3. Mai 2021
VdK-Zeitung

Sehnsucht nach dem Ende der Stille

Nach einem Jahr Zwangspause hoffen die Chöre auf Frühling und Impfung

Notenblätter in einer gehaltenen Mappe im Vordergrund, weitere im Hintergrund
© unsplash

In Deutschland singen rund vier Millionen Menschen im Chor. Doch wegen der Corona-Krise herrscht seit über einem Jahr Stille in den Proberäumen und auf den Bühnen. Das drückt auf die Stimmung, gerade während der Pandemie fehlt das gesellige Miteinander besonders. Doch der Fortschritt bei den Impfungen und der Frühling ­machen Hoffnung. Der Deutsche Chorverband (DCV) plant bereits den musikalischen Neustart.

Katharina Rudy bedeutet das Singen sehr viel. Das VdK-Mitglied aus Bielefeld singt in drei Chören. Besser gesagt: Sie sang. Während die Singgruppen der Landfrauen und der Kirchengemeinde bereits vor gut einem Jahr mit ihren Proben aussetzten, hatte ihr dritter Chor zunächst weitergemacht. „Erst haben wir entsprechend der Corona-Regeln mit Abstand geprobt. Dann wurde es wärmer, und wir sangen im Garten.“
Als der Lockdown kam, organisierte der Chorleiter Proben als Zoom-Konferenz. Das Angebot wurde allerdings nur von weniger als der Hälfte des Chors angenommen. Auch Katharina Rudy fand keinen Gefallen daran. Jeder sang allein zu Hause und der Chorleiter wurde zugeschaltet. Das habe ihr keine Freude gemacht, sagt die 64-Jährige.

„Viele Chöre nutzen derzeit digitale Möglichkeiten für Online-­Proben und beweisen damit ihre Anpassungsfähigkeit“}, sagt Srdjan Tošic vom Deutschen Chorverband in Berlin, dem eigenen Angaben zufolge mehr als eine Million Sängerinnen und Sänger in rund 15 000 Chören angehören. Auf einigen Online-Plattformen wie Jamulus käme es nur zu einer geringen zeitlichen Verzögerung bei der Übermittlung der Töne. Dadurch sei ein gemeinsames Singen möglich, allerdings müsse die Bildübertragung ausfallen. „Das ist für viele Chöre ein großer Verlust.“

Jeder singt für sich

Plattformen wie Zoom oder Skype böten mehr Gemeinschaftsgefühl, weil die Kameras wie bei einer Videokonferenz angeschaltet bleiben können. „Aber die Verzögerung ist wegen der massiven Datenübertragung hoch. Deshalb müssen die Mikros beim Singen stumm geschaltet sein, jeder singt dann für sich allein.“ Bei Älteren finden Online-Proben keinen großen Anklang. Aus einer Umfrage des Bundesmusikverbands Chor & Orchester wisse man, dass rund ein Drittel der Ensembles (Chöre und Musikgruppen) mit älterer Besetzung seit dem ersten Lockdown weder in Präsenz noch online proben, erklärt Tošic.

Auch VdK-Mitglied Martha Lubosz, die in einem Chor in Mainz singt, hält nicht viel von Proben über das Internet. Ihr fehlt das „Glücksgefühl“, das gemeinsame Proben bei ihr auslösen, sowie die Geselligkeit. „Nach der Probe ging es immer in die Kneipe, wo man sich noch nett unterhielt“, erzählt die 32-Jährige. Um die Chorgemeinschaft weiter zu pflegen, treffen sich die Mitglieder zu Spieleabenden online. „Als Ersatz für die Weihnachtsfeier haben wir ein Pub-Quiz organisiert. Und im Januar haben wir online Activity gespielt.“ Sie hofft, dass das Wetter bald wieder Proben unter freiem Himmel zulässt.

Ulrich Stilz, Leiter des VdK-Projektchors im Kreisverband Simmern (Hunsrück), dem 45 Sänger angehören und der jährlich rund 15 Auftritte absolviert, setzt auf die Impfkampagne. „Ich gehe davon aus, dass nach der Impfung, also im zweiten Halbjahr dieses Jahres, wieder gesungen wird. Allerdings ist offen, wie viele Sänger noch aktiv singen werden.“

Auch den Deutschen Chorverband beschäftigt aktuell die Frage, wie viele Chöre nach der Pause zurückkommen. Der Verband unterstützt die Rückkehr in das gemeinsame Singen und Musizieren nach Corona. Mit 14 weiteren Musikverbänden und unter Federführung des Bundesmusikverbands Chor & Orchester engagiert sich der DCV im Kompetenznetzwerk „Neustart Amateurmusik“. Ziel ist es, „Lösungen für die Wiederaufnahme von Proben zu erarbeiten und die Chöre und Orchester mit Angeboten zu entlasten“, sagt Tošic.

Jörg Ciszewski

Schlagworte VdK-Mitglieder | Singen

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