Verenas Lichtblick am 17.07.20

Von Einzelhandelsumsätzen, der Kanzlerin und dem Kronprinzen und warum Frauen die Herrenausstatter retten müssen, davon handelt die heutige Kolumne der VdK-Präsidentin Verena Bentele.


Liebes Tagebuch,

"Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an ..." nach diesen ersten Worten denken sicher viele an den Schlager von Udo Jürgens. Am heutigen Freitag wird unsere Bundeskanzlerin 66 Jahre und anders als im Schlager behauptet, kommt ihr Leben sicher nicht erst jetzt in Schwung. Im Gegenteil, sie hat derzeit wenig Zeit für neue Hobbies. Ganz anders sieht es da bei vielen Menschen allen Alters im Land aus: Sie haben in den letzten Monaten das gute alte Puzzle für sich entdeckt. Die Verkaufszahlen schossen um 59 Prozent in die Höhe. Daher können wir davon ausgehen, dass auf vielen Küchentischen derzeit nicht nur gegessen wird, sondern drei Viertel des Tischs nehmen wahrscheinlich wahlweise unfertige Landschaftsaufnahmen, Tierfotografien oder die Skyline von New York ein.

Noch populärer als Puzzles ist übrigens noch, sich mit ausreichend Sanitätsartikeln einzudecken. Mit einem Umsatzplus von 70 Prozent frage ich mich immer wieder, wo die vielen Duschgel-Flaschen oder literweise Putzmittel aufbewahrt werden. Deutlich weniger gefragt ist dagegen der gute alte Anzug: Die Herren kaufen derzeit um 74 Prozent weniger Anzüge als in den Jahren zuvor.

Das mag auch an den mangelnden Gelegenheiten liegen, sich in Schale zu schmeißen. So werden längst nicht nur berufliche Abendtermine durch schnöde Telefonkonferenzen ersetzt. Auch Geburtstage, und da sind wir wieder bei Frau Dr. Merkel, können nur im kleinen Rahmen oder im ganz großen Saal gefeiert werden, geschützt vor den derzeitigen Regenmassen. Aber mal ehrlich, wer kann sich schon so große Säle wie auf Schloss Herrenchiemsee für schicke Fotos mit der Kanzlerin leisten außer Bayerns Ministerpräsident Markus Söder?

Umso schöner, dass wir derzeit so viel Kreativität für Konferenzen via Telefon oder Video, vor Bücherregalen oder virtuellen Hintergründen entwickeln. Mit Spannung warte ich darauf, was davon Eingang in das geplante Gesetz für ein Recht auf Homeoffice findet.

Kreativ ist auch die Idee eines schwimmenden Kinos: Um den Pariserinnen und Parisern das Abstandhalten und Maske tragen zu versüßen, wird am 18. Juli ein Kino auf dem Wasser eröffnet. Auf einem künstlichen Wasserbecken werden kleine Elektroboote installiert, von denen aus man auf einer Leinwand am Ufer ein Freiluftkino genießen kann. Zusätzlich sollen 180 Liegestühle am gegenüberliegenden Ufer aufgebaut werden. Alle Plätze werden verlost und sollen nichts kosten.

Vielleicht sollten das auch unsere Städte am Rhein, der Elbe und auf dem Neckar umsetzen ... für einen Sommer, in dem auch die Verkaufszahlen für ausländische Reiseführer deutlich zurückgegangen sind. Was nicht weiter verwundert: Es machen ja jetzt alle Urlaub in Deutschland.

Meine Herausforderung des Tages:

Mehr Videokonferenzen als Besprechungen per Telefon abhalten und dabei mein neues Herrensakko auftragen. Eine muss ja die Herrenschneider retten!

Verena Bentele

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