18. April 2018
Rente

Fragen und Antworten rund um die Mütterrente

Kaum ein Thema bewegte unsere Leserinnen und Leser in letzten Wochen und Monaten so stark wie die Mütterrente. Die Bundesregierung hatte hier unter dem Stichwort "Mütterrente II" eine Verbesserung in Aussicht gestellt – jedoch nur für einen eingeschränkten Personenkreis. Das erhitzte die Gemüter, denn nur Mütter mit drei oder mehr Kindern sollten von den Verbesserungen profitieren. Nun könnten die Pläne nochmals auf den Prüfstand kommen; dies hat Sozialminister Hubertus Heil angekündigt. Aber was ist eigentlich die Mütterrente und wer hat Anspruch darauf? Wir geben einen Überblick.

Mütterrente: Wer Kinder erzieht, kann seine spätere Rente erhöhen. | © imago/Westend61

Was ist die Mütterrente?

Wer Kinder erzieht, kann dadurch seine spätere gesetzliche Rente erhöhen oder sogar erstmals einen Rentenanspruch erwerben, denn für Kindererziehungszeiten werden Rentenpunkte (auch Entgeltpunkte genannt) für die Rente gutgeschrieben. Die Mütterrente ist keine eigene Rentenart. Unter dem Schlagwort „Mütterrente“ versteht man vielmehr die verbesserte rentenrechtliche Anerkennung von Kindererziehungszeiten für Kinder, die vor 1992 geboren wurden. Die gesetzliche Regelung dazu trat am 1. Juli 2014 in Kraft.

Seitdem gilt:

  • Für jedes Kind, das vor 1992 geboren wurde (also bis 31.12.1991), bekommt man zwei Rentenpunkte gutgeschrieben.
  • Für jedes Kind, das ab dem 1.1.1992 geboren wurde, erhält man drei Rentenpunkte.


Vor dem 1. Juli 2014 war die Regelung schlechter: Für jedes Kind, das vor 1992 geboren wurde, bekam man lediglich einen einzigen Rentenpunkt gutgeschrieben. Für jedes Kind, das nach 1992 geboren wurde, erhielt man drei Rentenpunkte.

Die rentenrechtliche Angleichung der Kindererziehungszeiten – ein zusätzlicher Rentenpunkt für Kinder, die vor 1992 geboren wurden – ist mit auf die Initiative und die sozialpolitischen Forderungen des Sozialverbands VdK zurückzuführen. Die Angleichung ging dem VdK jedoch nicht weit genug. Er fordert, dass auch Mütter, die vor 1992 Kinder geboren haben, drei Rentenpunkte pro Kind erhalten.

Heute wird das Wort „Mütterrente“ umgangssprachlich oft verwendet für den Teil der Rente, den man sich durch Kindererziehungszeiten erworben hat.

Was plant die Bundesregierung zur „Mütterrente II“?

Die neue schwarz-rote Bundesregierung hat 2018 in ihrem unter dem Schlagwort „Mütterrente II“ eine weitere Angleichung der Mütterrente angekündigt. Mütter, die vor 1992 Kinder bekommen haben, sollen nun auch drei statt aktuell zwei Rentenpunkte pro Kind bekommen. Was erst einmal gut klingt, hat einen dicken Haken: Nur Mütter mit drei oder mehr Kindern sollen den zusätzlichen Rentenpunkt erhalten. Damit wären sieben Millionen Menschen von der Neuregelung ausgeschlossen, weil sie „nur“ ein oder zwei Kinder haben. Der VdK findet dies nicht nachvollziehbar. Alle Mütter und Väter müssen rentenrechtlich völlig gleich behandelt werden, egal ob sie ein, zwei oder mehr Kinder haben!

Mittlerweile hat Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil angekündigt, die Pläne zur Mütterrente II nochmals auf den Prüfstand zu stellen. Der Sozialverband VdK begrüßt dies und wird das Thema weiter genau verfolgen.

Können auch Väter die „Mütterrente“ bekommen?

Ja. Erfüllen Väter die Voraussetzungen für die Anrechnung der Kindererziehungszeiten, dann erwerben auch sie den Rentenanspruch. Das Schlagwort „Mütterrente“ gilt also auch für die Väter. Wichtig ist, dass die Kindererziehungszeiten im eigenen Rentenkonto erfasst sind.

