Demenzkranken die Corona-Krise erklären

Einhaltung von Hygienemaßnahmen und Verhaltensregeln ist eine Herausforderung – Was Angehörige tun können

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Die Corona-Pandemie verunsichert viele Menschen. Vor allem für Demenzkranke sind die neuen Hygienemaßnahmen und Verhaltensregeln nur schwer zu verstehen. Marion Langhorst von der Deutschen Alzheimergesellschaft erklärt, wie man einem demenzkranken Angehörigen in der Corona-­Krise helfen kann.

Langhorst berät am Alzheimer-­Telefon. Seit März steht es kaum mehr still. Viele Anrufer sind in Sorge um ihre Angehörigen. Wer jemanden zu Hause pflegt oder sich um jemanden kümmert, der in seiner eigenen Wohnung lebt, hat Angst, den Demenzkranken anzustecken. Andere Anrufer haben einen Angehörigen im Pflegeheim und machen sich Gedanken, ob er sie noch erkennt und was sie für ihn tun können. Die meisten wollen aber wissen, wie man dem Demenzkranken diese Krise verständlich machen kann.

„Wenn möglich, sollte man dem Betroffenen die Situation erklären“, sagt Langhorst. „Das kommt natürlich auf die Persönlichkeit des Demenzkranken und auf das Stadium seiner Erkrankung an.“ Ist er eher ängstlich oder hat mit Krankheiten schlechte Erfahrungen gemacht, empfiehlt es sich, wenig zu erzählen, um ihn nicht zu beunruhigen. Doch generell sollte man die Krise ansprechen und möglichst in kurzen, verständlichen Sätzen erklären. Wie zum Beispiel: „Wir sollen jetzt vorsichtiger sein. Wir sollen unsere Hände öfter waschen. Und wir sollen einen Mundschutz tragen.“ Diese Sätze sollte man immer wiederholen, denn oft braucht es einige Zeit, bis der Erkrankte den Inhalt verstanden und verinnerlicht hat.

Demenzkranke nehmen sich nicht als gefährdete Personen wahr. Deshalb ist es wichtig, sie zur Hygiene anzuleiten und beispielsweise zum regelmäßigen Händewaschen zu animieren. Der Gebrauch von Atemschutzmasken kann Probleme bereiten. „Man sollte es immer wieder probieren“, rät Langhorst. Sollte die Maske nicht angenommen werden, könne man auch einen Schal verwenden.

Gilt die Maskenpflicht?

Es gibt aber auch Betroffene, die das Aufsetzen der Maske komplett verweigern oder vergessen. „Für Demenzkranke ist das Tragen einer Maske aufgrund ihrer gesundheitlichen und psychischen Einschränkungen nicht zumutbar“, erklärt die Expertin. Sie können von der Maskenpflicht befreit werden. Ein Attest vom Arzt oder ein Verständniskärtchen der Alzheimergesellschaft, auf dem steht „Ich habe Demenz“, kann helfen, dass beispielsweise beim Einkaufen keine Probleme entstehen.

Besonders schwierig ist es, einem Demenzkranken beizubringen, dass er Abstand halten soll. „Menschen, die zuvor schon körperliche Nähe gesucht haben, werden das auch weiterhin tun“, so Marion Langhorst. Nicht mehr das Haus zu verlassen, ist für sie aber keine Option: „Bewegung ist gut, gerade wenn der Demenzkranke sehr unruhig ist.“ Sie empfiehlt, Zeiten auszusuchen, in denen nicht so viel los ist, und auf andere Routen auszuweichen.

Auch in der häuslichen Pflege kann es zu Problemen kommen, wenn der Pflegende seine Atemschutzmaske aufsetzt, um den Demenzkranken zu schützen. Die Vermummung kann als bedrohlich empfunden werden. Hier ist es hilfreich, wenn der Pflegende vor den Augen des Pflegebedürftigen die Maske anlegt und in einfachen Sätzen erklärt, warum er das tut. Schwierigkeiten bereitet Demenzkranken auch, dass sie einen Großteil des Gesichts nicht sehen können. „Menschen mit Demenz sind auf der emotionalen Ebene noch gut erreichbar“, so die Expertin. Damit sie Gefühle besser wahrnehmen können, rät Langhorst, die Augen stärker in die Mimik einzubeziehen und den Gesichtsausdruck länger zu halten. „Das kann helfen, dass sie erkennen, was hinter der Maske vorgeht.“

Ähnlich sollte man vorgehen, wenn man einen demenzkranken Angehörigen nach längerer Pause zum ersten Mal wieder im Pflegeheim besucht. Auch wenn Maskenpflicht besteht, rät die Expertin, die Maske in sicherer Distanz einmal kurz abzusetzen, damit der Pflegebedürftige das Gesicht erkennen kann. Dabei sollte man schweigen. Zur Begrüßung empfiehlt sie, den eigenen Namen zu nennen und dem anderen Zeit zu lassen, damit er sich erinnert. Auch die Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert. So könne man beispielsweise sagen: „Ich bin’s, deine Tochter Silvia. Ich freue mich so sehr, dich wiederzusehen.“

Annette Liebmann

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