gerät kaum noch jemandem. Inzwischen ist es Telefon, Kamera, Computer, Navigationsgerät, Wecker, Zeitung und Spielzeug in einem. Verena Weigand vom Vorstand der Stiftung Medienpädagogik in Bayern erklärt, ab wann der Gebrauch einer Sucht gleichkommt.

Nicht ohne mein Smartphone: Wessen Gedanken ständig ums Handy kreisen, gilt als exzessiver Nutzer. | © Imago/Westend61

Von „exzessiver Nutzung“ sprechen Experten, wenn sich eine gewisse Abhängigkeit vom Smartphone abzeichnet. Denn als offizielle Sucht ist diese nicht anerkannt und ausreichend erforscht. Gemeint ist im Grunde dasselbe: Wessen Gedanken stetig ums Handy und dessen Anwendungen kreisen, auch wenn er es nicht bedient, gilt als exzessiver Nutzer. Ein weiteres Merkmal: „Wenn jemand den Impuls nicht mehr unter Kontrolle hat, aufs Handy zu schauen, auch wenn er weiß, er soll es in diesem Moment nicht“, sagt Verena Weigand. „Dieses Verhalten kann Leistungsabfall in Schule oder Arbeit, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsstörungen oder erhöhte Reizbarkeit zur Folge haben.“

Spätestens dann sollten die Alarmglocken läuten. Bei Kindern und Jugendlichen sieht Verena Weigand die Eltern in der Pflicht, die Handy-Nutzung konsequent zu regeln. Erwachsene müssten ihr Verhalten selbst ändern wollen. „Sonst funktioniert es nicht“, erklärt sie. Wenn der Wille da ist, gibt es einen Weg: „Ich rate dazu, den Gebrauch schrittweise zu reduzieren und bewusst für ein paar Stunden das Handy nicht in die Hand zu nehmen. Man kann es zum Beispiel wegsperren. Je höher die Hürden, desto mehr denke ich darüber nach, ob ich das Gerät nun wirklich dringend brauche.“

Selbst gemachter Druck

Ob Nachrichten schreiben, soziale Netzwerke speisen, fotografieren oder spielen: Viele Anwendungen begünstigen eine exzessive Nutzung. Handy-Spiele etwa, die im Hintergrund weiterlaufen, auch wenn man nicht aktiv ist, bauen besonders großen Druck auf. „Dann hat der Nutzer dauernd im Kopf, dass seine Mitspieler aufgerüstet, Schlachten geschlagen oder neue Ressourcen geschaffen haben könnten.“

Gibt es heute auch einen gesellschaftlichen und sozialen Druck, immer und überall erreichbar zu sein? „Bei Kindern und Jugendlichen mag das der Fall sein, dass der subjektive Druck zur Konvention wird“, sagt Verena Weigand. „Bei Erwachsenen ist dieser Druck meist selbst gemacht. Es ist eine Frage des Selbstbewusstseins, ob man das Gefühl hat, immer erreichbar sein zu müssen oder nicht.“ Der Rat der Medienpädagogin: Die neue Technik mit Maß und Verstand verwenden und seine eigenen Fähigkeiten nicht vergessen. Nur so kann man aufs „individuelle Backup“ zurückgreifen, wenn die Technik mal nicht funktioniert. Immer gut: eine kleine Handy-Auszeit. Beim Konzert zum Beispiel nicht mitfilmen, damit das mediale Erlebnis für die Zukunft gesichert ist, sondern den Moment genießen.

cam

Schlagworte Handy | Smartphone | Sucht | Erreichbarkeit | Auszeit

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