Mütterrente: Wer hat Anspruch?

Die rechtliche Grundlage für die Anrechnung von Kindererziehungszeiten findet sich im Sozialgesetzbuch VI, § 56: „Kindererziehungszeiten sind Zeiten der Erziehung eines Kindes in dessen ersten drei Lebensjahren.“

Rentenansprüche für die Kindererziehung erwirbt das Elternteil, das ein Kind überwiegend erzogen hat. Die Erziehung muss in Deutschland stattfinden; Erziehungszeiten im Ausland können nur in Ausnahmefällen berücksichtigt werden.

Haben mehrere Elternteile das Kind gemeinsam erzogen, wird die Erziehungszeit einem Elternteil zugeordnet. Die Elternteile legen übereinstimmend fest, wer die Erziehungszeit angerechnet bekommen soll. Es ist auch möglich, die Erziehungszeiten untereinander aufzuteilen. Übrigens können sich nicht nur die leiblichen Eltern Erziehungszeiten anrechnen lassen, sondern auch Adoptiveltern, Stiefeltern und Pflegeeltern.

Muss man die Mütterrente beantragen?

Zwar muss für die Mütterrente kein extra Antrag gestellt werden, die Kindererziehungszeiten müssen aber auf jeden Fall im Rentenkonto erfasst sein, damit die Mütterrente ausgezahlt werden kann. Zeiten der Kindererziehung werden nämlich nicht automatisch erfasst, sondern müssen beim
Rentenversicherungsträger beantragt werden.

Wer seine Kindererziehungszeiten für die Rente noch nicht geltend gemacht hat, muss dies also bei der Deutschen Rentenversicherung tun.

Generell ist es wichtig, den Rentenversicherungsverlauf gut im Blick zu behalten. Denn nicht nur Zeiten der Erwerbstätigkeit können die Rente steigern, sondern auch beitragsfreie Zeiten wie Erziehungszeiten, Schwangerschaft, Ausbildung und andere mehr. Einsicht in den Versicherungsverlauf kann man bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen.

Wie hoch ist die Mütterrente?

Mit der Mütterrente erwirbt man Rentenansprüche in Form von Entgeltpunkten. Ein Entgeltpunkt entspricht aktuell 31,03 Euro (West) beziehungsweise 29,69 Euro (Ost). Für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, erhält man zwei Entgeltpunkte pro Kind. Für Kinder, die ab dem 1.1.1992 geboren wurden, gibt es drei Entgeltpunkte pro Kind.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel: Wer in den alten Bundesländern wohnt und ein Kind erzogen hat, das nach 1991 geboren wurde, erhält drei Entgeltpunkte angerechnet und erwirbt damit einen Rentenanspruch von 93,03 Euro monatlich.

Wird die Mütterrente brutto oder netto ausgezahlt?

Die 31,03 Euro (West) beziehungsweise 29,69 Euro (Ost) sind Bruttowerte – das bedeutet, dass noch Abzüge wie zum Beispiel Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge fällig werden. Außerdem muss die Rente gegebenenfalls versteuert werden.

Wird die Mütterrente auf die Grundsicherung im Alter angerechnet?

Wer eine niedrige Rente hat, muss unter Umständen Grundsicherung im Alter beantragen. Die Mütterrente wird als Einkommen auf die Grundsicherung angerechnet. Der Sozialverband VdK fordert, dass es hier einen Freibetrag von 200 Euro geben muss.

Möchten Sie mehr über die Position des Sozialverbands VdK zur Mütterrente erfahren? Schauen Sie gern in diesen Beitrag.

Haben Sie Fragen zur Mütterrente oder zur Rente generell? Wir helfen unseren Mitgliedern gern, beraten und informieren sie in unseren bundesweit zahlreichen Beratungsstellen. Sie sind noch kein VdK-Mitglied? Kein Problem, informieren Sie sich über die Mitgliedschaft im VdK und die Vorteile, die damit verbunden sind.

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cl

Schlagworte Mütterrente | Rente | Väter | Kindererziehung | Anspruch | Rentenpunkte | Antrag | Grundsicherung

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