9. Dezember 2021
VdK-Zeitung

„Hingehen, Gesicht zeigen, zuhören“

Mit Bärbel Bas hat erstmals ein VdK-Mitglied das zweithöchste politische Amt des Landes inne. Die neue Bundestagspräsidentin ist seit 2017 VdK-Mitglied. Wie kam sie zum Sozialverband? Was verbindet sie mit ihm? Und wofür steht sie?

Das Bild zeigt Bärbel Bas, die an einem Geländer steht, hinter ihr eine Glasfassade
© photothek

Berührungspunkte hatte es schon lange und viele gegeben. Pflege, Rente, Gesundheit – all das sind Themen, die auch Bärbel Bas seit vielen Jahren umtreiben. Doch erst im September 2017 sprang der Funke über. Die damalige Bundestagsabgeordnete, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD und Gesundheitsexpertin besuchte ein Mitgliedertreffen des VdK-Ortsverbands Duisburg-Neudorf. Sie sprach über die Kranken- und Altenpflege. Ein kurzer Vortrag nur, doch alle, die ihn hörten, merkten gleich: „Da redet eine, die Ahnung hat.“ So erzählt es die Ortsverbandsvorsitzende Gisela Schiffers, die Bas damals eingeladen hatte. Auf Augenhöhe und sehr zugewandt habe sie im Anschluss die Fragen der Mitglieder beantwortet.

Am Ende überreichte Schiffers Bas einen Blumenstrauß – und einen Aufnahmeantrag. Bas grinste und packte ihn ein. Ein paar Tage später kam er ausgefüllt zurück. Vier Jahre später ist sie nun das bundespolitisch ranghöchste Mitglied des Sozialverbands: In der ersten Sitzung nach der Bundestagswahl Ende Oktober wählten die neuen Abgeordneten Bärbel Bas zur Bundestagspräsidentin.

Die 53-Jährige ist erst die dritte Frau in dieser Position nach Annemarie Renger (SPD) und Rita Süßmuth (CDU). Und sie ist nach Renger und Richard Stücklen (CDU) erst die Dritte ohne Abitur. Wie nur wenige andere im Bundestag verkörpert Bas eine Aufsteiger-Karriere, schaffte es aus einfachen Verhältnissen bis ins zweithöchste Amt des Landes. Geboren wurde sie als eines von sechs Kindern in Walsum, das heute ein Stadtteil von Duisburg ist.

Jenseits von Klischees

Dort wuchs sie mit zwei Schwestern und drei Brüdern auf. Ihre Eltern hätten „auf Parität geachtet“, schreibt sie augenzwinkernd auf ihrer Homepage. Geschlechtergerechtigkeit ist für sie selbstverständlich, lebt sie doch selbst ein Leben jenseits von Klischees: Viele Jahre hat sie begeistert Fußball gespielt, erst als Linksaußen, später als Libero. Genauso begeistert fährt sie Motorrad.

Nach der Hauptschule wollte Bas eigentlich technische Zeichnerin werden, doch es war die Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs des Ruhrgebiets. Sie fand keinen Ausbildungsplatz und besuchte deshalb die höhere Berufsschule für Technik. Seitdem kann Bas sogar schweißen. Sie lernte Bürogehilfin, engagierte sich politisch, erst als Betriebsrätin, später als Duisburger Juso-Vorsitzende, absolvierte ein Abendstudium der Krankenkassenbetriebswirtschaft, danach der Personalmanagement-Ökonomie und leitete schließlich den Personalservice einer Betriebskrankenkasse. Ratsmitglied der Stadt Duisburg war sie auch noch, bis sie 2009 zum ersten Mal in den Bundestag gewählt wurde. Sozial- und Gesundheitspolitik waren da längst ihre Themen – und blieben es.

Im politischen Berlin hat Bas sich schnell einen Namen als kompetente Fachpolitikerin gemacht. Doch die breite Öffentlichkeit nahm sie kaum wahr – nicht einmal, als sie 2019 SPD-Fraktionsvize wurde. Das lag auch am übermächtigen Schatten ihres Parteifreundes Karl Lauterbach. Dessen Medienpräsenz als Gesundheitsexperte, sagte sie kürzlich der WAZ, würde sie bei ihrem Pensum gar nicht schaffen. Sacharbeit und Bürgernähe stehen für Bas an erster Stelle.

Nahbar geblieben

Fast jedes Wochenende fuhr Bas bislang in ihre Heimat – besuchte Feste, Fußballspiele, Bürgertreffs, auch VdK-Veranstaltungen. „Es gibt nicht viele Bundespolitiker, die so nahbar geblieben sind“, sagt Horst Vöge, Landesvorsitzender des VdK Nordrhein-Westfalen. Er lernte Bas bereits Ende der 80er-Jahre bei einem Juso-Seminar kennen. Vöge war damals stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Landtagsfraktion, sie Duisburger Juso-­Vorsitzende. Schon da sei erkennbar gewesen, wie wissbegierig sie ist, aber auch, wie kritisch den Etablierten gegenüber, sagt Vöge. Später kreuzten sich ihre Wege immer wieder, zuletzt bei VdK-Veranstaltungen, auf die Bas als Bundestags­abgeordnete eingeladen war. „Ich war jedes Mal beeindruckt, wie gut sie auf Menschen zugehen kann, ihnen zuhört und ihre Probleme ernst nimmt“, sagt Vöge.

Ihre Wähler in Duisburg wissen das zu schätzen. Zum dritten Mal holte sie bei der Bundestagswahl im September das Direktmandat – mit 40,35 Prozent erhielt sie fast doppelt so viele Stimmen wie ihr Konkurrent von der CDU. „Hingehen, Gesicht zeigen – selbst beim kleinsten Verein – und zuhören“, so beschreibt sie ihren politischen Auftrag.

In ihrer ersten Rede als Bundestagspräsidentin sprach sie davon, nicht nur die Förderung von Frauen in der Politik zu einem Schwerpunkt ihrer Präsidentschaft machen zu wollen, sondern auch Bürgernähe. „Lassen Sie uns auf all jene, die sich von der Politik seit Langem nicht mehr angesprochen fühlen, zugehen“, appellierte sie an die Abgeordneten. Sie warb für eine Sprache, die die Menschen verstehen. Und dass auch jenen zugehört werde, „die vollauf damit beschäftigt sind, für ihre Kinder und ihre alternden Eltern zu sorgen. Denen die Mittel fehlen, auf eigenen Beinen zu stehen“.

Danach gefragt, was ihr in den Sinn kommt, wenn sie an den VdK denkt, schreibt sie: „Dass er Menschen am Rand der Gesellschaft eine Stimme gibt. Menschen, die hart mit ihrem Alltag ringen und auf Hilfe angewiesen sind.“
Es gibt auch weiterhin viele Berührungspunkte zwischen Bärbel Bas und dem VdK.

Heike Vowinkel

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