Verenas Lichtblick am 12.06.2020

Was die Stechuhr in Zeiten von Corona, Kinderparlamente und Rinderrouladen gemeinsam haben, das erfahrt ihr heute in der wöchentlichen Kolumne der VdK-Präsidentin Verena Bentele.


Liebes Tagesbuch,

ein ungewohntes Bild bot sich in den vergangenen Wochen im Deutschen Bundestag: Es herrscht „Schichtbetrieb“. Um genügend Abstand zu halten, kamen die Abgeordneten zeitversetzt ins Parlament. Gut, dass die Zeiten der Stechuhr vorbei sind. Das Gedränge am Stechkartenregal beim Buchstaben M will ich mir gar nicht vorstellen, tragen doch alleine sechs Mitglieder des Bundestags den Nachnamen Müller, aber ich schweife ab.

Für die Bundestagsabgeordneten im Schichtbetrieb gilt auch, was in vielen Betrieben gilt: Telefonkonferenzen mit dem Smartphone waren und sind wichtiger denn je, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen und sich auf das Tagesgeschäft vorzubereiten. Außerdem lässt sich nebenbei eine WhatsApp-Nachricht verschicken an die Bundestagsfrühschicht, um zu klären, ob die Rouladen oder der Schweinsbraten heute die erste Wahl sind in der Kantine.

Das liebe Smartphone – es kann ein Segen sein, fast jede und jeder hat ja auch eins. Für Eltern sind die Dinger natürlich auch ein Fluch. Wenn der Nachwuchs nur auf dem Handy daddelt oder den ganzen Tag YouTube-Videos anschaut, bleibt Müttern und Vätern nur ein Ausweg: Radikaler Entzug, Gerät abschalten und einkassieren. Eine drastischer pädagogischer Schritt, aber oft das einzig probate Mittel, was natürlich oft nicht ohne Tränen abgeht.

Kinder in Wien haben jetzt das Glück, sich auch ohne Smartphone beschäftigen zu können: Das erste "Kinderparlament" nimmt in der Hauptstadt Österreichs seine Arbeit auf. „Abgeordnet“ werden die jüngsten Bürgerinnen und Bürger für eine altersgerechte politische Beteiligung. Ein Ziel, das auch hierzulande immer wieder diskutiert wird. Wenige deutsche Städten und Gemeinden haben Kinderparlamente verwirklicht. Mehr als Schulsprecherin oder Schulsprecher ist in Deutschland oft nicht drin für gestaltungswillige Kids.
Genau wie die Abgeordneten unserer deutschen Parlamente werden die Kinderparlamentarier sich auf Themen einigen, über die sie sprechen. Wir dürfen gespannt sein, ob Schwimmbäder, Schulen oder Ferienprogramme zuerst auf der Tagesordnung des Wiener Parlaments für Kids landen - Themen, die auch unsere Kinder beschäftigen.

Die Wiener wissen dann hinterher, ob auch im Kinderparlament die Smartphones der Jüngsten, wie bei den Großen, als Hilfsmittel verwendet werden. Wer weiß: Vielleicht schalten die Jungparlamentarier ja zwischendurch auch die Handys aus. Ganz freiwillig, wenn sie per WhatsApp-Nachricht wissen, dass Pommes mit Mayo heute in der Kantine die erste Wahl ist.

Ein Kinderparlament, das physisch oder digital tagt, kann ein echter Exportschlager werden. Einer, über den auch unsere Parlamentarier bei ihrer nächsten Sitzung im Schichtbetrieb sprechen sollten.

Meine Herausforderung:

Am Sonntag, dem hundertsten Geburtstag von Max Weber, sein Werk lesen: "Politik als Beruf". Vielleicht fragt mich ja demnächst ein Kind zu diesem Thema. Von Erwachsenen, zumal Berufspolitiker*Innen, erwarte ich diese Frage eher nicht.

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