18. September 2018
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Farbe und Licht sind für Demenzkranke wichtig

Kleine Veränderungen können es Betroffenen erleichtern, sich in der eigenen Wohnung zurechtzufinden

Derzeit leben in Deutschland etwa zwei von drei Demenzkranken in den eigenen vier Wänden. Wie alle anderen auch, wollen sie so lange wie möglich in ihrem vertrauten Umfeld bleiben. Schon kleine Änderungen in der Wohnung können helfen, dass sich Demenzkranke wohlfühlen und zurechtfinden.

Symbolfoto: Ein Mann streicht eine Wand mit gelber Farbe an.
Helle, warme Farben tun Menschen mit Demenz gut, starke Muster können sie irritieren. | © imago/Norbert Schmidt

Die eigene Wohnung ist für viele alte Menschen ein Ort, mit dem sie jahrzehntelange Erinnerungen verbinden. Erhalten sie die Diagnose Demenz, kommt zum Schock über die Krankheit oft eine Sorge hinzu: „Muss ich jetzt umziehen?“

Die Erfahrung zeigt jedoch: Viele Menschen im frühen Stadium der Alzheimerkrankheit oder einer anderen Form der Demenz finden sich noch jahrelang in der gewohnten Umgebung zurecht. Doch je mehr das Gedächtnis eines demenzkranken Menschen nachlässt, desto mehr Unterstützung braucht er. Aufgrund der fortschreitenden Veränderungen im Gehirn sind diese Menschen häufig unruhig und leicht überfordert. Deshalb sollte in der Wohnung nichts zusätzlich verunsichern, sondern alles Geborgenheit und ein Gefühl von Aufgehobensein vermitteln.

Alzheimer: Auch auf die Farbgestaltung kommt es an

Das fängt schon bei der Farbgestaltung an. Nicht umsonst sind die Wände in Alters- und Pflegeheimen häufig in einem zarten Gelb gestrichen. Knallige Farben, starke Muster oder strukturierte Fußböden können Demente zusätzlich verwirren. „Die Wellenlängen der gelben und roten Farbe sprechen das Langzeitgedächtnis an. Daraus resultiert auch, dass Mischfarben aus Gelb und Rot als sehr angenehm empfunden werden“, erläutert Architektin und Autorin Monika Holfeld. Blaue Töne würden oft nur noch als Grau wahrgenommen.

Deshalb sollten die Räume generell in warmen und hellen Tönen gehalten werden. Für Räume und Flure könnten jeweils unterschiedliche Farben gewählt werden. Das helfe Erkrankten dabei, sich leichter zurechtzufinden.

„Jede Gestaltung eines Raums muss individuell erfolgen“, so die Expertin. Faktoren wie Raumgröße, natürliches Licht und Lichteinfall sollten beachtet werden. Grundsätzlich gehe es darum, die Umwelt an die veränderten Bedingungen des dementen Menschen anzupassen, um ihm das Leben zu erleichtern. Was für gesunde Menschen völlig normal sei, könne bei einem Demenzkranken schon eine Krise auslösen. „So werden Einlegearbeiten im Fußboden oder plötzliche Farbunterschiede der Teppichböden zu einem unüberwindbaren Hindernis“, erklärt Monika Holfeld. Einfarbige Flächen seien deshalb generell zu empfehlen.

Wichtig bei Demenz: Die Raum-Beleuchtung

Eine indirekte und schattenfreie Raumbeleuchtung (500 Lux in Augenhöhe) beuge zudem optischen Halluzinationen vor, die vor allem bei Einbruch der Dunkelheit manche Kranken erheblich verunsichern. Eine optimale Beleuchtung diene zudem als äußerer Zeitgeber, der den Schlaf-Wach-Rhythmus normalisiert, die Stimmung aufhellt und beruhigt. Warme Pastellfarben verstärken damit den Effekt einer guten Beleuchtung.

Spiegelnde und damit blendende Oberflächen verwirren besonders nachts und erzeugen unnötig Ängste. Auf Spiegel sollte generell verzichtet werden, da Menschen mit Demenz das eigene Spiegelbild nicht mehr erkennen können.

Aufgrund des oft enormen Bewegungsdrangs kann es passieren, dass demente Menschen die Wohnung verlassen, aber nicht mehr zurückfinden. Deshalb sollte der Wohnungseingang von innen kaschiert werden, zum Beispiel in der Farbe der Wand gestrichen sein. Somit ist die Eingangstür vom Wohnraum her gesehen untergeordnet und wird nicht gleich wahrgenommen. Ebenfalls ist es möglich, in diesem Bereich das Licht zu dimmen. Denn Demenzkranke meiden den Gang ins Dunkle.

„Sicherheit für Betroffene und Angehörige ist das wichtigste Ziel. Leben mit Demenz ist auch im eigenen Zuhause möglich“, so Monika Holfeld. Besonders Angehörige machen sich Sorgen, dass die Dementen die Wohnung überschwemmen, die Herdplatte vergessen oder weglaufen. Bereits durch einfache Kindersicherungen, Orientierungshilfen und den Abbau von Barrieren könne die Sicherheit erhöht werden.

Info: Der Welt-Alzheimertag am 21. September steht in diesem Jahr unter dem Motto „Demenz – dabei und mittendrin“. An diesem Tag geht es mit Aktionen und Veranstaltungen darum, auf die Situation der 1,5 Millionen Demenzkranken und ihrer Familien hinzuweisen. Mehr Informationen zum Aktionstag unter www.deutsche-alzheimer.de/termine/welt-alzheimertag.html

Tipps:

Flur

  • vorteilhaft ist eine Ausleuchtung in den Ecken
  • überflüssige Möbel beseitigen und Stolperstellen entfernen

Küche

  • übersichtliche Schränke mit Glastüren, die den Inhalt erkennen lassen oder bildliche Darstellung des Inhalts an den Schränken
  • Kochherd mit Platten wirkt für die meisten weniger fremd als ein Ceran- oder Induktionskochfeld
  • Reinigungsmittel entfernen, da sie mit Trinkflaschen verwechselt werden könnten

Bad

  • Haltegriffe sorgen für mehr Sicherheit
  • Füllstandsmelder für Badewanne und Waschbecken anbringen, Thermostat-Armaturen in Dusche und Badewanne verhindern ein Verbrühen
  • farbiger Toilettensitz wird besser erkannt

Wohnzimmer

  • Lieblingssessel in Fensternähe platzieren
  • vertraute Bilder, Fotos und andere persönliche Gegenstände in Sichtweite aufstellen
  • Fernseher entfernen, da demente Menschen nicht mehr mit Technik vertraut sind und der Bildschirm Ängste auslösen kann

Schlafzimmer

  • Bett sollte genügend Bewegungsfläche auf beiden Seiten bieten
  • Ablagemöglichkeiten in unmittelbarer Nähe des Bettes sind wichtig, ebenso eine Lichtquelle

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Viele VdK-Mitglieder üben ein Ehrenamt aus. So auch Irene Eckstein: Als ihr Mann an Demenz erkrankte, begann sie sich ehrenamtlich zum Thema zu engagieren. Die Selbsthilfe- und Betreuungsgruppe „Atempause“ war geboren.

ikl

Schlagworte Demenz | Alzheimer | Wohnen | Gestaltung | Farbe | Licht | zuhause | Tipps | Wohnraum | Demenzwoche

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