23. Juni 2016
Themen

Hilfsmittel: Die Qualität muss Vorrang haben

VdK fordert umfassende Verbesserungen bei der Versorgung mit Hilfsmitteln

Kaum ein anderer Bereich im deutschen Gesundheitssystem ist so problematisch wie der der Hilfsmittel. Immer öfter lehnen Krankenkassen Anträge ab oder verweisen auf günstigere, aber untaugliche Produkte. Die Beratung lässt zu wünschen übrig, und das System von Festbeträgen und Vertragspreisen der Kassen ist kaum zu durchschauen. Der VdK fordert daher mehr Qualität, Wahlmöglichkeiten, Transparenz und eine unabhängige Beratung.

Da es oft Schwierigkeiten mit der individuellen Anpassung eines Hilfsmittels gibt, fordert der VdK, dass beispielsweise ein Rollstuhl erst dann bezahlt wird, wenn er auch wirklich auf den Fahrer angepasst ist. | © imago/McPHOTO

Zu den Hilfsmitteln zählen Rollatoren, Rollstühle, Hörgeräte, aber auch Inkontinenzprodukte. Viele Menschen, die aufgrund einer Erkrankung oder Behinderung auf diese Produkte angewiesen sind, haben Schwierigkeiten mit ihrer Krankenkasse und suchen Hilfe beim VdK. Zu Problemen kommt es beispielsweise, wenn der Patient statt des Kassenmodells einen teureren Rollstuhl gekauft hat. Fällt eine Reparatur an, verweigern Kassen häufig die Kostenübernahme oder eine Kostenbeteiligung. „Die Krankenkasse trägt Verantwortung dafür, dass der Patient gut versorgt wird“, sagt Dr. Ines Verspohl, Gesundheitsreferentin beim Sozialverband VdK Deutschland. Weil aber derzeit vieles schief läuft, fordert der VdK eine umfassende Verbesserung bei der Versorgung mit Hilfsmitteln.

Veraltete Produkte ersetzen

So begrüßt der VdK, dass das Hilfsmittelverzeichnis für Inkontinenzprodukte, das seit 23 Jahren nicht mehr aktualisiert worden war, nun auf den neuesten Stand gebracht wurde. „Das war unbedingt notwendig und muss fortgeführt werden“, betont Verspohl. „Wenn es neuere, bessere Produkte gibt, müssen die veralteten durch sie ersetzt werden.“

Der VdK spricht sich dafür aus, dass die Qualität eines Hilfsmittels und die angemessene Versorgung des Patienten im Mittelpunkt stehen. Bisher hatten die Krankenkassen Versorgerverträge geschlossen, den Zuschlag erhielt der jeweils günstigste Anbieter. An diesen ist der Patient auch gebunden, wenn er ein qualitativ höherwertiges Hilfsmittel möchte. „Es besteht eine stillschweigende Übereinkunft zwischen den Kassen und den Versorgern, dass der Patient aufzahlen muss“, kritisiert Verspohl. Sie wünscht sich zudem Wahlmöglichkeiten zwischen Hilfsmitteln, die ohne Aufzahlung erhältlich sind.

Eine große Schwachstelle bei der Versorgung mit Hilfsmitteln ist die Beratung. „Wir fordern eine unabhängige Beratung, damit das Hilfsmittel zum Patienten und seinem Alltag passt und auch wirklich hilft“, betont Verspohl.

Derzeit ist weitgehend unbekannt, wie hoch die Aufzahlungen bei den einzelnen Krankenkassen sind, die die Patienten für Hilfsmittel leisten müssen. Hier wünscht sich der VdK Transparenz, „damit man sich für eine gute und nicht nur günstige Krankenkasse entscheiden kann“, so Verspohl.

Auch die Politik hat die Notwendigkeit für eine Reform erkannt. Noch vor der Sommerpause will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe einen Gesetzentwurf vorlegen. Die Abstimmung im Bundestag soll im Herbst erfolgen.

ali

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