29. Mai 2017
VdK-Zeitung

Steuerzahler können bei Krankheit und Pflege auf höhere Entlastung hoffen

Außergewöhnliche Belastungen müssen laut Bundesfinanzhof anders berechnet werden – Urteil ist noch nicht umgesetzt

Gesundheits- und Pflegekosten können nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs stärker als bisher steuerlich geltend gemacht werden.

Kosten für das Pflegeheim können als außergewöhnliche Belastungen
steuerlich geltend gemacht werden. | © imago/Jochen Tack

Der steuerliche Abzug außergewöhnlicher Belastungen, zu denen neben Gesundheits- auch Pflegeaufwendungen gehören, ist nur möglich, wenn der Steuerpflichtige mit überdurchschnittlich hohen Aufwendungen belastet ist. Diese Regelung soll sicherstellen, dass Menschen mit geringerem Einkommen beziehungsweise hohen Gesundheitskosten entlastet werden.

So gibt es eine dreigeteilte Zumutbarkeitsgrenze („zumutbare Belastung“): Stufe 1: Einkünfte bis 15.340 Euro, Stufe 2: bis 51.130 Euro und Stufe 3: über 51.130 Euro. Darüber hinaus werden Familienstand und Zahl der Kinder berücksichtigt und mit einem Prozentsatz belegt. Dieser steigt von Stufe zu Stufe. Der Prozentsatz beträgt zum Beispiel bei zusammenveranlagten Ehegatten mit einem oder zwei Kindern in Stufe 1 zwei Prozent, in Stufe 2 drei Prozent und in Stufe 3 vier Prozent. Das heißt, je höher das zu versteuernde Einkommen und die Prozentzahl sind, desto weniger oder gar keine außergewöhnliche Belastungen kann der Steuerzahler geltend machen.

Bisher haben die Finanzämter den höchsten Prozentsatz auf die gesamten Einkünfte angerechnet. Der Bundesfinanzhof hat nun geurteilt (Aktenzeichen VI R 75/14), dass nur noch der Teil des Gesamtbetrags der Einkünfte, der den Stufengrenzbetrag übersteigt, mit dem jeweils höheren Prozentsatz belastet wird. Das heißt im Umkehrschluss, dass auch geringere Kosten zu einer steuerlichen Entlastung führen können und höhere Kosten stärker abzugsfähig sind. Steuerzahler können so zum Teil mehrere hundert Euro sparen, wie Steuerreferent Rudolf Gramlich vom Steuerring erläutert. Allerdings wird es noch nicht umgesetzt. Dies ist aber im Sinne der Betroffenen zu hoffen. Steuerzahler sollten den Steuerbescheid in diesem Punkt prüfen und gegebenenfalls Einspruch mit Verweis auf das Urteil einlegen.

Hilfe geben Lohnsteuerhilfevereine wie der Steuerring oder die Lohi. Mitglieder einiger VdK-Landesverbände haben dort vergünstigte Konditionen.

hei

Schlagworte Steuererklärung | Pflegekosten | Gesundheitskosten | Urteil | steuerlich absetzbar | Steuern | außergewöhnliche Belastung

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