9. Juli 2021
VdK-Zeitung

„Alles über Anne“ für alle

Barrierefreie Ausstellung im Berliner Anne Frank Zentrum überzeugt

Das Tagebuch der Anne Frank ist eines der bewegendsten Zeugnisse jüdischen Lebens im Nationalsozialismus. Die Ausstellung „Alles über Anne“ im Berliner Anne Frank Zentrum widmet sich mit multimedialen Mitteln dem Schicksal des Mädchens, das sich zwei Jahre vor den Nazis versteckte und schließlich kurz vor Kriegsende 1945 im KZ Bergen-Belsen zu Tode kam. Das Anne Frank Zentrum setzt bei der Vermittlung auf ein barrierefreies Konzept, das auch VdK-Präsidentin Verena Bentele bei einem Besuch überzeugte.

Verena Bentele beim Besuch der Ausstellung an einer Station.
VdK-Präsidentin Verena Bentele beim Besuch der Ausstellung. | © VdK

Mitten in Mitte: Am Hackeschen Markt in Berlin tost der Verkehr. Tram, Autos, Radfahrer und Fußgänger bahnen sich ihren Weg durch das Gewusel. Am Zugang zu einem der vielen typischen Hinterhöfe in der Rosenthaler Straße ist in der Hektik der Hinweis auf das Anne Frank Zentrum schnell übersehen. Der Ort der Erinnerung an das jüdische Mädchen, dessen Tagebuch in mehr als 70 Sprachen übersetzt wurde, befindet sich im Haus Schwarzenberg.

Von der Fassade lächelt ihr groß und bunt an die Wand gesprühtes Gesicht den Besucher an. Die Tür steht offen. Damit für Rollstuhlfahrer der Weg über die sechs Stufen zum Aufzug kein unüberwindbares Hindernis bleibt, können sich die Gäste über eine Klingel mit Gegensprechanlage anmelden.

Der Aufzug hält in der zweiten Etage, dort bietet ein Bodenleitsystem Menschen mit Sehbehinderung eine Orientierung und führt sie durch das Museum. „Bei der Neukonzeption der Ausstellung 2018 haben wir großen Wert auf Barrierefreiheit gelegt“, erklärt Veronika Nahm, die seit dem 1. Juni dieses Jahres Direktorin des Zentrums ist. Mit dem überarbeiteten Konzept kommen Texttafeln in Blindenschrift, Videos mit Übersetzungen in deutsche Gebärdensprache, Tastobjekte und Audio-Erklärungen zum Einsatz.

Induktionsschleifen ermöglichen es Trägerinnen und Trägern von Hörgeräten, die Erläuterungen zu verfolgen. Für die Texte auf den Erläuterungstafeln sei „klare Sprache“ verwendet worden, sagt Nahm. Begriffe wie „Holocaust“ oder „Biografie“ sind in einem Glossar erklärt. Ziel sei, dass junge Menschen ab zehn Jahren oder Erwachsene mit Lernbehinderung keine Verständnisprobleme haben.

Versteck im Hinterhaus

Das Herz der Ausstellung bildet Anne Franks Lebensgeschichte, die von ihrer Geburt 1929 bis zu ihrem Tod 1945 in fünf Themenbereichen dargestellt wird. In den Jahren 1942 bis 1944 lebte die Familie in einem Versteck in einem Hinterhaus in Amsterdam während der deutschen Besetzung. Die Ausstellung informiert über Helferinnen und Helfer der Familie, lässt Zeitzeuginnen und Zeitzeugen in Interviews zu Wort kommen und beschreibt, wie Anne ihren Lebensalltag wahrgenommen hat.

Ein Radio, mit dem sich die Familie Frank informierte, ist eines der wenigen Exponate, die aus dem Versteck erhalten sind. Anne Frank schrieb am 15. Juni 1943 in ihrem Tagebuch, dass die „Wunderstimme“ aus dem Radio ihr immer wieder Mut gemacht hat.

Mithilfe von Tastobjekten können blinde oder sehbehinderte Besucherinnen und Besucher nachempfinden, wo sich das Hinterhaus-Versteck befand. Verschiedene Modelle stellen die Lage des Hauses in Amsterdam, das Versteck und die Räume dar, in denen die Familie Unterschlupf fand.

Die blinde VdK-Präsidentin Verena Bentele hat bei einem Besuch im vergangenen Oktober die inklusiven Ansätze der Ausstellung gelobt: „Ich bin beeindruckt, mit welch vielfältigen Mitteln diese Ausstellung das schreckliche Schicksal der Anne Frank darstellt. Sie ist ein wichtiger Beitrag, Geschichte für Menschen mit Behinderung gut nachvollziehbar zu machen.“

Jörg Ciszewski


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Schlagworte Museum | Holocaust | Krieg | barrierefrei

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